von Peter am 18.08.2015, 17:23 Uhr , Kategorie: Allgemein

KaffeeDie Lackierung des Lieferwagens lässt keinen Zweifel offen: ein paar nackte Frauenbeine in roten High-Heels, die sich lasziv auf Kaffeebohnen räkeln, darüber die mit einem roten Herz verzierte Headline „Verführerisch lecker“. Den Link zum Foto gibt’s ganz am Ende des Artikels unter „Quelle“, nicht eher.

Kaffeebohnen? Ja genau, denn es ist kein „Puffauto“, wie man meinen könnte, sondern der Lieferwagen des Mönchengladbacher Kaffeeversorgers Bovelett. Was „pfiffiges“ Neues wollte man hier in Sachen Werbung wagen.

Ein Mitarbeiter der Firma weigerte sich, mit diesem Fahrzeug dienstlich zu fahren, weil ihm das, gelinde gesagt, zu unseriös war. Kunden hätten sich bereits negativ geäußert. Arbeitgeber und Angestellter stritten miteinander, schließlich war der Kollege krank geschrieben. Der Krankschreibung folgte die fristlose Kündigung durch den Arbeitgeber.

In der Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht kam es zu keiner Annäherung. Das Gericht ließ jedoch erkennen, dass es keinen rechten Grund für eine fristlose Kündigung sehe, da es dem Mitarbeiter tatsächlich eventuell unzumutbar hätte sein können, dieses Fahrzeug zu benutzen. Original-Ton: „Auch seien die nackten Frauenbeine in dem Kfz bedenklich, da dies den Eindruck erwecke, dass dort eine nackte Frau drin liegen würde bei geöffneter Tür.“ Ja da schau her.

Das Gericht schlug einen Vergleich vor, ohne Erfolg. Die Sache wird jetzt streitig.

Eins haben sie alle zusammen erreicht: Aufmerksamkeit. Und darum geht’s ja in der Werbung, oder? Dennoch: Während manchem das nicht scharf genug zu sein scheint (bitte?), haben wir zu der Aktion eine andere Meinung: Die Werbung ist völlig sexistisch, total daneben und geht gar nicht.

Quelle: RP Online (hier versteckt sich auch das Foto…) – Bildquelle: © CC BY 2.0, via flickr/Thomas Schlosser

Hamburg, Zeitungsmarkt, MoPo, Hamburger MorgenpostWer Hamburg kennt, dem ist auch die „MoPo“ ein Begriff. Die Hamburger Morgenpost ist eine Boulevardzeitung, die schon länger mit einer stark sinkenden Auflage zu kämpfen hat. Knapp 90.000 Exemplare verkauft man täglich, aber allein im letzten Jahr fuhr man ein Minus von fast 11 Prozent ein. Der ganze Markt geht nach unten, auch die Konkurrenten Hamburger Abendblatt und Bild Hamburg machen da keine Ausnahme. Die Branche ist im Umbruch, das ist kein Geheimnis.

Eigentümer der MoPo ist seit 2009 der Medienverlag M. Dumont Schauberg, eines der größten deutschen Verlagshäuser mit Sitz in Köln.

Im Verlagsgebäude der MoPo in Hamburg-Bahrenfelde herrscht seit mehreren Jahren Unruhe. Betriebsbedingte Kündigungen, Stellenabbau und Umstrukturierungen, all das kommt immer wieder zur Sprache. Betriebsräte und Gewerkschaft betreiben den Blog
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Bosch Rexroth, UmstrukturierungWas mag das nur für ein schreckliches Gefühl sein, wenn man erfährt, dass der Arbeitgeber ein Kostensenkungsprogramm in gewaltiger Höhe plant? Die Mitarbeiter der Bosch Rexroth AG mit Sitz im unterfränkischen Lohr am Main machen diese Erfahrung gerade. Ende Juli gab das Industrieunternehmen bekannt, dass es „seine Zukunftsfähigkeit langfristig sichern wolle“. Es geht dabei um den großen Produktbereich Mobile Anwendungen. Hier werden Getriebe und Hydrauliken für mobile Arbeitsmaschinen auf Baustellen oder in der Landwirtschaft hergestellt.

Die Rede ist von einer Kostenreduzierung in Höhe von 450 Millionen Euro. Kostenreduzierung, 450 Millionen? Die Angst um den Arbeitsplatz wird angesichts dieser Worte und Zahlen bei vielen sofort von 0 auf 100 gestiegen sein. Was für ein Schock!

Jetzt ist der Betriebsrat gefordert, vielleicht wie noch nie zuvor. Bosch Rexroth kündigte an, mit den Arbeitnehmervertretern offene Gespräche zu führen, um ein Gesamtkonzept zu prüfen und evtl. alternative Maßnahmen zu überlegen. Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind am Kochen, denn: Nach einem Artikel der Würzburger Main-Post habe der Arbeitgeber
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Zalando, Schrei vor GlückMehr als 2.500 Mitarbeiter, eine Wahlbeteiligung von 70 Prozent und 21 neue Kolleginnen und Kollegen, die den Schritt gewagt haben. Gratulation, Zalando in Erfurt hat es getan: Nach der Wahl eines Betriebsrats im Logistik-Standort Brieselang bei Berlin, werden Anfang Juni einige Tausend Beschäftigte im riesigen Zalando-Hauptlager Erfurt vor Glück geschrien haben: Die Mitbestimmung ist – endlich – auch bei ihnen angekommen.

Schrei vor Glück – mit diesem Spruch und attraktiven Werbevideos zog der Online-Händler vor einigen Jahren jede Menge Aufmerksamkeit auf sich. Auch dadurch legte er den Grundstock für sein raketenartiges Wachstum im Bereich des Internet-Schuh- und Modeshoppings im deutschsprachigen Raum. Der Umsatz explodierte in letzten Jahren nahezu: Nach 150 Millionen Euro im Jahr 2010 betrug er 2014 bereits gigantische 2,2 Milliarden Euro. Das jährliche Wachstum liegt  immer im zweistelligen, manchmal im dreistelligen Prozentbereich (zuletzt gab es 26 % Plus 2013/14).

Schreien vor Glück konnten bislang, gerade wegen dieser Entwicklung, vor allem die Anteilseigner, weniger die Mitarbeiter. Deren Arbeitsbedingungen gerieten in den Fokus, als zwei TV-Reportagen
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von Peter am 07.08.2015, 14:19 Uhr , Kategorie: Betriebsrat

DruckereiDie GGP Media GmbH aus Pößneck ist eine der größten Offsetdruckereien Europas. Knapp 1.000 Mitarbeiter sind hier beschäftigt. Bis zur Wende druckten die Thüringer fast alle Bücher der DDR, sogar das Telefonbuch von Moskau wurde hier hergestellt. Bekanntheit erlangte das Unternehmen auch, weil es sich 2005 als erstes europäisches Unternehmen überhaupt hat FSC-zertifizieren lassen. In Punkto „umweltverträgliche Produktion“ stellte dies eine Pionierleistung dar. Auch die beliebten Harry Potter-Bücher hat GGP Media gedruckt, die deutsche aber auch die englische Version. Eine gewaltige Auflage war das, die wegen der Neugier der Fangemeine unter den strengsten Sicherheitsvorkehrungen hergestellt wurde, was weltweit zu vielen Berichten führte.

Nun ist leider der Betriebsrat des Unternehmens in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Wie MDR Thüringen berichtet, werden aktuell im Betrieb Unterschriften gesammelt, um eine Neuwahl des BR-Gremiums zu erreichen. Falko Eismann, der Initiator der Aktion, erklärte dem Radiosender MDR die Gründe: Man sei unzufrieden mit dessen Arbeit. Die Kollegen vom Betriebsrat würden sich nicht genügend für die Belange der Belegschaft einsetzen.

Ein dazu befragtes Betriebsratsmitglied zeigte sich auf Rückfrage des MDR überrascht
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Arbeit am Notebook mit HandverletzungWelches Körperteil am häufigsten bei Arbeitsunfällen in den Branchen Energie, Textil, Elektro und Medienerzeugnisse verletzt wird, verrät eine aktuelle Unfallstatistik der zuständigen Berufsgenossenschaft BG ETEM. Danach sind nicht der Kopf oder der Rücken, sondern die Hände der Spitzenreiter und zwar mit 22.705 Fällen im vergangenen Jahr. Das entspricht in etwa 40 % aller erfassten 57.000 meldepflichtigen Arbeitsunfälle des Jahres 2014. Die Verletzungen erfolgen dabei meistens durch das Einwirken von Werkzeugen und laufenden Maschinen und Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Platz zwei in der Unfallstatistik belegen Knöchel und Füße gefolgt von Kniegelenk und Unterschenkel.

Unfälle sorgen nicht nur für Schmerzen und Leid, sie verursachen auch Kosten: Für die medizinische Behandlung und anschließende Rehabilitationsmaßnahmen aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle, Wegeunfälle sowie der Berufskrankheiten hat die BG ETEM nach eigenen Angaben im  Jahr 2014 gut 814 Millionen Euro ausgegeben.

Bildquelle: © RioPatuca Images – fotolia.de

befristeter ArbeitsvertragDie Süddeutsche Zeitung hat es heute ganz oben auf dem Titel: „Immer weniger Jobs werden befristet“. Zuerst Erstaunen, dann aber eine Nachfrage: Ist das tatsächlich eine bedeutungsvolle, weil an sich gute Nachricht? Oder will man ihr durch die Platzierung in der ersten Reihe eine solche Bedeutung erst verleihen? Was steckt dahinter?

Hintergrund sind neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die zumindest wir online nicht entdeckt haben (für den Link wären wir dankbar). Über diese Zahlen wird heute ausführlich berichtet. Danach sei der Anteil der befristet Beschäftigten von 8,9 Prozent (2011) auf 8,1 Prozent (2014) zurückgegangen. Dies gelte für Arbeitnehmer ab 25 Jahren. Das ist ja ordentlich!

Arbeitsmarktexperten wie Karl Brenke vom DIW-Institut interpretieren dies mit dem Beschäftigungsboom auf dem deutschen Arbeitsmarkt. So viele Menschen wie nie zuvor seien in Lohn und Brot. 42,6 Millionen derzeit, die zumindst nach seiner Argumentation allein durch ihre schiere Masse automatisch eine verbesserte Verhandlungsposition im Job hätten. So könne man heute als Arbeitnehmer viel leichter als früher auf einen unbefristeten Vertrag pochen. Da sind wir beim Lesen das erste Mal unruhig geworden!

Die Süddeutsche Zeitung ist witzig: Einen Satz nach dem Zitat
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von Peter am 05.08.2015, 15:33 Uhr , Kategorie: Arbeitszeit

Mindestlohn, Zollkontrolle, Finanzkontrolle Schwarzarbeit„Grundsätzlich ist es so, dass…“ – kennen Sie das? Spricht jemand so von Grundsätzen, sollte man auf der Hut sein. Denn im Klartext heißt das nichts anderes, als dass es Ausnahmen zum Gesagten gibt. Bei Gesetzestexten ist das so oder zumindest ganz ähnlich. Da erklärt ein Paragraf  unmißverständlich, wie irgendwas ganz allgemein ist. Und dann befinden sich in den folgenden Absätzen haufenweise Ausnahmen dazu. Meist offen formuliert, häufig aber auch gut getarnt. Deshalb empfehlen wir übrigens auf Seminaren, aber auch in unserer Gesetzessammlung, einen Paragrafen besser immer bis ganz zum Ende zu lesen, selbst wenn man im ersten Satz schon eine glasklare Aussage gefunden hat. Am besten den Folgeparagrafen auch noch lesen, in dem verbergen sich ebenfalls häufig fiese kleine oder etwas größere Überraschungen. Das aber nur am Rande.

Es geht um die Sonntagsarbeit. Bei der ist das mit den Grundsätzen so ein Fall. Liest man den § 9 Absatz 1 Arbeitszeitgesetz, ist die Sache gebongt: „Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden.“ Basta!

Wie kann es dann sein, dass das Statistische Bundesamt soeben meldet,
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von Peter am 04.08.2015, 11:58 Uhr , Kategorie: Mindestlohn

Mindestlohn, Zollkontrolle, Finanzkontrolle SchwarzarbeitJe reicher, desto schäbiger? 200 Millionen Euro auf der hohen Konto, aber nicht willens, den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen? Der Kragen könnte einem platzen, wenn man liest, wie der Duke of Rutland, ein extrem vermögender britischer Adeliger seine Angestellten behandelt.

In Großbritannien beträgt der gesetzliche Mindestlohn 6,50 Pfund, umgerechnet etwas über 9 Euro. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, zahlt der Duke 57 Angestellten seiner Schlösserverwaltung weniger als diesen Betrag.

Woher die Zeitung das weiß? Natürlich aus dem Internet! Hier betreibt die britische Regierung seit zwei Jahren eine Webseite, auf der sie alle paar Wochen eine Liste aktualisiert. Auf dieser veröffentlicht sie für alle einsehbar „erwischte“ Arbeitgeber als Mindestlohn-Sünder. Genannt werden dabei
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von Ines am 27.07.2015, 16:37 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

blaue Männchen stehen um einen Uhr herumErst kürzlich hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass das Betreuungsgeld unwirksam ist, da es in seiner bisherigen Form gegen das Grundgesetz verstößt. Die entsprechende Vorschrift wurde für nichtig erklärt. Neuanträge werden künftig nicht mehr berücksichtigt. Bestehende Bescheide sollen aber nicht geändert werden.

Damit könnte die Sache ja nun erledigt sein. Doch nein – jetzt beginnt der Streit ums Geld! Denn immerhin waren für das „Projekt Betreuungsgeld“ 2015 im Bundeshaushalt 900 Millionen Euro eingeplant. Was geschieht jetzt damit? Ein polarisierender Plan kommt von Familienministerin Manuela Schwesig: Sie will Kinderbetreuung rund um die Uhr und setzt sich für 24-Stunden-Kitas ein. Doch der Vorschlag ist umstritten. Kritiker befürchten, dass durch dieses Modell das Familienleben der Arbeit untergeordnet wird und die Kinder am Ende die Verlierer sind. Arbeitgeber-Präsident Dulger dagegen bestätigt laut FAZ  Schwesig in ihrem Ansatz. Er ist der Meinung, es sei „in Ordnung, wenn Du Dein Kind mal für 24 Stunden in einer Kita abgibst.“ Dulger beklagt ein „verkrampftes Familienbild“ und ist der Meinung, „wir müssen uns von erlernten Weltbildern verabschieden“.
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