Seminare nach der Wahl 2010

Anteil der Teilzeitarbeit wächst und bleibt in Frauenhand

Donnerstag, 30. April 2009 von Thomas
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In den letzten zehn Jahren hat die Teilzeitarbeit laut Statistischem Bundesamt in Deutschland weiter zugenommen.

Insgesamt hatten im vergangenen Jahr fast 5 Millionen Frauen und Männer einen Teilzeitjob mit maximal 20 Stunden pro Woche. Das sind 16 Prozent aller abhängig Beschäftigten. Vor zehn Jahren arbeiteten nur 3,5 Millionen in Teilzeit – rund ein Drittel weniger als heute.

Gründe für diesen Anstieg sind laut dem Bundesamt unter anderem der im Jahr 2001 eingeführte Rechtsanspruch auf Teilzeitarbeit, die Maßnahmen zur Förderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die gesetzliche Änderungen zur geringfügigen Beschäftigung.

Für die meisten ist der Hauptgrund für die Teilzeittätigkeit mehr Zeit für familiäre Verpflichtungen zu gewinnen: Über 50% der Teilzeitbeschäftigten üben eine Teilzeittätigkeit aus, weil sie Kinder oder pflegebedürftige Personen betreuen oder anderen familiären Verpflichtungen nachgehen.

Zudem steigt aber auch der Anteil der unfreiwillig in Teilzeit arbeitenden Menschen: Seit 1998 ist dieser von 13 auf 23 Prozent deutlich gewachsen. In den neuen Bundesländern arbeiten sogar 65 Prozent unfreiwillig in Teilzeit, im Westen dagegen nur 17 Prozent.

Auffällig ist, dass die Teilzeitarbeit auch weiterhin eine Frauendomäne ist. 87 Prozent der Beschäftigten mit maximal 20 Stunden in der Woche waren im Jahr 2008 Frauen.

Auf Altersgruppen verteilt ergibt sich eine Zunahme in allen Generationen. Am stärksten ist der Zuwachs jedoch bei den 45- bis 54-Jährigen (plus sechs Prozentpunkte) und am geringsten bei den 25- bis 34-Jährigen (minus acht Prozentpunkte).

Thomas

Daimler-Beschäftigte bekommen weniger Geld

Mittwoch, 29. April 2009 von Thomas
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Auf Grund der Umweltprämie geht es der Autobranche im Moment trotz Wirtschaftskrise noch relativ gut. Jedoch profitieren nicht alle Autobauer von dem staatlichen Finanzzuschuss.

Denn in knappen Zeiten sind vor allem Kleinwägen gefragt. Diese sind nämlich zu einem besonders günstigen Preis zu haben. Mittel- und Luxusklassewägen bleiben hingegen in finanzschwachen Zeiten eher Ladenhüter. So bleibt z.B. Daimler auf vielen unverkauften Autos sitzen. Die Verkäufe von Autos und Lastwagen sind dort um 34 Prozent eingebrochen.

Nach Auskunft des Bundesamtes für Wirtschaft Ausfuhrkontrolle (BAFA) werden statt dessen vor allem VW-Marken wie Volkswagen, Seat und Skoda verkauft. Auf diese Marken entfallen ca. 27 Prozent aller Abwrack-Anträge. Den zweitgrößten Anteil erzielt mit ca. 10 Prozent Opel.

Die Luxuswagen-Hersteller BMW und Daimler profitieren hingegen kaum von der Abwrackprämie. So entfielen lediglich ca. 2 Prozent der Anträge auf Daimler, unter anderem mit den Konzernmarken Mercedes-Benz und smart, sowie nur 1 Prozent auf BMW.

Die Prämie kann somit den Umsatzrückgang bei Daimler nicht mildern; eine dramatische Absatzkrise besteht.

Um Gegenzusteuern wird es deshalb ab Mai bei 60.000 Daimler-Beschäftigten die Arbeitszeit um 8,75 Prozent ohne Lohnausgleich verkürzt werden. Außerdem soll die ursprünglich für Mai geplante zweite Stufe der Tariferhöhung auf Oktober verschoben werden. Wenigstens schließen sich auch Vorstände und leitende Führungskräfte dem Gehaltsverzicht an: Der Vorstand verzichtet umgerechnet auf zwei Monatsgehälter, leitende Führungskräfte büßen ein volles Monatsgehalt ein. Eine Erfolgsbeteiligung wird es ebenfalls nicht geben.

Mit diesen schmerzhaften Einbußen hat der Gesamtbetriebsrat jedoch erreicht, dass bis 30.06.2010 keine betriebsbedingten Kündigungen erfolgen.

Daimler will mit diesen Maßnahmen versuchen den Umsatzrückgang auszugleichen.

Thomas

Schweinegrippe verbreitet sich

Dienstag, 28. April 2009 von Thomas
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Die Schweinegrippe verbreitet sich. Auch in Europa sind schon Fälle bekannt geworden. In Deutschland hat sich bisher Gott sei Dank noch kein Fall bestätigt. Dennoch ist Vorsicht geraten und zugleich Panik zu vermeiden.

Gestern habe ich mit einem Betriebsrat gesprochen. Dieser hat mir erzählt, dass in seinem Betrieb in München ein Brief der Geschäftsleitung verteilt wurde: Falls irgendwelche Anzeichen für einen grippalen Infekt beständen solle jeder Mitarbeiter sofort einen Arzt konsultieren und auf jeden Fall zu Hause bleiben. Das Prinzip der Geschäftsleitung lautet: Lieber einen Krankheitstag mehr als die Grippe-Gefahr für die ganze Belegschaft.

Wie schaut es denn bei Ihnen im Betrieb aus? Hat Ihre Geschäftsleitung schon Maßnahmen getroffen oder ist die Schweinegrippe noch gar kein Thema?

Thomas

Wird der Betriebsrat etwa zum besten Freund der Führungskraft?

Freitag, 24. April 2009 von Peter
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Die Zeiten ändern sich. Die Distanz zwischen Betriebsräten und Führungskräften wird offenbar geringer. Ist da etwa eine konstruktive Kommunikation in Sicht? Könnte schon sein. Zumindest wenn man eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung mit dem Titel „Die Leistungsträger – Führungskräfte im Wandel der Unternehmenskultur“ zu Grunde legt. Denn was in manchen Betrieben schon längst an der Tagungsordnung ist, nämlich dass Führungskräfte den Betriebsrat als wichtigen Verhandlungs- und Gestaltungspartner im Betrieb betrachten, das scheint sich langsam aber sicher auch bei einer größeren Zahl von Unternehmen durchzusetzen. Was dahinter steckt? Na, wieder mal die Wirtschaftskrise: „In Zeiten großer wirtschaftlicher Unsicherheit nehmen leitende Angestellte den Wert der betrieblichen Interessenvertretung stärker wahr als zuvor“, meint die Böckler-Stiftung.

Betriebsrat sein ist häufig ein schwerer und zunehmend anspruchsvoller werdender Job. Wo früher prioritätenmäßig höchstens mal die Frage ganz oben stand, wer bei Dienstreisen erster und wer zweiter Klasse fahren darf, da verhandeln Betriebsräte heutzutage über den Erhalt von Tausenden von Arbeitsplätzen. Da freut man sich doch ein wenig, wenn diese Entwicklung von immer mehr gesehen und auch respektiert und anerkannt wird. Scheinbar wohl auch von immer mehr Führungskräften. Ein Hoffnungsschimmer? Na ja, es kommen sicher auch wieder bessere wirtschaftliche Zeiten, und dann werden wir ja sehen, was da so substanzielles dran ist …

Peter

Link zum Ergebnis der Studie bei der Hans-Böckler-Stiftung

Kurzarbeit kommt mächtig

Donnerstag, 23. April 2009 von Peter
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Man liest derzeit viel über Kurzarbeit, vielleicht ist man auch schon davon betroffen, viele Firma denken bereits darüber nach, andere haben sie schon eingeführt: Siemens zum Beispiel hat aktuell 12.000 Mitarbeiter in Kurzarbeit und will diese Zahl bis Juni auf 19.000 steigern. Bei Continental soll bis Ende April angeblich jeder zweite Beschäftigte in Kurzarbeit sein. Und das sind nur zwei Meldungen vom heutigen Tag.

Die Zahlen, die die Bundesagentur für Arbeit nun vorgelegt hat, beeindrucken und lassen einen erschaudern: Im März 2009 hatten bereits rund 24.000 Betriebe für 670.000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet. Seit Jahresbeginn kostete dies die Bundesagentur 260 Millionen Euro. Das ist über eine Viertel Milliarde. Allein 173 Millionen davon entstanden nur im März. Trend: stark steigend. Eine wahre Kostenexplosion. Wo soll das hinführen? Die Regierung plant nun, die Förderung des Kurzarbeitergeldes auszuweiten, zum Beispiel durch eine Erweiterung von 18 auf 24 Monate. Aber wie lange geht der Plan noch auf, die Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Kurzarbeit zu verzögern und zeitlich nach hinten zu verschieben, in der Hoffnung vom irgendwann kommenden Aufschwung abgefangen zu werden?

Noch ein Lesetipp: „Das Leben ist kurz“ –eine Reportage der taz, die sich mit dem Alltag eines Maschinenschlossers in Kurzarbeit beschäftigt. Diejenigen, die immer noch der Ansicht sind, Kurzarbeit wäre so was ähnliches wie Urlaub (und solche Meinungen gibt es durchaus), die sollten das mal lesen. Die anderen auch.

Peter

Flugzeugpfandbriefe oder Mitarbeiterkapitalbeteiligung?

Mittwoch, 22. April 2009 von Peter
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Das sind ja vielleicht zwei Wörter. Wahre Wortungetüme. Was die miteinander zu tun haben? Nicht viel, eigentlich gar nichts. Nur: In beiden Bereichen sind im April 2009 Gesetzesänderungen wirksam geworden. Ich weiß, ich bin etwas spät dran damit, der April ist ja in einer Woche schon wieder vorbei, aber so ist es nun halt mal, manchmal hat man als Blog-Autor so ein Thema vor sich rumliegen, und das schiebt sich so von Tag zu Tag weiter in die Zukunft, ohne dass man viel machen könnte (so kommt es mir zumindest vor…).

Zurück zum Thema: Der Beck-Verlag hat auf seiner Webseite eine schöne Übersicht, was im April so alles mehr oder weniger Bemerkenswerte gesetzlich geändert oder neu geregelt wurde. Und da kommt man an den Flugzeugpfandbriefen einfach nicht vorbei, die man nun endlich auch in Deutschland eingeführt hat. Dazu habe ich, das muss ich gestehen, keine eigene Meinung. Nun gut. Jetzt haben wir also Flugzeugpfandrechte. Endlich.

Viel interessanter aus Sicht des Betriebsrat dürfte da schon die Neuregelung der betrieblichen Mitarbeiterkapitalbeteiligung sein. Denn Beschäftigte sollen sich nun stärker als bisher an ihren Unternehmen beteiligen können. Wie das genau geht, darüber informiert eine eigene Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

Peter

Schon mal ein wenig BR-Wahl-Luft schnuppern

Dienstag, 21. April 2009 von Peter
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Es hilft alles nichts, denn der Termin kommt unweigerlich. Zwar immer noch ein knappes Jahr weg, aber ab dem 01. März 2010 heißt es dann: Wahl frei für den neuen Betriebsrat!

Das Beste daran: Es gibt keinen Grund, sich deshalb die Laune verderben zu lassen, ganz im Gegenteil. Denn: Gut gerüstet ist, wer sich bis dahin gut beraten und vorbereitet hat. Die Durchführung einer solchen Wahl ist ja nun wirklich nicht zu unterschätzen. Das kann jeder, der schon mal das Vergnügen hatte, als Wahlvorstand zu fungieren, bestätigen. Und dann ist da immer dieses Kreuz mit den ganzen Wahlfehlern: Einmal eine Frist versemmelt und schwupps ist möglicherweise die ganze Wahl anfechtbar (mit möglicherweise ganz doofen Folgen…).

Aber kein Verzagen. Denn es gibt ja immer noch das ifb und Wahlseminare sind quasi seit etlichen Jahren unsere Spezialität. Dass wir praxisnah unterrichten, das kann jeder bestätigen, der schon mal bei uns war. Dass wir Top-Referenten einsetzen, na klar, wen sollten wir auch sonst vor eine wissbegierige Gruppe stellen? Und dass diese Gruppen nicht zu groß werden, darauf achten wir schon (maximal 18 Teilnehmer und oft sind es weniger). Auf unseren Schulungen zur Wahl gibt es dann auch noch ein „Wahlhilfe-Paket“ mit in die Tüte, denn sicher kennt jeder die Situation, dass einem die allesentscheidende Frage erst viel viel später einfällt. Da ist der Zug nach Hause bereits abgefahren und der Referent schon sehr weit weg. Und sollte dann tatsächlich diese eine bestimmte Frage (“warum hab ich das nur nicht gefragt?”) mit Hilfe unseres schönen Pakets -unwahrscheinlicherweise- nicht geklärt werden können, dann hilft immer noch unsere persönliche Seminar-Nachbetreuung am Telefon, und die hilft garantiert, denn für unsere Teilnehmer geht der Service auch nach dem Seminar noch weiter. Eh klar!

Peter

Schon mal BR-Wahl-Luft schnuppern kann man auf unserer komplett neuen Webseite zur Wahl 2010 www.brwahl.de

Den brandneuen ifb-Flyer zur Betriebsratswahl verschicken wir am 24.04.09. Hier kann man ihn bereits als pdf herunterladen.

Märchen und Halbwahrheiten aus dem Arbeitsrecht

Montag, 20. April 2009 von Peter
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Vor einiger Zeit haben wir hier fiese Fallen aus dem Arbeitsrecht präsentiert. Heute soll es nun dagegen um Mythen und Halbwahrheiten gehen. Focus Online ist auf seiner Webseite ein paar besonders hartnäckigen Geschichten nachgegangen, die sich vor allem dadurch auszeichnen, dass sie juristisch einfach nicht stimmen.

Sie sind Betriebsrat und kennen sich am allgemeinen recht gut aus? Na prima. Sie sollten sich diesen Artikel trotzdem etwas genauer unter die Lupe nehmen, wenn Sie der Meinung sind, dass …

– man bei einer Kündigung grundsätzlich einen Anspruch auf eine Abfindung hat,

– Arbeitgeber in besonders schweren wirtschaftlichen Zeiten das Gehalt angemessen kürzen dürfen,

– Arbeitnehmer sich ungenutzte Urlaubstage auszahlen lassen können,

– und kein Arbeitgeber weniger zahlen darf als den Tariflohn.

War das jetzt alles falsch? Oder war vielleicht doch eine richtige Aussage dabei? Sie sind sich nicht ganz sicher? Dann lesen Sie doch einfach schnell hier nach.

Peter

“Gutes Leben” mit der IG Metall

Freitag, 17. April 2009 von Peter
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Vor kurzem brachte die IG Metall eine neue Kampagne auf den Weg. Diese nennt sich „Gemeinsam für ein gutes Leben“ und möchte einen Eindruck vermitteln, was für Menschen, vor allem in ihrer Funktion als Arbeitnehmer, heutzutage wirklich wichtig ist. Erreichen will sie das mit einer großangelegten Befragung, an der sich jeder beteiligen kann. „Heutzutage“ – damit ist auch die Wirtschaftskrise gemeint, deren Wucht immer nachhaltiger zu werden scheint. Die Gewerkschaft will die Ergebnisse der Befragung auf jeden Fall noch vor der Bundestagswahl der Politik vorstellen.

Die Seite bietet eine großangelegte Fragebogenaktion, viele Beiträge über Themen die derzeit im Mittelpunkt stehen wie zum Beispiel Wege aus der Wirtschaftskrise, Beschäftigungssicherung, Leiharbeit und Befristung sowie soziale Sicherheit, ausserdem Infos und Termine zur gewerkschaftlichen „Road-Show“. Schon seit einiger Zeit ist ein Truck in Deutschland unterwegs, der auf Plätzen, Schulen, Universitäten und regionalen Veranstaltungen die Kampagne aus den Betrieben heraus “auf die Straße” bringen soll.

Ich meine zu der ganzen Aktion: prima Idee, die zwar leider direkt nicht viel bewegen wird, deren mittelbare Wirkung man aber nicht unterschätzen sollte. Denn überall wird derzeit nur schlecht- und miesgeredet, wie furchtbar die Krise noch werden wird, wieviel Arbeitslose undsoweiter und dieses ganze Gerede hat sicherlich auch mit einen gewissen Anteil daran, dass es tatsächlich dann noch schlechter kommt, als es eigentlich ist (Stichwort: selbsterfüllende Prophezeiung). Die IG-Metall-Kampagne ist dagegen sehr positiv besetzt, sie fragt nach den eigentlichen Werten der Menschen und danach, was wichtig ist in unserem Leben. Und dazu noch ein auf der Webseite veröffentlichtes Statement von Wolfgang Walter, Betriebsratsvorsitzender im Siemens-Messgerätewerk Berlin: „Wir brauchen eine Politik, die den Menschen wieder in den Vordergrund stellt.“ So ist es!

Peter

Link zur IG Metall-Kampagne “Gemeinsam für ein gutes Leben”

Beim Mindestlohn für Leiharbeiter tut sich was: CGZP-Tarifverträge sind ungültig

Donnerstag, 16. April 2009 von Peter
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Kennen Sie die CGZP? Das ist die Abkürzung für die Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften für Zeitarbeit und Personal Service-Agenturen. Die kennen sie nicht? Die ist auch nicht besonders bekannt. Allerdings hatte sie bislang eine sehr wichtige Schlüsselrolle bei der Frage um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns in der Leiharbeiterbranche. Das Berliner Arbeitsgericht hat die Tarifverträge dieser Gewerkschaft nun mit Beschluss vom 01.04.2009 (Az. 35 BV 17008/08) für ungültig erklärt.

Ein wenig Infos zum Hintergrund: Laut Gesetz steht im Betrieb Zeitarbeitern der gleiche Lohn zu wie normalen Arbeitnehmern. Ausnahme: ein Tarifvertrag regelt etwas anderes.

Und das ist in der Zeitarbeitsbranche der Fall: Die CGZP schloss im Februar 2003 den ersten Flächentarifvertrag für Zeitarbeitsunternehmen ab, im weiteren Verlauf folgten dann zahlreiche Haustarifverträge. Man schätzt, dass die Hälfte aller deutschen Zeitarbeiter direkt oder indirekt von den Tarifverträgen der CGZP betroffen ist.

In der Kritik steht diese Organisation deswegen, weil man ihr vorwirft, arbeitgeberfreundliche „Gefälligkeitstarifverträge“ abgeschlossen zu haben und so das Lohnniveau für Leiharbeiter insgesamt zu drücken. Der Flächentarifvertrag der CGZP glänzt vor allem dadurch, dass er eine Lohnuntergrenze bestimmt hat, die weit unter der von Tarifverträgen anderer Gewerkschaften liegt, zum Teil nur bei 6,53 Euro pro Stunde.

Hauptvorwurf der Gewerkschaften: Das sind reine Billigtarifverträge. Leiharbeitsexperte Peter Schüren von der Universität Münster: „Unter dem Deckmantel eines Tarifvertrages wird ein Billigstlohn realisiert, mehr nicht.“

Und da kommt nun auch der aktuelle politische koaltionsinterne Streit um die Einführung eines Mindestlohns in der Zeitarbeitsbranche ins Spiel: Die Union will hier einen gesetzlichen Mindestlohn nämlich nur dann akzeptieren, wenn er sich an dem Flächentarifvertrag mit den niedrigsten Einstiegslöhnen orientiert. Das war bislang derjenige der CGZP. Nun wurde dieser aber für ungültig erklärt und somit könnte jetzt die Bahn frei sein für Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, der seit einiger Zeit für eine Lohnuntergrenze von mindestens 7,30 Euro (West) plädiert.

Kurz noch aus der Begründung des Berliner Arbeitsgerichts: Die Gewerkschaft sei nicht „sozialmächtig“ genug. Das ist ein Begriff, den das Bundesarbeitsgericht seit einigen Jahren geprägt hat. Es verlangt von Gewerkschaften, dass diese so stark sind, dass sie auf ihren Gegenspieler eine gewisse Durchsetzungskraft ausüben können. Das ist laut Berliner Arbeitsgericht bei der CGZP aber nicht der Fall. So verfüge sie auch nur über eine geringe Mitgliederzahl. Und damit sei sie auch nicht tariffähig.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, die Gewerkschaft will die Entscheidung beim Landesarbeitsgericht Berlin anfechten. Sollte das Urteil jedoch rechtskräftig werden, können nach Schätzungen von Verdi etwa 280.000 Leiharbeitnehmer mit höheren Löhnen rechnen.

In diesem Zusammenhang gleich noch eine andere aktuelle Entscheidung: Die Gewerkschaft für Kunststoffverarbeitung und Holzverarbeitung im Christlichen Gewerkschaftsbund (GKH) wurde kürzlich vom Landesarbeitsgericht Hamm (Beschluss vom 13.03.2009, Az. 10 TaBV 89/08) für tariffähig erklärt. Die IG Metall ist damit in diesem Fall mit ihrem Begehren gescheitert, der GKH die Tariffähigkeit aberkennen zu lassen. Auch hier steht eine nur sehr geringe Mitgliederzahl im Raum, allerdings bejahte das Gericht bei der GKH die Durchsetzungskraft. Hier noch eine Meldung mit weiteren Infos zu dieser Entscheidung.

Peter

Artikel mit weiteren Hintergrundinfos zum Thema “Mindestlohn für Leiharbeiter” von sueddeutsche.de

Online-Ratgeber des DGB für Zeitarbeitnehmer

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