“Vorstellungsgespräche als Blind-Date” – so ähnlich lautete ein Beitrag im Betriebsrat Blog vor einiger Zeit. Damals berichteten wir über die Pläne des Bundesfamilienministeriums, neue Wege bei Bewerbungsverfahren gehen zu wollen. Anonym gehaltene Bewerbungen sollen dabei helfen, dass Umstände wie Nationalität, Lebensalter, Geschlecht oder Aussehen nicht mehr länger zu einem schon frühzeitigen Ausscheiden im Bewerbungsverfahren führen. Denn das ist die tägliche Diskriminierung im Personalbüro: Stimmt schon der Klang des Namens eines Kandidaten nicht mit den Vorstellungen des Entscheiders überein, dann schaut er sich den Rest der Bewerbung gar nicht mehr an. Und verpasst damit womöglich den Besten von allen. Der wiederum schaut in die Röhre, öfters vermutlich.
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat Ende November nun offiziell das Pilotprojekt “Anonymisierte Bewerbungsverfahren”gestartet. Mit dabei sind fünf große Unternehmen sowie drei öffentliche Arbeitgeber. Für einen Zeitraum von 12 Monaten werden dort für 225 zu besetzende Arbeitsplätze sämtliche eingehenden Bewerbungen in der Vorauswahl anonym behandelt. Es gibt drei Möglichkeiten, wie das geschehen wird:
Im Projekt werden alle Varianten getestet. Das Ziel lautet: Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch soll ausschließlich aufgrund der Qualifikation des Bewerbers erfolgen.
Die Deutschen fänden solche Blind-Date-Bewerbungen grundsätzlich prima: Immerhin 56% sollen sich in einer Umfrage für ein solches Verfahren ausgesprochen haben. In anderen Ländern wie den USA herrschen da schon seit langem ganz andere Sitten: (weiterlesen …)
Und schon rollt der nächste Quatsch auf uns zu: “Zwangsfun” im Büro! Bislang konnte man sich immer noch aussuchen, ob und wann man lustig sein will. Damit ist bald Schluss. Denn dann kommt der Kicher-Guru am Arbeitsplatz vorbei, ein Inder, der von Firmen für sog. Lachyoga-Einheiten gebucht werden kann. Möglicherweise steht auch auf einmal der neue “Chief Fun Officer” in der Tür und nötigt Sie zum Schafe scheren! Wie bitte, Sie verstehen nur Bahnhof? Das macht nichts, denn darauf kommt es bei diesem neuen Höhepunkt der internationalen Arbeitsplatzbespaßung nicht an. Gleich vorweg: Sich gegen den neuesten Trend des “Bürozeitgeistes” zu stellen, hat vermutlich nur wenig Chancen. Also fügen Sie sich besser in Ihr Schicksal! Dennoch: Was der ORF da anläßlich einer Reportage der britischen Wochenzeitschrift “Economist” berichtet, das hat schon eine ziemlich bedenkliche Schräglage.
Los ging es wie immer in den USA. Dort sollen bestimmte Firmen (weiterlesen …)
Unter einer “Regalschlampe” versteht man eine im Verkauf beschäftigte Buchhändlerin. So in etwa soll die Sprechweise auf der Managementebene eines der Unternehmen der Deutschen Buchhandels KG lauten, dem wahrscheinlich mächtigsten Zusammenschluss im deutschen Bucheinzelhandel. Das behauptet eine betroffene Kommentatorin im Hugendubel Verdi Infoblog. Die Münchner Abendzeitung rief jetzt den Arbeitskampf 2.0 aus und berichtete über “Blog-Zoff “, bei dem sich Gewerkschaftler und Angestellte kritisch mit den hausinternen Zuständen bei der bundesweit bekannten Buchhandelskette auseinandersetzen. Ver.di Bayern richtete das Internet-Tagebuch am 01.09.2010 ein. Nach Aussage der Macher soll damit die Unternehmenspolitik konsequent von unten hinterfragt werden. Die Themen sind vielfältig: Filialschließungen, der bedeutende Zusammenschluss von Hugendubel, Weltbild-Verlag und anderen zur “DBH”-Holding im Jahr 2006 mitsamt den Folgen, der neue Manteltarifvertrag im Buchhandel, die Ausbeutung von Auszubildenden und vieles mehr. Der Blog greift die Themen auf, kommentiert sie und regt zu Diskussionen unter den Mitarbeitern an. Und das mit großem Erfolg und wachsender Aufmerksamkeit: Tausende von Besuchern auf der Website, Hunderte von Kommentatoren im Blog und immer wieder Berichte in der Tagespresse bestätigen das.
Belegschaften anderer Betriebe stellen ähnliche Seiten ins Netz: Mitarbeiter des Weltbild-Verlages beteiligen sich bereits seit Mai 2009 am Weltbild Verdi Infoblog. Das Gartencenter Dehner mit seinen über 100 Filialen und den rund 5.000 Mitarbeitern veröffentlichte erst vor wenigen Tagen den Dehner Verdi Infoblog. Der erste Beitrag läßt bereits erahnen, was hier in Kürze los sein wird: (weiterlesen …)
Andreas Vosskuhle, Päsident des Bundesverfassungsgerichts, hat sich für eine Öffnung der Gerichte für Fernsehsender ausgesprochen. Es kann also sein, dass demnächst auch reale Gerichtsprozesse über den Bildschirm flimmern. Fiktive Gerichtsshows à là Alexander Hold und Barbara Salesch tun das ohnehin schon. Diese sind nur leider total unrealistisch, prägen aber das Bild der Bürger von der deutschen Justiz, so Vosskuhle. Wenn man das nicht möchte, müsse der Zuschauer die Möglichkeit haben, echte Prozesse zu erleben um „mit der Macht der Bilder echter Verfahren“ auf den rechten Weg geführt zu werden. All das natürlich nur im Rahmen des gesetzlich Möglichen und Vertretbaren.
Schön und gut. Bisher dürfen Urteilsverkündungen übertragen und Richter vor Beginn der Verhandlung gefilmt werden. Bei dem eigentlichen Prozess sind Aufnahmen nicht gestattet. Zu Recht! Insbesondere der Persönlichkeitsschutz der Beteiligten spielt hier eine ganz entscheidende Rolle. Soll an diesem hohen Rechtsgut tatsächlich gekratzt werden? Und wenn ja, um welchen Preis? (weiterlesen …)
Die Gründung des Wirtschaftsausschusses wurde gut über die Bühne gebracht, nun kann die Arbeit endlich beginnen. Wenn man nur wüsste, wie es jetzt weiter geht. Über die Rechte die man hat, darüber steht ja im Gesetz so einiges. Nur: Wenn jetzt ein handfestes Problem auf den Betrieb zusteuert, dann wird es ernst. Stellenstreichungen sind im Gespräch? Und schon ist der Wirtschaftsausschuss mittendrin. Sie wissen zwar, dass Sie Informationsrechte besitzen und machen diese im Idealfall auch geltend. Nur: Was kommt danach? Und gesetzt den Fall: Sind Sie sicher, dass Sie zum Beispiel eine Alternative zu Sanierungsmaßnahmen oder Umstrukturierungen aufzeigen könnten?
Der Wirtschaftsausschuss muss wirtschaftliche Alarmsignale (weiterlesen …)
Hamburg-Sasel, Niederpöcking, Hattingen – diese Orte stehen für drei bekannte und renommierte gewerkschaftliche Tagungszentren: Das Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB konzentriert hier die Betriebsratsqualifizierung. In Hamburg-Sasel und in Niederpöcking soll damit zum 31.12.2011 Schluss sein. Das DGB-Bildungswerk (BW), Betreiber der Einrichtungen, gab im Oktober bekannt, beide Zentren schließen zu wollen. Zur Begründung verwies Geschäftsführer Dieter Eich auf die angeblich zu hohen Kosten. Er kündigte an, Schulungsveranstaltungen zukünftig, wie es auch bei anderen Veranstaltern üblich ist, in Hotels durchzuführen. Und das, obwohl das Bildungswerk in seiner Selbstdarstellung (pdf-Datei, 1,41 MB) unter dem Motto “Bildung braucht Orte” ausdrücklich auf die sog. Lernumwelt der Tagungszentren verweist und betont, wie wichtig diese Einrichtungen für einen optimalen Lernerfolg seien.
Na ja,so wichtig dann offenbar doch wieder nicht! Die Ankündigung der Schließung entfachte einen Sturm der Empörung bei Betriebsräten, Einzelgewerkschaften und Referenten des Bildungswerkes. (weiterlesen …)
Für Zeitarbeit soll es nach neuesten Meldungen, unter anderem bei heute.de, einen Mindestlohn geben, wenn es nach Ursula von der Leyen geht. Da am 1. Mai 2011 innerhalb der EU die volle Arbeitnehmerfreizügigkeit (weiterlesen …)
Spannende Workshops, hochinteressante Gastvorträge, ein vielfältiges Rahmenprogramm und über 100 zufriedene Teilnehmer: Das war die ifb-Fachtagung „Betriebsrat 2010 – Erfolgreich in die neue Amtszeit.“
Die dreitätige Tagung im neuen Scandic Hotel in Berlin-Mitte wurde mit einem spannenden Vortrag von Prof. Dr. Klaus Armbrüster eröffnet. Der Richter am Bundesarbeitsgericht a.D. zeigte in eindrucksvoller Weise auf, wie das deutsche Arbeitsrecht durch Europa mehr und mehr verändert wird und welche Chancen und Möglichkeiten sich für Betriebsräte bieten.
Die arbeits- und sozialpolitischen Pläne der Bundesregierung schilderte am zweiten Tag der arbeitspolitische Sprecher der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Max Straubinger. Dabei ging (weiterlesen …)
Ende November 2010 endet der gesetzlich vorgegebene Zeitraum für die bundesweit und turnusmäßig stattfindenden Wahlen zur Schwerbehindertenvertetung. Zeitgleich ist das neue Seminarprogramm des ifb-Instituts für das Seminarjahr 2011 erschienen: 22 Themen befinden sich dabei im Angebot. Vom neuen SBV-Mitglied bis zum langjährigen Profi wurde an alle gedacht. Das ist unsere Empfehlung für Einsteiger:
“Schwerbehindertenvertretung Teil I“. Hier wird das notwendige Handwerkszeug vermittelt, welches die Basis einer erfolgreichen Interessenvertretung dieser vierjährigen Amtszeit darstellt .
Und das sind die ganz neuen Themen für SBV’ler, die erstmals im Programm des ifb sind: (weiterlesen …)
Nein, Elena ist keine Frau und für die erwähnte Verspätung kann sie nichts. Das gleich mal vorweg. Elena ist die knuffige Abkürzung eines Projekts mit dem sperrigen Namen “Elektronischer Entgeltnachweis”. Danach sind Arbeitgeber seit Januar 2010 gesetzlich dazu verpflichtet, monatlich die Entgeltdaten ihrer Beschäftigten an eine Datenbank bei der Deutschen Rentenversicherung zu übermitteln. Behörden wie zum Beispiel Wohngeld- oder Arbeitslosengeldstellen sollten nach den ursprünglichen Plänen der Koalition diesen Speicher ab Januar 2012 anzapfen, um mit Hilfe der dort versammelten Daten zukünftig ihre Bescheide zu erstellen. Dadurch wären Millionen von Bescheinigungen, die bislang von Arbeitgebern in Papierform ausgestellt werden müssen, überflüssig. (weiterlesen …)
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