von Peter am 10.02.2016, 16:54 Uhr , Kategorie: Allgemein

Mann Mobilia Mannheim XXXLutz WachdienstDie erste Arbeitswoche im Februar begann mit einer fiesen Überraschung: Als die Mitarbeiter der Verwaltung Zentrallager bei Mann Mobilia in Mannheim zur Arbeit erschienen, standen da eine Menge Wachleute und Sicherheitsmenschen vor dem Eingang zum Betrieb. Keiner der fast 100 Beschäftigten durfte rein, dafür wurden Briefe verteilt, in denen der Arbeitgeber mitteilte, man sei ab sofort von der Verpflichtung zur Arbeitsleistung freigestellt. Wer sich auskennt weiß: Das ist so was wie die Vorstufe der Kündigung.

Das Möbelhaus Mann Mobilia gehört seit 10 Jahren zur XXXLutz-Gruppe. Das österreichische Unternehmen fiel schon wiederholt durch einen rüden Umgang mit seinen Mitarbeitern auf. Auch der Betriebsrat Blog berichtete 2009 und 2010.

„20 Jahre gearbeitet und dann vom Hof gejagt“ – es sind deutliche Worte, die Stephan Weis-Will von der Gewerkschaft Verdi zum Verhalten des Arbeitgebers einfallen. Aber was veranlasste XXXLutz eigentlich dazu, 99 Mitarbeiter so plötzlich freizustellen?

Vorweg fällt eins auf: 2013 handelte das Unternehmen in München schon mal fast genauso. Damals ließ man 160 Kolleginnen und Kollegen einfach nicht mehr in den Betrieb. Das dortige Möbelhaus wurde bald geschlossen, der Schlussverkauf von Angestellten anderer Filialen erledigt. Dahinter steckt System, so eine Reportage des stern. XXXLutz wachse im Markt sehr aggresiv und schluckt einen Konkurrenten nach dem anderen: Sechs Möbelhäuser übernimmt man auf diese Art pro Jahr. Die gekauften Betriebe werden anschließend „optimiert“ was die Struktur der Belegschaft und natürlich deren Bezahlung betrifft. Schließlich soll ja profitabel gearbeitet werden. Und das gelingt offenbar durchaus bei 3,4 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr. Merke: Was nicht sofort profitabel ist, fliegt raus. Ganz einfach.

In Mannheim schien sich die Situation schon länger zugespitzt zu haben. Das Unternehmen selbst berichtete nach der Übernahme von „katastrophal“ arbeitenden Mitarbeitern, die sich vorsätzlich krank schreiben ließen und von einem unkooperativen Betriebsrat. Schlechte Stimmung war also da. Zu Weihnachten 2015 kam es zum Crash: Das Zentrallager war aufgrund einer wohl mangelhaften Organisation nicht mehr funktionsfähig, Lkws konnten nicht mehr liefern, Aufträge von Kunden nicht mehr bearbeitet werden. Der Arbeitgeber sprach von „Chaos“, schuld seien allein die Mitarbeiter. Der Gipfel: Die Aktion mit den Freistellungen Anfang Februar. Der Anfang vom Ende.

Man setzte noch eins drauf: In der Zwischenzeit wollte das Unternehmen gleich noch den Betriebsrat vom Gelände vertreiben. Dessen Räume seien wegen Umbauarbeiten nicht mehr benutzbar, so die lapidare Begründung. Das Gremium solle woanders hingehen. Die Kolleginnen und Kollegen wehrten sich vor dem Arbeitsgericht Mannheim und erhielten Recht, wie der SWR nun berichtet.

Die freigestellten Beschäftigten kämpfen ebenfalls um ihre Jobs. Am 16. Februar soll vor dem Arbeitsgericht verhandelt werden, ob die Freistellungen rechtmäßig waren.

XXXLutz betreibt Turbo-Kapitalismus ohne Rücksicht auf die Mitarbeiter. Das kann man nicht tolerieren.

Quelle: Reportage des stern Bericht des SWR – Bildquelle: © Andrey Popov – fotolia.de (Motivbild)

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 10. Februar 2016 um 16:54 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

4 Comments »

  1. „Turbo-Kapitalismus“ mit diesem hohlen Kampfbegriff ziehen Sie den guten Beitrag gleich wieder runter.

    Kommentar von: FSAFa – am 11. Februar 2016 um 10:02

  2. Welcher Begriff erscheint Ihnen denn angemessen ?

    Kommentar von: kb – am 11. Februar 2016 um 12:58

  3. Turbo-Kapitalismus beschreibt diese Situation recht gut.
    Die Regeln des normalen „Kapitalismus“, bzw. der sozialen Marktwirtschaft wird hier zugunsten des Gewinnstrebens ignoriert.

    Der Umsatz alleine besagt allerdings noch gar nichts.
    Man kann auch gewaltigen Umsatz machen und trotzdem Verluste einfahren.

    Kommentar von: Tourix – am 11. Februar 2016 um 13:25

  4. Das ist kein Turbo-Kapitalismus. Das nennt man Neoliberalismus.
    Der Mensch ist gar nichts mehr, das „Kapital“ nicht mehr nötig.
    „Die Märkte“ anstelle des Kapitals sind die neuen goldenen Kälber, um die getanzt wird. Die aktuelle Wirtschaft arbeitet völlig losgelöst von etwaigem Kapital.

    Kommentar von: matthiasausk – am 11. Februar 2016 um 16:45

Leave a comment