von Peter am 31.08.2016, 17:12 Uhr , Kategorie: Allgemein

Mann steht mit Klorolle vor ToiletteBestimmte menschliche Bedürnisse haben immer Vorrang! Der Gang zur Toilette steht dabei gefühlt im Rang eines universellen Menschenrechts. Warum gibt es dann immer wieder Ärger, etwa wenn Beschäftigte im Betrieb mal müssen?

Sie gehen zur Toilette, wann Sie wollen? Wie schön für Sie! Der Arbeitgeber darf Ihnen das nicht untersagen. Oder darf er doch? In den USA macht er das leider.  Zeit Online berichtete, dass Arbeiter in der amerikanischen Geflügelindustrie systematisch an ihren Toilettenpausen gehindert wurden. Die Kollegen stehen unter enormem Druck am Fließband, die Vorarbeiter drohen jedem mit Entlassung, der eine Pause fordert. Viele Beschäftigte tragen bei der Arbeit Windeln. Das ist kein Scherz, leider. Es sind Zustände wie im Frühkapitalismus. Und absolut keine Einzelfälle. Die Rede ist von einer Viertel Million Betroffener. Was für arme Menschen.

In Deutschland erscheint das kaum vorstellbar. Hier gibt es andere, im Vergleich wohl harmlosere Probleme. Oft wird zum Beispiel darüber gestritten, ob der Gang aufs Klo eine Arbeitspause ist. Für Pausen müsste der Arbeitgeber immerhin keinen Lohn bezahlen. Aber keine Sorge: Der Toilettengang ist keine solche Pause, sondern rechtlich nur eine kurze Unterbrechung der Arbeitszeit. Diese muss bezahlt werden.

Was aber gilt, wenn der Kollege oder die Kollegin den Aufenthalt am stillen Örtchen immer wieder mißbraucht. Gerne wird dort auch gelesen. Alte Zeitungen im Mülleimer liefern Zeugnis darüber ab. Da kommt dann schon etwas Zeit zusammen. Rechtlich verläuft hier die Abgrenzung zur Verweigerung der Arbeitspflicht. Kommt einem der Chef dabei auf die Schliche, können überlange Sitzungen theoretisch auch Abmahnung und Kündigung zur Folge haben. Aber keine Panik: Sitzungszeiten müssten vom Arbeitgeber sehr genau nachgewiesen werden. Dürfte schwierig sein. Ein Urteil des Arbeitsgerichts Köln ließ 30 Minuten Klopause vor einigen Jahren übrigens nicht als Begründung für eine Lohnkürzung gelten.

Schwierig ist die Situation bei Verletzungen, zum Beispiel wenn man in der Toilette ausrutscht. Achtung: Das ist kein Arbeitsunfall, für den Versicherungsschutz besteht. Entscheidend ist – ganz im Ernst – wo der Unfall genau passiert ist: Verunglückt man etwa auf dem Weg zum Klo, dann gibt es normalerweise kein Problem. Sobald man die Toilette betritt, ist der Unfallschutz jedoch dahin, denn: Ab sofort wird nun eine private Angelegenheit verrichtet, für die der gesetzliche Schutz der Unfallversicherung endet. Besondere Vorsicht im Toilettenraum ist somit immer unerlässlich!

Bleibt die Frage nach der Zulässigkeit von Überwachungsmaßnahmen. Eine Kamera auf der Toilette? Da kommen manche ins Schwärmen. Theoretisch ist das zwar nicht ausgeschlossen, praktisch aber ohne größere Relevanz, denn: Eine Videokamera an diesem Ort stellt immer einen starken Eingriff in das von der Verfassung geschützte allgemeinee Persönlichkeitsrecht dar. Hier müssten schon sehr gravierende Gründe vorliegen, die einen entsprechenden Einsatz rechtfertigen.

Bildquelle: © vchalup – fotolia.de

 

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 31. August 2016 um 17:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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