Welch faszinierende Vorstellung für alle Büroarbeiter: Statt in die Firma zu fahren, bleibt man einfach daheim. Moderne PC-Technik und das allgegenwärtige Internet machen es möglich. Zuhause im Home-Office kann man sich die Zeit wunderbar selbst einteilen, auf dem Flur begegnet man keinen nervigen Kollegen, allerhöchstens lieben Menschen und der Kaffee dürfte in den meisten Fällen auch besser schmecken als die betriebliche Maschinenbrühe. Und schließlich profitiert die Umwelt ebenfalls von diesen Zuständen, denn energie- und abgasintensive Fahrten von und zur Arbeit entfallen.

So ist es kein Wunder, dass fast drei Viertel aller Arbeitnehmer sich nach einer aktuellen Umfrage des Hightech-Verbandes Bitkom solche Umstände persönlich wünschen. Fast die Hälfte, nämlich 41 Prozent, würden zumindest einige Tage pro Woche daheim arbeiten wollen, für 10 Prozent der Befragten ist der Heimarbeitsplatz schon Realität.

Was für Nachteile aber hat das Home-Office? Der alles überwachende Chef befürchtet natürlich am stärksten seinen absoluten Kontrollverlust (wobei wir ja schon kürzlich an dieser Stelle einiges über moderne Überwachungsmittel geschrieben haben, so bange bräuchte ihm da also gar nicht sein). Für den Mitarbeiter selbst ist eines der größten Probleme die mangelnde Selbstdisziplin. Das wird sich aber in den meisten Fällen ganz von selbst einrenken, wenn nämlich Termine nicht eingehalten, Arbeiten nicht rechtzeitig abgeliefert werden.
Und wie steht es um die Vereinsamung mangels Kollegenkontakt? Schon möglich, aber der flexible Umgang mit modernen Kommunikationsmitteln, angefangen bei E-Mail über Twitter bis hin zu allerneuesten Geschichten wie etwa Friendfeed hilft einem da schon ein wenig, damit es nicht langweilig wird und man im Gespräch bleibt.
Thema Arbeits- und Gesundheitschutz? Viele Heimarbeitsplätze sind nicht optimal eingerichtet. Das kann auf Dauer zu massiven gesundheitlichen Problemen führen.
Und dann bleibt da noch die zunehmende Vermischung des persönlichen und beruflichen Bereichs und darüber sorge ich mich am meisten! Denn sehr viele Arbeitnehmer machen sich über die zunehmende ständige Erreichbarkeit eindeutig zu wenig Gedanken. Mit dem Besitz eines Firmen-Blackberrys, so sagen manche, gibt man sein Privatleben irgendwann völlig auf. Wenn man dann zwischen diesen beiden Bereichen Beruf und Famillie nicht mehr richtig abgrenzen kann und andauernd hin und her wechselt, wird es zwangsläufig zu größeren familiären aber auch gesundheitlichen Problemen kommen. „Psychische Belastungen im Home-Office“ wird unser Seminarthema dazu dann heißen, noch lautet der Titel ja ein wenig anders…

Wo viel Licht ist, ist immer auch viel Schatten. Den Umgang mit dem Home-Office sollte man als Betriebsrat bei allen scheinbaren Vorteilen stets auch äußerst kritisch begleiten.

Peter

Viele Informationen zu Home-Office und zur Telearbeit gibt es bei ver.di innotec



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 02. Juli 2009 um 21:02 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Lieber Peter,

    ich begrüße es, dass Du Dich um das Wohlergehen von Menschen sorgst, die im Home-Office arbeiten. Die meisten angeblich negativen Erscheinungen, die Du aufgezählt hast, werden jedoch in den meisten Fällen durch die vielen positiven Aspekte weit überkompensiert und ausgeglichen.

    Home-Office ist ja keine Abschiebestation für überflüssige Mitarbeiter, denen die Firma keinen Schreibtisch bezahlen möchte. Im Gegenteil: oft ist das Home-Office die einzige Möglichkeit für berufstätige Mütter, wie sie ihren Beruf und ihr Mutterdasein effizient in Einklang bekommen. Ich weiß nicht, ob Frauen naturgemäß weniger unter einem Home-Office leider würden, als Männer. Doch ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich viele Frauen in unserer Firma kenne, die nicht unter ihrem Home-Office leiden, sondern unter der Tatsache, dass die Firma ihnen keine Home-Office-Möglichkeit genehmigt, obwohl es technisch überhaupt kein Problem wäre! Von „Privatleben an den Nagel hängen“ kann also überhaupt keine Rede sein. Im Gegenteil: für viele Frauen ermöglicht das Home-Office erst ein Privatleben, das den Namen verdient.

    Zu Deinen Einwänden im Einzelnen:

    * Mangelnde Selbstdisziplin? Im Home-Office kann ich meine Zeit einteilen, meine Ziele effizienter erreichen, ohne Störungen durch Kollegen (die „mal schnell eine Frage“ haben oder im selben Raum gleich eine Telefonkonferenz oder gar ein Meeting durchführen wollen) gezielter arbeiten. In der Firma muss ich mindestens genausoviel Selbstdisziplin aufbringen wie im Home-Office. Die Kollegen animieren einen ja nicht nur zum Arbeiten, oft halten werden die Menschen von ineffektive Meetings und Flurfunk sogar von der Arbeit abgehalten.

    * Vereinsamung? Ich kenne keine einzige Person mit Home-Office, die sich bislang bei mir über Einsamkeitsgefühle im Home-Office beklagt hätte. Menschen, die nicht gut alleine arbeiten können, kommen normalerweise nicht auf die Idee, eine Home-Office-Berechtigung zu beantragen. Zwangsweise wird ja keiner ins Home-Office geschickt…;-)

    * Arbeits- und Gesundheitsschutz? Hier gebe ich Dir Recht, dies ist ein Feld, wo der Einzelne auf einen ergonomischen Arbeitsplatz achten muss. Doch wenn ich meinen Arbeitsplatz im Büro mit meinem Home-Office Arbeitsplatz vergleiche, kann ich keinen Unterschied feststellen der für den Büroarbeitsplatz sprechen würde: im Büro sitze ich am selben Laptop (ohne externen Bildschirm!) wie zu Hause, allerding ist mein Bürostuhl zu Hause rückenfreundlicher als der im Geschäft! Im Home-Office kann ich genau die Möbel auswählen, die mir gut tun.

    * Vermischung des persönlichen und beruflichen Bereichs? Diese Vermischung „an sich“ stellt aus meiner Sicht noch kein Manko dar. Zumal es jedem frei steht, seinen geschäftlichen BlackBerry nach Feierabend und am Wochenende auszuschalten. Aus die Maus! Wo soll hier eine Gefahr bestehen? Wenn jemand es nicht schafft, seinen BlackBerry auszuschalten, dann hat das nichts mit dem Home-Office zu tun, sondern es ist seine persönliche Entscheidung. Auch Menschen ohne Home-Office haben einen BlackBerry und stehen vor derselben Problematik.

    Ich bin der Auffassung, dass Menschen, die gerne und effizient im Home-Office arbeiten, meist solche Menschen sind, die es gelernt haben, ihre Ressourcen sinnvoll einzusetzen, ihre Zeit gut einzuteilen. Sie kennen ihre Grenzen kennen und beachten sie. Wer das nicht kann, sollte am besten gleich in der Firma bleiben. Und vor allem: er sollte denjenigen, die gerne und effizient im Home-Office arbeiten, das nicht durch übertriebene Sorge verunmöglichen. Schließlich sind wir erwachsene Menschen und sollten wissen, was uns gut tut.

    Ich plädiere daher nicht für eine „äußerst kritische Begleitung“ des Home-Office-Gedankens, sondern für eine verstärkte Hilfestellung für Menschen, die Home-Office machen wollen, es aber nicht genehmigt bekommen. Die Vorteile überwiegen die Nachteile auch für die Firma (!) bei weitem.

    Viele Grüße,
    Renate

    Kommentar von: Renate – am 27. Juli 2009 um 11:11

  2. Hallo, ich habe Ihren Artikel sehr aufmerksam gelesen. Ich arbeite schon sehr lange 5 Tage die Woche in meinem Homeoffice und gebe Ihnen in einigen Punkten Recht. Die Menschen, die in Homeoffice von zu Hause aus arbeiten möchten, sind alle sehr unterschiedlich. So sind auch die auftretenden Nachteile des Homeoffice sehr unterschiedlich. Der eine kann sich nicht über längere Zeit konzentrieren, da er immer von Kleinigkeiten abgelenkt wird, dem anderen fehlt hin und wieder der persönliche Kontakt dann doch. Sicher gibt es noch mehr Beispiele. Ich will damit nur sagen, Heimarbeiter – oder Telearbeiter – müssen in der Regel disziplinierter, konzentrierter und sorgfältiger arbeiten als im Büro, da Versuchungen von außen stärker auftreten als sonst. Auch bei mir hat es einige Zeit gedauert, aber jetzt fühle ich mich sehr gut und arbeite viel und gern in meinem Homeoffice. Liebe Grüße

    Kommentar von: Nebenverdienstonline – am 24. März 2011 um 16:35

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