von Christine am 08.04.2020, 11:49 Uhr , Kategorie: Allgemein

Klaus Franz zur Bedeutung der Betriebsratsarbeit in der Krise 

Bildquelle: sutlafk (Adobe Stock)

Auch wenn in vielen Bereichen im Moment „Shutdown“ herrscht – die Pläne für die Zeit nach der Corona-Krise darf man nicht aus den Augen verlieren, meint Klaus Franz, ehemals oberster Arbeitnehmervertreter von Opel. Wir sprachen mit ihm über die Bedeutung der Betriebsratsarbeit in der Krise. 

Corona und der „Shutdown“: Was sind jetzt die wichtigsten Schritte für Betriebsräte 

Oberstes Gebot ist es natürlich, gesund zu bleiben. Auch wenn man die Nähe zu seinen Kollegen vermisst – der größte Ausdruck der Zuneigung und Solidarität ist in diesen Tagen die Distanz. Für Betriebsräte geht es darum, dass die finanzielle Seite der Beschäftigten abgesichert ist. Die Bundesregierung hat einen großen Schutzschirm aufgespannt. Jetzt muss der Betriebsrat beim Arbeitgeber nachhaken, welche Möglichkeiten es gibt, das operative Ergebnis des Unternehmens zu entlasten. 

Vor kurzem las ich, es sei auch eine Zeit der großen Kreativität. Welche Ideen können Betriebsräte derzeit einbringen?  

Betriebsräte sollten sich schon jetzt Gedanken darüber machen, wie und wann die Produktion und die Büros wieder hochgefahren werden können. Pläne zu schmieden ist das Entscheidende für die Zeit danach, damit nicht plötzlich Ratlosigkeit oder Kopflosigkeit herrschen. Hierzu gehört auch, die Erfahrungen aus der Krise mitzunehmen. Beispiel Home-Office: Was lief gut, was nicht? Das Risiko der Selbstausbeutung ist im Home-Office hoch und muss künftig durch eine Betriebsvereinbarung geregelt werden.  

Wie lassen sich trotz Corona-Krise am Ende Arbeitsplätze retten? 

Wir haben zum Glück in Deutschland gute Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Kurzarbeit. Aber die Frage wird sein, wie es nach Corona weitergeht. Welche Unternehmen waren schon vorher „marode“? Insgesamt müssen Betriebsräte jetzt sehr wachsam sein. FCA, Fiat Chrysler, hat kürzlich angekündigt, 20 % des Gehalts zu kürzen. Die Menschen müssen aber auch in Zukunft ihr Ein- und Auskommen haben. Wichtig ist der stetige Kontakt zwischen Arbeitnehmervertretern und Management. Sie sollten täglich mindestens einmal die Situation analysieren, gemeinsam Lösungen ausarbeiten und kommunizieren. 

Wie schafft man es, als Betriebsrat den Mut zu bewahren, wenn man an zwei Fronten kämpft: bereits bestehende Wirtschaftskrise und nun aktuell Corona-Krise?  

Als Interessenvertreter muss man natürlich persönlich überzeugt sein von dem, was man macht. Außerdem sollte man klug, nachdenklich und analytisch handeln. Man darf nicht aus den Augen verlieren, welche Pläne vor Corona gemacht wurden, zum Beispiel für den Umbau der Automobilindustrie. Diese Pläne müssen auch in Zukunft aufrechterhalten und ausgerollt werden. Im Moment ist keine Zeit für Lobby-Politik! Vielleicht werden durch Corona in manchen Branchen auch neue Geschäftsmodelle entdeckt, z.B. die Produktion von Beatmungsgeräten. Diese Kreativität sollte man mitnehmen. 

Klaus FranzKlaus Franz, ehemaliger Betriebsratsvorsitzender des Gesamt- und Konzernbetriebsrats bei Opel, war unter anderem Verhandlungsführer bei der Rettung von Opel vor der Insolvenz. 
(Bildrechte: W. Keber)



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 08. April 2020 um 11:49 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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