von Susanne am 06.06.2012, 15:12 Uhr , Kategorie: Allgemein

Fotolia 34303147 XS Damit die EM nicht zum Eigentor wirdBald ist es wieder so weit: Am Freitag startet die Fußball-Europameisterschaft. Allerhöchste Zeit also, noch einmal darüber nachzudenken, wie sich Fußball mit dem Arbeitsrecht verträgt. Eigentlich ganz einfach: Auch während der EM gibt es im Arbeitsrecht keinen Ausnahmezustand. Ob und wie fußballbegeisterte Mitarbeiter die EM am Arbeitsplatz verfolgen dürfen, entscheidet deshalb allein der Arbeitgeber – auch ohne offizielles EM-Verbot! Da können Arbeitnehmer nur auf großzügige Chefs bauen. Glück hat, wessen Arbeitgeber ebenfalls glühender Fußballfan ist.

Grundsätzlich gilt: Wer während der Arbeitszeit anderen Tätigkeiten nachgeht, verletzt seine Arbeitspflichten. Einen Anspruch auf Fernsehschauen gibt es deshalb nicht. Wer Fußball gucken will, braucht dazu das Einverständnis vom Chef. Wer ohne ein solches Fußball schaut, riskiert eine Abmahnung und – im Wiederholungsfall – sogar die Kündigung. Eine Ausnahme kann dann gelten, wenn auch vor der EM üblich war, dass am Arbeitsplatz ein Fernseher läuft. In solchen Fällen ist davon auszugehen, dass das Fernsehen auch während der EM erlaubt ist. Wer allerdings berufsbedingt spezielle Sendungen verfolgen muss – beispielsweise Nachrichten – darf nicht einfach zum Fußball umschalten.

Vorsicht beim Surfen am Arbeitsplatz: Selbst wenn der Arbeitgeber die private Nutzung des Internets erlaubt hat, umfasst diese Erlaubnis jedoch nicht eine ausschweifende Internetnutzung während der Arbeitszeit. Davon wird man beispielsweise ausgehen können, wenn der Arbeitnehmer ein komplettes Fußballspiel während der Arbeitszeit am Live-Ticker verfolgt.

Dagegen kann Radiohören erlaubt sein. Allerdings hat auch hier der Chef ein Wörtchen mitzureden. Stört das Radio die Arbeit und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter oder werden sogar Kunden durch die Live-Übertragung “belästigt”, kann der Arbeitgeber das Radiohören untersagen.

Verlässt ein Arbeitnehmer einfach seinen Arbeitsplatz, um Fußball zu schauen, ist das ein klarer Fall von Arbeitsverweigerung. Die Folgen auch hier: Abmahnung und im Wiederholungsfall Kündigung. Im Übrigen existiert weder ein Anspruch auf Sonderurlaub während der EM noch ist ein aus Sicht des Arbeitnehmers wichtiges Spiel ein wichtiger Grund für eine “vorübergehende Arbeitsverhinderung” im Sinne von § 616 BGB. Aber: Fußballbegeisterte Arbeitnehmer können natürlich Erholungsurlaub beantragen. Den Wunsch nach einem bezahlten Urlaubstag muss ein Arbeitgeber grundsätzlich berücksichtigen, es sei denn, es sprechen betriebliche Belange dagegen. Solche liegen beispielsweise vor bei Unterbesetzung durch einen hohen Krankenstand oder einer unerwartet hohen Menge an Arbeit durch zusätzliche Aufträge. Dumm gelaufen, wenn bereits die halbe Belegschaft wegen der EM frei hat – auch das ist ein Unterfall der betrieblichen Belange. Hat der Chef den Urlaub jedoch genehmigt, ist er auch daran gebunden.

Achtung, rote Karte: Wer sich nicht mit seinem Chef einigen kann und eine Krankheit vortäuscht oder mit Krankschreibung beim Public Viewing erwischt wird, dem droht ebenfalls eine Abmahnung, schlimmstenfalls sogar die fristlose Kündigung. Dass ein krankgeschriebener Arbeitnehmer am Public Viewing teilnimmt, ist jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Mit einem gebrochenen Arm kann man durchaus Fußball schauen. Solche Aktivitäten dürfen lediglich die Heilung nicht beeinträchtigen. Nichtsdestotrotz: Einen guten Eindruck beim Arbeitgeber hinterlässt es nicht!

Wer mit seinen Kollegen auf den Erfolg der DFB-Elf anstoßen möchte, sollte folgendes beachten. Sehen Arbeitsvertrag oder Arbeitsschutz kein Verbot vor, ist durchaus ein Gläschen Bier oder Sekt erlaubt. Dem Alkoholgenuss sind aber auch in diesem Fall Grenzen gesetzt:  Die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter und die Sicherheit am Arbeitsplatz dürfen nicht beeinträchtigt werden. Auch wenn ein Mitarbeiter nach einem Fußballspiel das ein oder andere Bier zu viel hatte und daher am nächsten Tag arbeitsunfähig ist, kann das Ärger mit dem Chef geben. Im schlimmsten Fall kann dieser wegen Arbeitsunfähigkeit den Lohn verweigern.

Fazit: Arbeit geht vor! Die Fußball-EM hebt nicht die Arbeitspflichten der einzelnen Arbeitnehmer auf. Generell gelten keine Ausnahmen von den allgemeinen arbeitsrechtlichen Grundsätzen. Wer also die EM ungetrübt genießen möchte und das deutsche Team im Büro am TV, via Internet oder Radio anfeuern will, sollte sicherheitshalber vorher mit dem Chef abklären, was erlaubt ist und was nicht.

Bildquelle: © Vitaly Krivosheev – Fotolia.com

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 06. Juni 2012 um 15:12 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

Noch keine Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar