Kindertagesstätten werden bestreikt„Dieser Betrieb wird bestreikt!“. Ein bekanntes Schild, das viele vor allem im Zusammenhang mit Werkstoren kennen, taucht seit heute morgen an Orten auf, die man bisher damit eher nicht in Verbindung brachte: Kindertagesstätten.

Die Gewerkschaft Verdi rief in ganz Deutschland zu unbefristeten Streiks auf. Rund 10.000 Beschäftigte sollen in 1.000 der insgesamt 17.500 kommunalen Kitas die Arbeit niederlegen. Kirchliche Einrichtungen sind übrigens nicht betroffen.

Um was geht es bei dem Tarifkonflikt?

Die Tarifverhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst scheiterten Ende April 2015. Beteiligte sind die Gewerkschaften Verdi und GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) sowie die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). In der letzten Verhandlungsrunde ging es nicht um eine bestimmte Lohnforderung in Höhe X, sondern um die grundsätzliche Eingruppierung der Sozialarbeiterinnen und Sozialpädagoginnen. Da rund 96% der Beschäftigten in diesem Bereich weiblich sind, verzichten wir zur Abwechslung mal auf die Nennung der männlichen Berufsform.

Erzieherinnen sind schon lange nicht mehr ihrer guten Ausbildung und ihrer hohen Verantwortung nach angemessen bezahlt.

Beschäftigte im öffentlichen Dienst werden nach ihrer konkreten Tätigkeit eingruppiert und nach einer darauf Bezug nehmenden Gehaltstabelle entlohnt. Die Erzieherinnen sollen in der Tabelle nun gleich um mehrere Stufen höher eingruppiert werden. Dadurch würde einerseits die Tätigkeit inhaltlich aufgewertet und andererseits gäbe es auch mehr Geld. Begründung: Die jetzige Eingruppierung, die im übrigen von der Gewerkschaft gekündigt wurde, sei viel zu niedrig, da sie schon lange nicht mehr den hohen Ausbildungsstandard und die gewachsene Verantwortung der betroffenen Beschäftigten angemessen zum Ausdruck bringe.

Die Arbeitgeberseite lehnt das ab und verweist darauf, dass die Forderungen die Kommunen mit rund 1,2 Milliarden Euro pro Jahr belasten würden. Geld, das schlicht und einfach nicht vorhanden sei. Beiträge für Kitas müssten gegebenenfalls erhöht, die Betreuungsqualität vermindert werden.

Verdienen Erzieherinnen tatsächlich zu wenig?

Wir meinen: Ja, eindeutig! Nach Angaben der GEW liegt der Durchschnittsverdienst einer vollzeitbeschäftigten Kollegin bei 2.879 Euro brutto im Monat. Dieses Gehalt liegt fast 600 Euro unter dem Durchschnittsverdienst aller ArbeitnehmerInnen in Deutschland. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt.

Viele Eltern haben spätestens seit heute ein Betreuungsproblem, denn nicht jeder kann flexibel auf Opa oder Oma zurückgreifen. Aber wie ist denn die Rechtslage? Was ist, wenn ich niemand finde, der auf mein Kind aufpasst, während ich arbeiten muss? Habe ich einen Anspruch auf Freistellung? Darf ich zu Hause arbeiten? Oder darf ich meine Kinder mit zur Arbeit bringen? Auf betriebsrat.de werden diese und weitere Fragen beantwortet.

Fragen und Antworten zum Kita-Streik auf betriebsrat.de

Quelle: Verdi und tagesschau.de – Bildquelle:© Liaurinko – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Montag, 11. Mai 2015 um 17:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Streikrecht, Tarifrecht abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

2 Comments »

  1. >“Dieser Betrieb wird bestreikt!”. Ein bekanntes Schild, das viele vor allem im Zusammenhang mit Werkstoren kennen, taucht seit heute morgen an Orten auf, die man bisher damit eher nicht in Verbindung brachte: Kindertagesstätten.

    Ach ja? Eine schwungvoller Einstieg in den Text. Leider Quatsch: Siehe nur http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.kita-streik-darum-legen-die-erzieherinnen-ihre-arbeit-nieder.e69ee561-8889-4862-84f9-e026a1f4d658.html (2012, mit schönem Bild) oder http://www.sueddeutsche.de/muenchen/streik-der-erzieher-langsam-werden-die-eltern-sauer-1.446732 (2010) oder http://www.zeit.de/2009/22/Argument-Kita-Streik (2009)
    Damit ist nicht über die Legalität oder Legitimität des Streiks gesagt. Aber

    Kommentar von: Freundlicher Hinweis – am 11. Mai 2015 um 21:41

  2. Danke für den freundlichen Hinweis. Dennoch bin ich der Meinung, dass im kollektiven Gedächtnis eher Plakate an Werkstoren gespeichert sind…

    Kommentar von: Peter – am 12. Mai 2015 um 08:40

Leave a comment