von Peter am 12.10.2010, 14:23 Uhr , Kategorie: Allgemein

Diese Meldung läßt einen etwas unruhig werden: 1,7 Millionen deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer planen, sich in diesem Herbst wegen möglicher psychischer Probleme oder Konflikte am Arbeitsplatz krank schreiben zu lassen. Das Institut TNS-Emnid hat 1.000 Personen befragt und dies sei das Ergebnis (weiter ins Detail geht diese Pressemeldung). „Erschütternd“ stellt Studienleiter Bernd Kielmann fest. Würde man daran doch erkennen, wie unzufrieden die Arbeitnehmer einerseits seien und über wie wenig Rechtsbewusstsein sie andererseits verfügen. Das sitzt! Aber: So was Perfides wollen wir nicht im Raum stehen lassen.

Deshalb um es zu verdeutlichen: Das Ergebnis lautet, dass diese schier unglaublich hohe Zahl an Beschäftigten, immerhin fast zwei Millionen, jetzt schon wisse, dass sie in den nächsten Monaten krank sein werde. Du liebe Güte, sind das denn alles Hellseher oder vielmehr ausgebuffte Blaumacher? Ich frage mich: Wie hat man sich so eine Umfrage eigentlich vorzustellen? Ruft da ein Herr von Emnid an und fragt einen unvermittelt: „Hand aufs Herz, glauben Sie, dass Sie im Spätherbst beziehungsweise Winter wegen psychischen Drucks oder Konflikten am Arbeitsplatz sich so beeinträchtigt fühlen, dass Sie sich krankschreiben lassen?“ Das genau war die Ausgangsfrage! Die Formulierung „Hand auf’s Herz“ ganz am Anfang soll scheinbar unterstellen, dass man zur Abwechslung jetzt „ehrlich“ frage, weil man selbst wisse, dass das hier eine sozial schwierige Frage sei, bei der man wegen ihrer Brisanz mit keiner ehrlichen Antwort rechnen könne. Jetzt erwarte man eine solche aber. Hand aufs Herz – wie raffiniert! Oder total bescheuert?

Immerhin 5 Prozent der Befragten hätten daraufhin mit „Ja“ geantwortet. Mal unter uns: So einfältig sind doch nicht mal die Dümmsten, dass sie eine solche Frage bejahen würden. Wer aber hat denn dann mit „Ja“ geantwortet? Eine Erklärung wäre: Solche Menschen, die wissen, dass sie psychisch erkrankt sind, die Symptome haben, die immer wieder kehren und die wahrscheinlich auch in der „dunklen Jahreszeit“, die sich nun nähert, verstärkt zu depressiven Phasen führen werden. Ein Blick auf die aktuellen Statistiken der großen Krankenkassen wie etwa der AOK hilft da weiter: Psychische Erkrankungen entwickeln sich zur Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts. Setzt man diese Zahlen in Zusammenhang, erscheint es plötzlich durchaus plausibel, dass fünf Prozent der Arbeitnehmer wissen, dass sie psychisch krank sind und deswegen möglicherweise bald fehlen werden.

Spätestens hier wird noch was anderes klar: Man möge sich bitte die genaue Fragestellung anschauen und danach das, was viele Medien daraus gemacht haben. Die Frage von Emnid lautete, ob man glaube, dass man so beeinträchtigt sein werde, dass man sich krank schreiben lässt. Viele Medien bastelten daraus die Meldung, dass gesunde Arbeitnehmer vorhaben („planen“), zukünftig krank zu machen. Allen voran waren das die Bild-Zeitung, Antenne Bayern, die Financial Times Deutschland und der Berliner Kurier. Liest man eine solche Meldung dann unvorbereitet, ist die Erschütterung nahe: Es gibt Millionen von Blaumachern, so weit ist es also mit unserem Land schon gekommen. Das Fiese dabei: Unzählige Beschäftigte, vielleicht auch Sie, geraten auf diese Art bei der nächsten krankheitsbedingten Fehlzeit erstmal unter Pauschalverdacht oder haben vielleicht etwas mehr persönliche Hemmung, krank zu Hause zu bleiben. Weil andere dann denken könnten dass man ….  zu den 1,7 Millionen gehört. Genau!

Das alles ist nicht zum ersten Mal üble Meinungsmache auf Kosten aller Arbeitnehmer, die das soziale Klima im Land erneut ein Stückchen eisiger macht.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 12. Oktober 2010 um 14:23 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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