von Peter am 26.11.2010, 13:09 Uhr , Kategorie: Allgemein

Unter einer „Regalschlampe“ versteht man eine im Verkauf beschäftigte Buchhändlerin. So in etwa soll die Sprechweise auf der Managementebene eines der Unternehmen der Deutschen Buchhandels KG lauten, dem wahrscheinlich mächtigsten Zusammenschluss im deutschen Bucheinzelhandel. Das behauptet  eine betroffene Kommentatorin im Hugendubel Verdi Infoblog. Die Münchner Abendzeitung rief jetzt den Arbeitskampf 2.0 aus und berichtete über „Blog-Zoff „, bei dem sich Gewerkschaftler und Angestellte kritisch mit den hausinternen Zuständen bei der bundesweit bekannten Buchhandelskette auseinandersetzen. Ver.di Bayern richtete das Internet-Tagebuch am 01.09.2010 ein. Nach Aussage der Macher soll damit die Unternehmenspolitik konsequent von unten hinterfragt werden. Die Themen sind vielfältig: Filialschließungen, der bedeutende Zusammenschluss von Hugendubel, Weltbild-Verlag und anderen zur „DBH“-Holding im Jahr 2006 mitsamt den Folgen, der neue Manteltarifvertrag im Buchhandel, die Ausbeutung von Auszubildenden und vieles mehr. Der Blog greift die Themen auf, kommentiert sie und regt zu Diskussionen unter den Mitarbeitern an. Und das mit großem Erfolg und wachsender Aufmerksamkeit: Tausende von Besuchern auf der Website, Hunderte von Kommentatoren im Blog und immer wieder Berichte in der Tagespresse bestätigen das.

Belegschaften anderer Betriebe stellen ähnliche Seiten ins Netz: Mitarbeiter des Weltbild-Verlages beteiligen sich bereits seit Mai 2009 am Weltbild Verdi Infoblog. Das Gartencenter Dehner mit seinen über 100 Filialen und den rund 5.000 Mitarbeitern veröffentlichte erst vor wenigen Tagen den Dehner Verdi Infoblog. Der erste Beitrag läßt bereits erahnen, was hier in Kürze los sein wird: Von der Zahlung schlechter Löhne ist die Rede, dem Herausdrängen schwächerer Mitarbeiter und der Behinderung der Arbeit des Betriebsrats!

Die Regalschlampen wehren sich und machen ihrer Wut und ihrem Ärger Luft. Solange man dabei halbwegs sachlich bleibt, können alle, auch die Unternehmer, davon profitieren. Ein solcher Blog ersetzt weder das persönliche Gespräch noch die Verhandlungen zwischen den Betriebspartnern. Er bietet aber für viele Mitarbeiter eine neue, gute und sehr praktische Plattform zur Kommunikation mit anderen Betroffenen. Die Zeiten, in denen man mit diesen Problemen als Arbeitnehmer allein bleiben musste, sind im Web 2.0-Zeitalter längst vorbei.

Inhaber Max Hugendubel wird im Blog aus einem früheren Interview zitiert: „Der unternehmerische Erfolg setzt sich zusammen aus der Summe der Erfahrung seiner Mitarbeiter. Der Unternehmer muss offen für Kritik sein. Das Allerschlimmste, das passieren kann ist, wenn man keinen Widerspruch mehr bekommt.“ Somit müsste er den Blog seiner Mitarbeiter an sich sehr begrüßen.

Peter

Nachtrag: In der ersten Fassung dieses Beitrags war zu lesen, dass der ungeheuerliche Begriff „Regalschlampen“ auf Managementebene der Firma Hugendubel verwendet werden soll. Behauptet wird das, wie oben geschildert, von einer betroffenen Mitarbeiterin, die einen Kommentar dazu im „Hugendubel Verdi Blog“ abgegeben hat. Die Darstellung stimmt nicht ganz, da die Kollegin bei einer anderen Buchhandelskette im DBH-Verbund beschäftigt zu sein scheint, was die Sache um keinen Deut besser macht! Wir bitten ausdrücklich um Kommentare hierzu.



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 26. November 2010 um 13:09 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Man sieht hier mal wieder die verrohung der Sitten auf der Management Ebene. Anstand hat hier keinen Platz. Da wo nur noch von „FTE“’s geredet wird (== Full Time Equivalents == Mitarbeiter), wie in unserem Unternehmen, ist es nicht besser.

    Bleibt mir noch zu erwaehnen, das sich der Duden dazu herabgelassen hat die „Saftschubse“ (== Stewardess) in sein Woerterbuch aufzunehmen.

    Kommentar von: Thomas – am 09. Dezember 2010 um 08:53

  2. Nun, bei uns arbeiten weder Saftschubser noch Regalschlampen. Bei uns werkelt der Knecht aus der dritten Reihe vor sich hin. Aber solche Sprachkonstrukte nur dem Management anzulasten, führt zu kurz. Der einfache Mitarbeiter – der kleine Mann von der Strasse – ach wie ich dieses Bild liebe! – nennt den Manager gerne auch mal Schlipshansel oder Worthülsenproduzierer. Das ist genauso respektlos. Etwas mehr Differenziertheit und weniger einseitige Polemik würde dem Forum gut zu Gesicht stehen. Veränderungen können nur dann stattfinden, wenn „man“ sich auch mal an die eigene Nase packt.

    Kommentar von: Stanislav – am 06. Januar 2011 um 10:49

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