Letzte Woche berichteten wir an dieser Stelle, wie OBI nach neuen Pressemeldungen Betriebsräte schikaniert und BR-Wahlen verhindert. Nun steht das nächste Unternehmen im Fokus: Die Gewerkschaft verdi hat schwere Vorwürfe gegen den Möbelhändler XXXLutz erhoben. Es geht, wie so oft, um den angeblich miserablen Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. So sollen innerbetrieblich

– ältere Kolleginnen und Kollegen eingeschüchtert und aus den Betrieben gedrängt werden, da man lieber den Prototyp der jungen, dynamischen und vor allem billigen Mitarbeiter beschäftigen möchte,

– Lehrlinge mit Kündigung bedroht worden sein, wenn sie nicht auch mal 13 oder 14 Stunden am Tag arbeiten würden,

– Mitarbeiter gedrängt worden sein, Änderungsverträge mit längeren Arbeitszeiten und weniger Urlaubsanspruch zu unterschreiben, sonst drohe die Standortschließung,

– und in etlichen Filialen im süddeutschen Raum über 1000 Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz erfolgt sein.

Das Unternehmen weist die von Frank Bsirske persönlich erhobenen Anschuldigungen zurück. Ein Unternehmenssprecher: Man halte sich streng an die gesetzlichen Vorschriften. Zum Vorwurf der Arbeitszeitüberschreitung meinte ein Pressesprecher: Das können nur Einzelfälle sein, man würde das Gespräch mit den Mitarbeitern suchen.

Verdi-Chef Bsirske hat den Fall XXXLutz bei der Gewerkschaft nun zur „Chefsache“ erklärt.

Mittlerweile soll übrigens die Regierung von Niederbayern bestätigt haben, dass das Gewerbeaufsichtsamt in der Sache eingeschaltet wurde.

Es ist nicht das erste Mal, dass der Möbelhändler derart negativ auffällt. So hat verdi erst im März 2009 Strafanzeige wegen Behinderung der Betriebsratsarbeit gestellt. Schon damals meinte verdi-Funktionär Dirk Nagel: „Was ich bei der XXXLutz-Gruppe gegenüber Mitarbeitern erlebe, ist brutal. Das habe ich noch nirgendwo anders erlebt.“

Höchste Eisenbahn für XXXLutz endlich tätig zu werden: Es ist an der Zeit die Vorwürfe entweder zu entkräften oder den Kurs zu wechseln. Unter dem Druck der Gewerkschaften und der massiven Beobachtung der Öffentlichkeit sollte da schon was möglich sein. Aber offen gesagt: Letztlich spüren es die Konzerne doch immer nur an der Ladenkasse. Hier ist wieder mal der Verbraucher gefragt! Nur: Wenn es immer nur billig billig billig sein darf und man sich weigert kritisch zu hinterfragen, wie die zum Teil enorm günstigen Preise eigentlich nur zustande kommen können, geht das auch in Zukunft so weiter wie bisher. Dann braucht man sich aber auch nicht zu wundern, wenn wieder die x-te Meldung kommt, dass bei irgendeinem Discounter ganz ganz unerträgliche Arbeitsbedingungen herrschen. Denn das Kaufverhalten von uns allen ist definitiv ein Grund dafür! Ob es ein großer oder nur ein kleiner Grund ist, lass ich mal dahingestellt.

Übrigens: In so einem Blog wie diesem hier wäre über die allgemeine Kommentierfunktion durchaus Raum und Gelegenheit für mitlesende Betriebsräte, auch über positive Arbeitsbedingungen in ihren Unternehmen zu berichten. Damit die anderen sehen, dass es auch anders gehen kann. Nur so als Idee.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 23. Juli 2009 um 09:58 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. unter dem druck der gewerkschaften sollte was möglich sein? offenbar ist der druck noch zu gering. laut einem bericht von regensburg-digital.de hat sich xxxlutz in der auslieferung mal flott 400 gesetzesverstöße geleistet – in nur zwei wochen.

    hier steht’s: http://www.regensburg-digital.de/?p=3829

    Kommentar von: hans – am 04. August 2009 um 00:50

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