von Peter am 16.10.2014, 15:21 Uhr , Kategorie: Allgemein

Der wahre Horror im Arbeitsleben verbirgt sich hinter der meist unscheinbaren Tür des Büro-Kühlschranks! Öffnet man diese, blickt man in den Schlund der Hölle. Oder in das geheime Labor einer biologischen Forschungseinrichtung, spezialisiert auf die Suche nach neuen Lebensformen.

Es ist so schrecklich: Überfällige Lebensmittel schimmeln vor sich hin, ausgelaufene Flüssigkeiten verkleben die Abstellflächen und auf jeder zweiten Verpackung befindet sich ein Post-It mit dem Namen „Falentin“, „Frau Weinzierl“ oder „meins“. Manchmal ergänzt um den mit krakeliger Schrift geschriebenen Zusatz „Finger weg“, was die Kollegen vermutlich auf nach wie vor nicht aufgegebene Eigentumsrechte Dritter hinweisen soll.

Der Kühlschrank im Büro – hier einige oft gestellte Fragen:

Ist ein Kühlschrank im Büro erlaubt?

Er ist zumindest nicht verboten. Ein Arbeitnehmer hat aber grundsätzlich kein Recht, an seinem Arbeitsplatz einen Kühlschrank vorzufinden. Auch das Aufstellen eines eigenen Gerätes muss immer mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Man denke allein schon an die Stromkosten, die durch den Betrieb entstehen und die im Normalfall der Arbeitgeber trägt.

Aber es gibt noch andere Aspekte Als elektrisches Gerät fällt ein Kühlschrank mittelbar unter den Begriff einer überwachungsbedürftigen Anlage im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung, von der grundsätzlich eine Gefährung ausgeht. Diese Verordnung gilt bei privaten Geräten über die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene allgemeine Gefährdungsbeurteilung. Auch die Fachkraft für Arbeitssicherheit wird sich das Gerät unter die Lupe nehmen.

Kluge Arbeitgeber gehen Ärger aus dem Weg und schaffen Tatsachen, indem sie ein Firmengerät am selbst bestimmten Ort aufstellen.

Was hat der Betriebsrat für Rechte?

Ohne Zustimmung des Betriebsrats darf ein Arbeitgeber den Betrieb eines privaten Kühlschranks nicht umstandslos verbieten. Das Bundesarbeitsgericht hat schon 1986 im Zusammenhang mit dem Verbot des Radiohörens am Arbeitsplatz entschieden, dass es sich in solchen Fällen um eine mitbestimmungspflichtige Frage der Ordnung und des Verhaltens im Betrieb nach § 87 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BetrVG handelt.

Welche Regeln sollte man für die Benutzung des Kühlschranks aufstellen?

Ganz ehrlich: Die Frage ist fast schon lächerlich. Leider ist sie bitter notwendig. Denn: Beim Büro-Kühlschrank vergessen viele Kolleginnen und Kollegen sämtliche Regeln der Zivilisation. Diese Regeln der Zivilisation lauten:

Regel 1: Mache ich etwas dreckig, mache ich es auch wieder sauber.

Regel 2: Was anderen gehört, kann nicht mir gehören.

Regel 3: Bevor etwas eklig wird, entsorge ich es (Ausnahme gilt natürlich für Geräte in der Privatwohnung).

Regel 4: Man stopft das Kühlgerät nicht mit eigenen Sachen voll, andere wollen auch was hinein legen.

Regel 5: …. dürfen Sie gerne als Kommentar am Ende eintragen. Wir sind sicher, Ihnen fällt was Gutes ein.

Was passiert, wenn ich fremde Sachen aus dem Kühlschrank nehme?

Klarer Fall: Das ist ein Straftatbestand (§ 242 StGB – Diebstahl). Und: Möglichweise auch ein Kündigungsgrund. Denn Straftaten des Arbeitnehmers sind als Kündigungsgrund grundsätzlich anerkannt. Dabei kommt es grundsätzlich auf die Schwere der Tat an. Sich den Joghurt eines Kollegen unter den Nagel zu reißen, dürfte in etlichen Fällen dabei nicht ausreichen. Aber im Abmahnungsbereich befindet man sich sich ohne weiteres. Immerhin stört man dadurch den Betriebsfrieden und zwar nicht unerheblich, wie wir meinen!

Gibt es irgend etwas, das hilft, den Kühlschrank ordentlich zu halten?

Etwas radikal, aber sehr effizient ist die sog. Freitags-Müllaktion: Mehrere Kollegen räumen den Kühlschrank immer am Freitag zu einer bestimmten Uhrzeit komplett aus und schmeissen alles weg, was noch drin ist. Alle im Betrieb oder in der Abteilung wissen darüber Bescheid! Einmal kurz die Fächer rausgewischt und alles ist wieder tutto paletti. Problem: Nicht jeder wird das wollen.

Psychologen empfehlen das sog. Augen-Prinzip: In der Nähe des Kühlschranks wird ein Bild von einem Augenpaar aufgehängt, das den Kühlschrank im Blick hat. Lachen Sie nicht, denn das soll funktionieren.Die Kollegen fühlen sich kontrolliert und passen ihr Verhalten unbewusst (vielleicht sogar bewusst) an die erwünschte soziale Norm an.

Haben Sie weitere Ratschläge? Schreiben Sie einen Kommentar.

Bildquelle: © Igor Mojzes – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 16. Oktober 2014 um 15:21 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Hallo!

    Bei uns im Büro steht seit kurzem auch ein relativ großer Kühlschrank. In diesem befinden sich mehrere abschließbare Fächer. So hat jede Abteilung ihr eigenes Fach. So gibt es keinerlei Streitigkeiten. Eine optimale Lösung wie ich finde.

    VG Klaus

    Kommentar von: Klaus Stuttig – am 11. Februar 2016 um 21:25

  2. Regel Nr. 6 Kontrolle jede Woche ob die Regeln 1,3,4 auch eingehalten werden mit einem einfachen Blick in den Kühlschrank.

    Super Artikel amüsant und gleichzeitig so Wahr man sollte die Regeln ausdrucken und an den Kühlschrank hängen damit auch jeder bescheid weiß und nicht sagen kann „äh, wusste ich nicht“

    Kommentar von: Daniel – am 14. April 2016 um 16:02

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