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Fünf wichtige Fragen zum Kühlschrank im Büro

[1]Der wahre Horror im Arbeitsleben verbirgt sich hinter der meist unscheinbaren Tür des Büro-Kühlschranks! Öffnet man diese, blickt man in den Schlund der Hölle. Oder in das geheime Labor einer biologischen Forschungseinrichtung, spezialisiert auf die Suche nach neuen Lebensformen.

Es ist so schrecklich: Überfällige Lebensmittel schimmeln vor sich hin, ausgelaufene Flüssigkeiten verkleben die Abstellflächen und auf jeder zweiten Verpackung befindet sich ein Post-It mit dem Namen „Falentin“, „Frau Weinzierl“ oder „meins“. Manchmal ergänzt um den mit krakeliger Schrift geschriebenen Zusatz „Finger weg“, was die Kollegen vermutlich auf nach wie vor nicht aufgegebene Eigentumsrechte Dritter hinweisen soll.

Der Kühlschrank im Büro – hier einige oft gestellte Fragen:

Ist ein Kühlschrank im Büro erlaubt?

Er ist zumindest nicht verboten. Ein Arbeitnehmer hat aber grundsätzlich kein Recht, an seinem Arbeitsplatz einen Kühlschrank vorzufinden. Auch das Aufstellen eines eigenen Gerätes muss immer mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden. Man denke allein schon an die Stromkosten, die durch den Betrieb entstehen und die im Normalfall der Arbeitgeber trägt.

Aber es gibt noch andere Aspekte Als elektrisches Gerät fällt ein Kühlschrank mittelbar unter den Begriff einer überwachungsbedürftigen Anlage im Sinne der Betriebssicherheitsverordnung [2], von der grundsätzlich eine Gefährung ausgeht. Diese Verordnung gilt bei privaten Geräten über die im Arbeitsschutzgesetz vorgeschriebene allgemeine Gefährdungsbeurteilung. Auch die Fachkraft für Arbeitssicherheit wird sich das Gerät unter die Lupe nehmen.

Kluge Arbeitgeber gehen Ärger aus dem Weg und schaffen Tatsachen, indem sie ein Firmengerät am selbst bestimmten Ort aufstellen.

Was hat der Betriebsrat für Rechte?

Ohne Zustimmung des Betriebsrats darf ein Arbeitgeber den Betrieb eines privaten Kühlschranks nicht umstandslos verbieten. Das Bundesarbeitsgericht hat schon 1986 im Zusammenhang mit dem Verbot des Radiohörens am Arbeitsplatz [3] entschieden, dass es sich in solchen Fällen um eine mitbestimmungspflichtige Frage der Ordnung und des Verhaltens im Betrieb nach § 87 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BetrVG [4] handelt.

Welche Regeln sollte man für die Benutzung des Kühlschranks aufstellen?

Ganz ehrlich: Die Frage ist fast schon lächerlich. Leider ist sie bitter notwendig. Denn: Beim Büro-Kühlschrank vergessen viele Kolleginnen und Kollegen sämtliche Regeln der Zivilisation. Diese Regeln der Zivilisation lauten:

Regel 1: Mache ich etwas dreckig, mache ich es auch wieder sauber.

Regel 2: Was anderen gehört, kann nicht mir gehören.

Regel 3: Bevor etwas eklig wird, entsorge ich es (Ausnahme gilt natürlich für Geräte in der Privatwohnung).

Regel 4: Man stopft das Kühlgerät nicht mit eigenen Sachen voll, andere wollen auch was hinein legen.

Regel 5: …. dürfen Sie gerne als Kommentar am Ende eintragen. Wir sind sicher, Ihnen fällt was Gutes ein.

Was passiert, wenn ich fremde Sachen aus dem Kühlschrank nehme?

Klarer Fall: Das ist ein Straftatbestand (§ 242 StGB – Diebstahl [5]). Und: Möglichweise auch ein Kündigungsgrund. Denn Straftaten des Arbeitnehmers sind als Kündigungsgrund grundsätzlich anerkannt. Dabei kommt es grundsätzlich auf die Schwere der Tat an. Sich den Joghurt eines Kollegen unter den Nagel zu reißen, dürfte in etlichen Fällen dabei nicht ausreichen. Aber im Abmahnungsbereich befindet man sich sich ohne weiteres. Immerhin stört man dadurch den Betriebsfrieden und zwar nicht unerheblich, wie wir meinen!

Gibt es irgend etwas, das hilft, den Kühlschrank ordentlich zu halten?

Etwas radikal, aber sehr effizient ist die sog. Freitags-Müllaktion: Mehrere Kollegen räumen den Kühlschrank immer am Freitag zu einer bestimmten Uhrzeit komplett aus und schmeissen alles weg, was noch drin ist. Alle im Betrieb oder in der Abteilung wissen darüber Bescheid! Einmal kurz die Fächer rausgewischt und alles ist wieder tutto paletti. Problem: Nicht jeder wird das wollen.

Psychologen empfehlen das sog. Augen-Prinzip: In der Nähe des Kühlschranks wird ein Bild von einem Augenpaar aufgehängt, das den Kühlschrank im Blick hat. Lachen Sie nicht, denn das soll funktionieren.Die Kollegen fühlen sich kontrolliert und passen ihr Verhalten unbewusst (vielleicht sogar bewusst) an die erwünschte soziale Norm an.

Haben Sie weitere Ratschläge? Schreiben Sie einen Kommentar.

Bildquelle: © Igor Mojzes – fotolia.com