Unter dem Titel „Die geheimen Tricks der Betriebsräte“ veröffentlichte das Handelsblatt kürzlich ein Interview mit der renommierten Fachanwältin für Arbeitsrecht Antje-Kathrin Uhl. Besonders geheim waren die Tricks dann aber nicht, die die Arbeitsrechtlerin verriet. So stellte sie zum Beispiel klar, dass Betriebsräte bestimmte Prozesse zwar verzögern, nicht jedoch völlig blockieren können, wie etwa im Fall von Betriebsänderungen. Ein weiterer Trick: Bewerber für die derzeit laufenden Betriebsratswahlen, die allein durch ihre Kandidatur sechs Monate besonderen Kündigungsschutz erhalten würden. Und schließlich soll es da auch sog. Koppelungsgeschäfte geben, bei denen der Betriebsrat „Nebenkriegsschauplätze“ eröffnet, um bei anderen Themen, wie etwa Verhandlungen über einen Interessenausgleich mehr Substanzielles zu erreichen? Die Anwältin weist im Interview darauf hin, dass die Kapazitäten von Arbeitgebern meist überschätzt werden. Mit Verzögerungen und „unerwarteten“ Widerständen können diese oft nur schlecht umgehen, ist doch ihre ganze Energie auf die Umsetzung von Umstrukturierungsplänen gerichtet. Und auch die Vorgaben von Gerichten bei Informationspflichten im Falle von Betriebsübergängen seien mittlerweile so strikt, dass manchem Arbeitgeber in der Hektik schon mal ein Missgeschick passiere. Na sowas!

Geheime Tricks? Strikte Verweigerungshaltung von Betriebsräten, die Unternehmen an den Rand der Insolvenz drängen? Wohl kaum! Die Anwältin sagt selbst: „Man darf die Macht der Betriebsräte nicht überschätzen“. Und so ist es dann auch: Das Betriebsverfassungsgesetz gibt den einheitlichen Rahmen vor, engagierte Mitarbeitervertreter bewegen sich in diesem, im Interesse der Belegschaft, die sie gewählt hat. Man nennt das auch betriebliche Mitbestimmung! Da sieht man, welch hohen Stellenwert eine aktive Fort- und Weiterbildung hat. Denn nur wer seine Rechte kennt, kann gestalterisch im Betrieb mitwirken. Zuletzt noch ein für viele geheimer Trick, mit dem man aber Zeit und Geld sparen und auch Ärger vermeiden kann: Als Arbeitgeber den Betriebsrat frühzeitig informieren und fair miteinander reden!

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 23. März 2010 um 16:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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