von Peter am 10.02.2012, 16:36 Uhr , Kategorie: Allgemein

iStock 000018475344XSmall Himmel oder Hölle: Arbeiten in der CloudIrgendwann wird keiner mehr da sein. Dann sind die Arbeitskräfte entweder weg (Demografie!) oder sie sind unsichtbar. Letzteres könnte wiederum bedeuten, dass sie gerade in der “Cloud” arbeiten, sich also in oder auf einer Wolke befinden. Das Schicksal, das bislang nur gemeine Software ereilte, könnte schon bald auf Arbeitnehmer aus Fleisch und Blut übergreifen. “Cloud Computing” ist mittlerweile ein gängiger Begriff: Daten, die in Betrieben anfallen, werden auf virtuellen Servern irgendwo im Internet gespeichert. Das spart Geld und macht einiges datenschutzrechtliches Bauchweh. Deshalb werden dazu Schulungen für Betriebsräte angeboten. Dass Daten virtuell ausgelagert werden, kann man sich vorstellen. Aber bald ganze Arbeitnehmer?

Was Spiegel Online als “revolutionäres Arbeitsmodell” bezeichnet, scheint die nächste Stufe in der Hölle der Arbeitsorganisation zu sein: Die Firma IBM überlegt offenbar, ihre Arbeitsstrukturen radikal zu verändern. So soll es in Zukunft nur noch eine sehr kleine Kernbelegschaft geben, der Traum eines fast jeden Arbeitgebers. Neu dazukommen wird eine Internetplattform, auf der sich nach der Idee der Verantwortlichen “freie Mitarbeiter präsentieren und zertifizieren lassen können”. Danach bekommen sie Arbeit (echte). Reale Arbeitsverträge gibt es dort natürlich nur noch nach internationalen Vorgaben. Das ist praktisch, denn man kann dann, theoretisch zumindest, das meist doofe nationale Recht ignorieren. Und dass die dort vergebenen Jobs an Projekte gebunden und damit befristet sind, versteht sich von selbst.

IBM findet das innovativ, möchte letztlich die Produktivität steigern und seinen Kunden Mehrwert bieten (wer will das nicht). Uns erscheint die Vorstellung eines Arbeitens in der Cloud dagegen wie die Vision eines modernen Tagelöhners. Die Kosten sollen auf Unternehmerseite um jeden Preis gesenkt, die soziale Verantwortung für die Mitarbeiter am liebsten auf Null zurückgefahren werden. Zurück bleibt ein Mensch ohne langfristige Perspektive und Bindung, nur noch von Auftrag zu Auftrag hetzend. Das Arbeiten in der virtuellen Cloud wird sich schnell als Leben in der echten Hell herausstellen.

Peter

Bildquelle: © Tuomas Kujansuu - iStockphoto


Dieser Beitrag wurde am Freitag, 10. Februar 2012 um 16:36 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Kommentare »

  1. Das Beste dabei ist, dass die notwendige Zertifizierung durch IBM erfolgt (und Geld kostet) und dafür erst mal Schulungen erforderlich sind (natürlich durch IBM, die natürlich auch Geld kosten). Aus Sicht von IBM ist das wirklich eine tolle Idee.

    Kommentar von: Michael – am 16. Februar 2012 um 08:35

  2. Ich denke, die haben in aller Gier ein paar wichtige Aspekte vergessen: den Faktor Mensch. Gewöhnt an eine gewisse Qualität wird man bald feststellen, dass sich auch andere Unternehmen für die “Guten” interessieren. Geschäftsgeheimnisse – lach – China wird es freuen. Und wo bleibt der europäische Nachwuchs? Gestern hier, heute da, morgen dort – wer tut sich das auf Dauer an? Da werd ich doch lieber Bau- und Landschaftsgärtner, sagt sich die nächste Generation. Gut so, sage ich, wer so Raubbau am Menschen zum Zwecke eigener Gewinnmaximierung betreibt, gehört gehörig zwischen die Löffel gehauen. Mögen alle mit solcher Personalpolitik als nächstes über ihre Insolvenz ins grübeln kommen.

    Kommentar von: Jens – am 16. Februar 2012 um 15:32

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