von Peter am 22.01.2014, 13:27 Uhr , Kategorie: Allgemein

Genau 344 Ausbildungsberufe gab es im Jahr 2012 in Deutschland. Tresoraufseher gehört nicht dazu. Noch nicht. Tresoraufseher kann man werden, wenn man in einer Bank arbeitet. Normalerweise sind Tresore fest verschlossen, warum also eine Aufsicht? Weil in Finanzinstituten immer wieder Wertsachen wie Geld und Gold angeliefert werden und dieses dann sicher in die fest verschlossenen Räume gebracht werden muss. Da gehört es rein. Und darüber muss jemand aufpassen. Einleuchtend. Vielleicht sollte es noch einen Tresoraufseher-Aufseher geben. Nur zur Sicherheit. Wie auch immer: Tresoraufseher ist ein verantwortungsvoller Job. Gut, aber lesen Sie bitte, was bei der HSBC-Bank in Düsseldorf letzten Herbst passierte. Vor einiger Zeit wurde das Bankgebäude an der Königsallee renoviert. Und zwar so gründlich, dass die in normalen Zeiten herrschenden, mit Sicherheit sehr peniblen Zustände und Sicherheitsvorkehrungen ein wenig durcheinandergerieten.

Eine überraschende Lieferung Gold (10 Kilo in Barren, der Tageswert lag am 21.1.2014 bei 294.412 Euro) traf auf eine wohl als leicht chaotisch zu beschreibende Baustellensituation. Der Kölner Express beschreibt das ganze recht detailliert, wobei die sicher nicht dabei waren. Der Beck-Blog beschreibt die Ereignisse etwas anders. Wir fassen zusammen, wie es uns am plausibelsten erscheint: Die seit vielen Jahren bei der Bank beschäftigte Tresoraufseherin handelte … na ja, wir wissen nicht genau, wie wir es beschreiben soll. Normalerweise hätte sie anweisungsgemäß einen Kollegen holen und das Gold in den Tresor befördern müssen. Aber, wie es halt immer so ist: Ein Gespräch mit dem Bauleiter kam dazwischen. Aus welchen Gründen auch immer entschloss sie sich im Anschluss an diese Unterhaltung, das Gold in einem Rollcontainer zwischenzulagern. Absperren ging offenbar nicht. Möglicherweise gab es in diesem Moment keine andere geeignete Lösung. Aber 10 Kilo Gold einfach so in den Rollcontainer? O-ha. Danach Wochenende. Und anschließend die Überraschung: Rollcontainer leer, Gold weg.

So was läßt sich nicht lang verheimlichen. Die arbeitsrechtliche Folge: Kündigung durch den Arbeitgeber. Über die rechtliche Bewertung und deren Ergebnis braucht man nicht spekulieren, recht groß erscheint die Pflichtverletzung. Der Vorsitzende Arbeitsrichter wird vom Beck-Blog zitiert: „Da ist so ein Haufen Gold – da kriegt man doch schweißnasse Hände! Und spätestens nachts wäre man doch aufgewacht und hätte sich gedacht: Hoffentlich ist das Gold noch da!„.  Im Termin kam es zu einem Vergleich: So wird die Kündigung erst zum 30. Juni wirksam. Bis dahin bleibt die Tresoraufseherin freigestellt. Abfindung gibt es keine. Dafür darf sie die  Anwartschaften aus der betrieblichen Altersversorgung behalten. Und die Bank verzichtet auf Schadensersatzansprüche für das verschwundene Gold.

Dass die Tresoraufseherin mit dem verschwundenen Gold zu tun hat, wird von allen Seiten ausgeschlossen. Eine megapeinliche Geschichte, vor allem für die Bank selbst. Denn sie hatte die Zustände zu verantworten. Die 10 Kilo Goldbarren sind bis heute verschwunden. Und die Kollegin ist ihren Job los. Und unabhängig davon, wie viel sie an dieser Geschichte selbst verschuldet hat: Es ist zu bedauern. Bestimmt hat sie in dem Moment nach bestem Gewissen gehandelt, vielleicht war sie mega unter Stress, wahrscheinlich dachte sie ernsthaft, der Rollcontainer sei die beste Variante. Niemand ist davor gefeit in einer Ausnahmesituation richtig zu reagieren. Jetzt hat sie die Folgen zu tragen. Für sie hart, aber es hätte wohl noch übler ausgehen können.

Um sich für solche Situationen besser zu präparieren, lesen Sie interessante und wissenswerte Hintergründe über die allgemeinen Pflichten, die man als Arbeitnehmer hat und Fragen rund um die sog. Arbeitnehmerhaftung auf  betriebsrat.de oder besuchen Sie als Betriebsrat dieses Seminar.

Bildquelle: © kovaleff – fotolia.com



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 22. Januar 2014 um 13:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment