Twitter ist in aller Munde. Die ganze Welt ist scheinbar schon am „Zwitschern“. Auch in Deutschland finden immer mehr Menschen Spaß daran, mit Kurzmitteilungen andere über ihr Leben, Handeln und Denken auf dem Laufenden zu halten. Und da viele Menschen über einen Job verfügen, der sie zeitlich und häufig  auch emotional beansprucht, wird natürlich darüber getwittert oder gefacebooked: Der blöde Chef, die zickige Kollegin, die doofen Kunden.

Was viele nicht bedenken: Immer mehr Arbeitgeber lesen hier genau mit. Denn die sind häufig auch nicht auf den Kopf gefallen und wissen mittlerweile ganz genau, wie sie sich in sozialen Netzwerken und in Suchmaschinen bewegen müssen, um an Informationen zu kommen.

Und dabei muss man gar nicht gezielt nach einem bestimmten Mitarbeiter suchen: eine Recherche nach dem Unternehmensnamen reicht oft völlig aus. Wer ein wenig kombiniert und sich mit bestimmten Eingabebefehlen auskennt, stößt hier schnell auf eine wahre Fundgrube von Lästereien und Stänkereien über die eigene Firma, über Kollegen und Vorgesetzte. In krassen Fällen wird nicht mal darauf verzichtet, den eigenen Namen zu verheimlichen oder auf ein ein Foto zu verzichten. Dass jemand wegen eines solchen Verhaltens bereits eine Kündigung erhalten hat, ist noch nicht bekannt, dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

Dabei muss es nicht mal ums Lästern gehen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet darüber, dass eine Angestellte in der Schweiz noch ganz schnell ihre „Status-Einträge“ bei Facebook geändert hat, nachdem sie sich beim Arbeitgeber krank gemeldet hat. Der Grund: Ein Facebook-Profil kann öffentlich geführt werden und wenn der Arbeitgeber fünf Minuten nach der Krankmeldung mal einen Blick hineinwirft und liest, dass Susi Sorglos* (*Name von der Redaktion geändert)  sich heute „mal freigenommen hat“ und zum Shoppen geht, dann dürfte das im Zweifel für unsere Susi ziemlich doof ausgehen.

Noch ein Aspekt ist wichtig: Twitter und Facebook kann für Firmen zu einem echten Sicherheitsleck werden, wenn die eigenen Angestellten völlig sorglos über Produktpannen oder vergleichbare Internas plaudern, ohne darüber nachzudenken, wer dies ausser dem eigenen Freundeskreis noch so alles lesen könnte. Web-Expertin Nicole Simon bei SZ online: „Wenn da etwas Schlimmes oder Spannendes ist, verbreitet sich das explosionsartig“. Weiterhin kritisiert sie, dass es bei den meisten Unternehmen keinerlei interne Schulungen oder Handlungsanweisungen für den Umgang mit sozialen Netzwerken gibt. Man würde „mit Ansage gegen die Wand laufen.“

Ob tatsächlich gleich Handlungsanweisungen nötig sind, stelle ich in Zweifel. Man braucht schließlich nicht für alles und jeden gleich einen verbindlichen Leitfaden und arbeitsrechtlich sind die meisten Sachverhalte eh klar. Viel wichtiger wäre eine ordentliche Aufklärung der Mitarbeiter! Denn vielen Menschen sind die Folgen gar nicht bewusst, was sie anrichten können, wenn sie firmeninterne Nachrichten online ins Internet stellen.

Tipp, um auf Nummer sicher zugehen: Generell bei Themen, die mit der Arbeit zu tun haben, lieber die Klappe halten, gerade wenn man sich in sozialen Netzwerken bewegt!

Kleine Randnotiz: Wenn man im Internet zum Recherchieren anfängt, dann erfährt man oft sehr schnell ganz interessante Dinge Zum Beispiel über die im vorletzten Absatz erwähnte und von der Süddeutschen im Artikel zitierte Nicole Simon. Ihrem Xing-Profil (kleine Aufgabe für den Leser: mal selber über google suchen!) kann man relativ deutlich entnehmen, dass sie selbst Seminare zu diesem Thema anbietet und veranstaltet. Moment: Hat Sie sich im Artikel nicht dafür ausgesprochen, dass Firmen besser geschult werden sollten? Hat sie da nicht angstmachende Situationen beschrieben, was alles Schlimmes passieren kann. Ein Schuft, wer da einen Zusammenhang sieht. Und ein schönes Beispiel dafür, wie schnell man mit Hilfe sozialer Netzwerke online Informationen finden und eigene neue Schlüsse ziehen kann.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 30. September 2009 um 18:05 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

Keine Kommentare »

No comments yet.

Leave a comment