Fast ein Fünftel der Arbeitnehmer in Deutschland wird unterhalb der vorhandenen Qualifikation beschäftigt. Das ist das Resultat einer von der IG Metall Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Studie der Universität Hohenheim. 17,6 % der Arbeitnehmer mit einem berufsqualifizierenden Bildungsabschluss (Facharbeiter) sind als unterwertig beschäftigt beziehungsweise überqualifiziert einzustufen. Bei den Akademikern liegt die Quote mit 18,9 % noch höher. Der Anteil der unterwertig Erwerbstätigen hat sich im Ergebnis seit den 1980er Jahren deutlich erhöht.

Beispielsweise gibt es den Ingenieur, der nicht entwickelt, sondern durch Routineaufgaben in Verwaltung oder Fertigung gebunden ist. Oder den Facharbeiter, dessen eigentliche Qualifikation an Wert verliert, da er an keiner Weiterbildung teilnehmen darf. Gründe für das hohe Ausmaß der Beschäftigung unterhalb des Niveaus der individuellen Qualifikation sowie die ungleiche Betroffenheit gibt es verschiedene, so die Studie. Relevant sind danach unterschiedliche Verwertungschancen einzelner Ausbildungs- und Studiengänge, aber auch gruppenspezifische Benachteiligungen (z.B. bei Personen mit Migrationshintergrund) oder atypische Beschäftigungsverhältnisse (Befristungen, Teilzeit, Mini-Jobs). Bedeutsam sind aber insbesondere auch Arbeitsorganisation und Personalpolitik, die vorhandene Qualifikationen nicht nutzen und entwickeln. Unglücklicherweise zählt auch Mobbing zu den Gründen, nämlich Chefs, die bestimmte Mitarbeiter am langen Arm „verhungern lassen“, um sie los zu werden.

Kommt jetzt nach der Burn-out-Welle die Bore-out-Woge? Denn inzwischen wissen wir: Nicht nur Überforderung sondern auch Unterforderung kann krank machen. Das Selbstbewusstsein leidet, man bekommt keine Anerkennung und muss außerdem noch schauen, wie man mit einer Arbeit, die einen langweilt und/oder unterfordert, den Tag herumbekommt. Abends geht man dann meist mehr als unbefriedigt nach Hause, mit dem Gefühl, nichts getan zu haben. So etwas wie Sinnlosigkeit stellt sich ein… Jedenfalls ist die Auseinandersetzung mit der Situation mittel- und langfristig unabdingbar, wenn man nicht krank werden möchte. Ähnlich wie beim Burn-out kann auch hier der Betriebsrat unterstützen. Gemeinsam können im Rahmen des betrieblichen Gesundheitsschutzes Konzepte für eine Arbeitsoptimierung angefertigt und Gespräche geführt werden.

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Dieser Beitrag wurde am Montag, 03. September 2012 um 14:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Gesundheitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Es fehlt m.E. noch ein Aspekt, gerade innerhalb von Firmenübernahmen erlebe ich, wie eine Firma mit Martixorganisation eine andere mittelständisch geführte Firma übernommen hatte. Die Folge waren, die Regeln haben sich übernacht geändert. War in der übernommenen Firma bis dato Fachwissen und Qualifikation die wichtigen Kriterien, ist es jetzt nur noch Loyalität und Gefolgschaft.
    Die jüngeren Führungskräfte haben das Unternehmen verlassen, die älteren, denen man die Kompetenzen entzogen hatte, langweilen sich oder werden gezielt rausgemobbt.
    Wirtschaftlich ist diese Situation eigendlich ein Supergau, Aufgaben die man früher mit 2 Leuten erledigen konnten werden heute mit 20 erledigt.
    Das ist eben der Preis des Jugendwahns

    Kommentar von: Sigfried – am 03. September 2012 um 16:05

  2. Da ich mich ziemlich stark mit dem Thema Burnout auseinander gesetzt habe, bin ich natürlich früher oder später auch über den Bore-out gestoßen. Ich finde die Ergebnisse der Studie sehr interessant und kann dem nur zustimmen.

    Grüße,
    Günter

    Kommentar von: Günter Moos – am 30. Oktober 2012 um 17:32

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