von Peter am 21.01.2009, 13:49 Uhr , Kategorie: Allgemein

Fast schon so was wie eine schöne Tradition ist das, was das Gallup-Institut da veranstaltet: Jedes Jahr wird auf’s Neue gefragt und untersucht, wie es denn den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in Deutschland an ihrem Arbeitsplatz gefällt. So auch 2008. Das Ergebnis ist irgendwie beunruhigend, denn: Knapp 90 Prozent der fast 1.900 interviewten Personen gaben an, sich mit ihrem Unternehmen nicht verbunden zu fühlen. Zwei Drittel meinten, sie hätten nur eine sehr geringe emotionale Bindung an ihren Arbeitsplatz und 20 Prozent haben nach eigener Aussage bereits innerlich gekündigt. Das berichtet Welt Online.

Moment mal: 20 Prozent die innerlich geKündigt haben? Das muss man sich direkt gleich mal durchrechnen: In Deutschland gibt es aktuell rund 40 Millionen Erwerbstätige, rechnet man diese 20 Prozent nun auf sämtliche Arbeitnehmer hoch, dann würden ja in den hiesigen Betrieben rund 8 Millionen Kolleginnen und Kollegen rumlaufen, die in ihrem Job in höchstem Maße unmotiviert und frustriert sind. Oder wagen Sie doch einfach einen kurzen Blick in Ihren persönlichen Mikrokosmos: Schauen Sie sich fünf Ihrer nächsten Kollegen an: von denen haben, statistisch gesehen, ganze vier gar keine oder zumindest nur ganz wenig emotionale Bindung ans Unternehmen. Andersrum gefragt: wer von denen ist nun eigentlich der motivierte Einzelgänger, dem es hier tatsächlich (noch) Spaß macht? Tja, und wozu gehören Sie selbst eigentlich? Schon mal ganz bewusst und ehrlich darüber nachgedacht?

Ich weiß nicht recht, mich erschüttert diese Zahl ziemlich. Lebe ich denn hier in meiner kleinen persönlichen Traumarbeitswelt, in der unter’m Strich schon „alles passt“. Dabei dachte ich immer, dass den meisten Menschen ihre Arbeit schon irgendwie Spaß machen wird. Spaß machen „muss“, verstehen Sie? Sicher erlebt man zum Beispiel als Kunde manchmal Situationen, gerne in Ladengeschäften, wo man sich dann denkt, wie ist der Verkäufer denn gerade drauf? Muffig, schlecht gelaunt, kurz angebunden, solche Momente, wo man immer gleich an das Bild von der „Servicewüste Deutschland“ denken muss. Aber meine naheliegendste Erklärung war bislang immer: jeder darf mal einen schlechten Tag haben. Ohne das pauschalisieren zu wollen, aber das war wohl alles nur ein ganz großer persönlicher Irrtum.

Und davon mal abgesehen: Ein solcher Zustand, wie ihn die Studie nun erneut aufdeckt, kostet die Arbeitgeber auch ziemlich viel Geld, schon deshalb, weil unmotivierte Beschäftigte nach diesen Ergebnissen durchschnittlich häufiger krank sind als das verbliebene kleine Häufchen der vermutlich nur noch aus verklärten und idealistischen Gründen ausharrenden sog. „motivierten“ Kollegen.

Aber woher kommt denn dieser hohe „Null-Bock-Anteil“ eigentlich? Was ist seine Ursache? Das Gallup-Institut meint, dass vor allem bei der Mitarbeiterführung Einiges im Argen liege. Viele Beschäftigte würden bemängeln, dass sie zuwenig Anerkennung erhielten oder mit ihrer Meinung nicht gefragt seien. Nichts Neues. Aber wenn das das Hauptproblem für ein solches wie ich finde katastrophales Ergebnis ist, dann sollte da ein vernünftiger Arbeitgeber durchaus in der Lage sein und was drehen können. Das erscheint mir nun wirklich nicht besonders unlösbar zu sein. Im Gegenteil. Nur: Sie wissen es ja bereits seit vielen Jahren…

Der beck-blog fragt übrigens ergänzend, ob sich in Betrieben mit engagierten Betriebsräten ein anderes Bild ergibt. Das würde mich auch interessieren. Schön wär es schon. Ich befürchte jedoch leider: nein! Oder lieg ich da falsch? Hoffentlich lieg ich falsch, nur dieses Mal!

Das Institut macht diese Umfrage übrigens nicht nur bei uns, sondern weltweit. Im Vergleich mit anderen Ländern schneidet Deutschland da nicht besonders ab (11. von 17 Plätzen in den „Motivations-Charts“). Das hat mich jetzt aber gefühlsmäßig auch nicht mehr sonderlich überrascht. Raten Sie mal, wo es mit Abstand die meisten motivierten Arbeitnehmer gibt! Da kommen Sie nie drauf. In Indien.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 21. Januar 2009 um 13:49 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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