Vor zwei Monaten stellte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, CDU, ihre Pläne zur neuen Familien-Pflegezeit für Arbeitnehmer vor: Wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, soll ab 2011 einen Anspruch darauf  haben, bis zu zwei Jahre lang die Arbeitszeit auf die Hälfte zu reduzieren, jedoch 75 Prozent des Gehalts zu bekommen. Anschließend soll dann zwei Jahre lang wieder voll gearbeitet werden, bei ebenfalls 75%igem Lohnanspruch. Schon im Mai gab es starke Kritik an diesem Vorhaben von Sozialverbänden aber auch von Arbeitgebern. Während der Paritätische Wohlfahrtverband meinte, dass der Vorschlag vollständig zu Lasten der pflegenden Angehörigen gehe und die Einsetzung einer Expertenkommission forderte, befürchteten Arbeitgeberverbände Probleme mit Arbeitnehmern und deren Arbeitszeitkonten, wenn diese nach zwei Jahren nicht mehr in den Betrieb zurückkehren würden, um die die angesammelten Fehlzeiten aufzuholen.

Nun gibt die Ministerin Gas. An ihren Plänen hält sie laut einem Gespräch mit der Bild-Zeitung unverändert fest, die neuen Regelungen sollen mittlerweile sogar noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Ähnlich dem Elterngeld würde Frau Schröder auch gerne ein Pflegegeld einführen wollen, sieht dafür aber keinen finanziellen Spielraum. Unabhängig davon wünsche sie sich mehr ehrenamtliches Engagement der Menschen in der Pflege. So könne man ja den Pflegebedürftigen aus der Zeitung vorlesen oder ihnen vorsingen.

Vorsingen gegen den Pflegenotstand? Das sind vielleicht Ideen. Zwar ist mehr Engagement in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens unbedingt wünschenswert.  Aber davon mal abgesehen, scheint es den Plänen doch an Realitätsnähe zu mangeln: „Für Arbeitnehmer mit mittleren oder geringen Einkommen seien Gehaltskürzungen um 25 Prozent ohne staatliche Unterstützung eine Zumutung. Damit würden insbesondere Frauen aus dem Berufsleben in die alleinige Familienarbeit gedrängt“ so Manuela Schwesig, stellvertretende SPD-Vorsitzende. Dem schließt sich Elisabeth Scharfenberg, Sprecherin der Grünen für Pflegepolitik an: „Die Realität spricht eine andere Sprache als Frau Schröders Modell. Vielen ist es aus finanziellen Gründen nicht möglich, auf ein Viertel ihres Gehalts zu verzichten. Nach diesem Modell darf die zu pflegende Person auch keine Rund-um-die-Uhr-Pflege beanspruchen, da die Angehörigen ja immer noch einen größeren Teil ihrer Zeit arbeitsbedingt abwesend sein werden.“

Wie soll ein solches Modell funktionieren? Ein bißchen Pflege, ein bißchen Arbeitszeitreduzierung, ein bißchen weniger Geld: Das ist Politik aus dem Theorie-Baukasten, die wohlklingend ist und vielversprechend erscheint, der bei genauerer Praxis-Betrachtung aber schon auf den ersten Metern die Luft ausgeht. Sehr enttäuschend!

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 26. Juli 2010 um 15:16 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. […] ist. Ob aber dies die Akzeptanz bei den Betrieben fördert, ist politisch sehr umstritten. Der blog.betriebsrat.de bemängelte, dass das Modell Familienpflegezeit zu schematisch aufgebaut wäre. Haufe.de […]

    Pingback: Familienpflegezeit: Reduktion der Arbeitszeit für die Pflege » News und Tipps für Verbraucher – am 21. März 2011 um 07:59

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