Hamburg-Sasel, Niederpöcking, Hattingen – diese Orte stehen für drei bekannte und renommierte gewerkschaftliche Tagungszentren: Das Bildungswerk des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB konzentriert hier die Betriebsratsqualifizierung.  In Hamburg-Sasel und in Niederpöcking soll damit zum 31.12.2011 Schluss sein. Das DGB-Bildungswerk (BW), Betreiber der Einrichtungen, gab im Oktober bekannt, beide Zentren schließen zu wollen. Zur Begründung verwies Geschäftsführer Dieter Eich auf die angeblich zu hohen Kosten. Er kündigte an, Schulungsveranstaltungen zukünftig, wie es auch bei anderen Veranstaltern üblich ist, in Hotels durchzuführen. Und das, obwohl das Bildungswerk in seiner Selbstdarstellung (pdf-Datei, 1,41 MB) unter dem Motto „Bildung braucht Orte“ ausdrücklich auf die sog. Lernumwelt der Tagungszentren verweist und betont, wie wichtig diese Einrichtungen für einen optimalen Lernerfolg seien.

Na ja,so wichtig dann offenbar doch wieder nicht! Die Ankündigung der Schließung entfachte einen Sturm der Empörung bei Betriebsräten, Einzelgewerkschaften und Referenten des Bildungswerkes. Bereits im Vorjahr stand die Existenz der Tagungsstätte Hamburg-Sasel einmal kurzfristig auf der Kippe. Damals drohte ein Pachtvertrag auszulaufen. Tausende von Unterschriften führten letztlich dazu, dass der Betrieb weitergehen konnte. Die Ereignisse werden diesmal jedoch durch einen besonders pikanten Umstand erheblich verschärft: Der Betriebsrat der Bildungsstätte wurde im Vorfeld scheinbar weder über die wirtschaftliche Situation noch über die anstehenden Schließungspläne informiert noch miteinbezogen. Es kommt noch besser: Hans Mielke, Betriebsrat in der Tagungsstätte Hamburg-Sasel und Sprecher des sog. „Förderkreises Sasel“, einer Vereinigung von betroffenenen internen und externen Mitarbeitern, welche das Vorgehen auf einer eigenen Webseite kritisch kommentiert, erteilte man laut Berliner taz ein Unterrichtsverbot. Referenten, die freiberuflich für die Bildungsstätte tätig sind, sollen vom Bildungswerk dazu aufgefordert worden sein, sich schriftlich vom „Förderkreis“ zu distanzieren und sich auch nicht weiter für den Erhalt der Tagungsstätte einzusetzen!

Als Außenstehender kann man nur noch staunen! Was auch immer hinter den Kulissen verabredet und entschieden wurde, hier erlebt man gerade einen Kommunikations-GAU erster Güte. Nun schaltete sich auch noch die IG Metall ein: Deren Vorstandsmitglied Bertin Eichler erklärte gegenüber der taz, Bildungswerk-Geschäftsführer Dieter Eich habe teilweise falsche Behauptungen aufgestellt, die die Ereignisse auf den Kopf stellen. Das DGB-Bildungswerk macht Front gegen seinen eigenen Betriebsrat, die IG Metall gegenüber dem Geschäftsführer des gewerkschaftseigenen Bildungswerkes. Im Blog auf der Förderkreis-Webseite tobt ein Orkan der Entrüstung. Was ist hier nur los?

Wenn die in mehrfacher Hinsicht bewährte Betriebsrätefortbildung auf den DGB-Bildungsstätten wegfallen würde, dann wäre das für viele ein herber Verlust. Wobei an dieser Stelle ruhig erwähnt werden darf, dass es auch ausserhalb der „Lernumwelt“ dieser Tagungsstätten noch anderes intelligentes betriebsratliches Weiterbildungsleben gibt. Einzelne private Bildungsinstitute bieten qualitativ mindestens das selbe hohe Bildungsniveau an, wie das der DGB behauptet! Bestürzend ist jedoch, wie eine Gewerkschaftseinrichtung  hier mit ihren Arbeitnehmern, vor allem aber mit den betrieblichen Interessenvertretern umzugehen scheint. Gerade sie könnte doch in so einem Fall ein leuchtendes Vorbild für innerbetrieblichen Umgang und gute Kommunikation nach außen sein. Doch hier leuchtet gar nichts. Dass kein Geld für den weiteren Betrieb dieser Tagungsstätten vorhanden zu sein scheint, ist eine Seite. Dass man sich aber in einen Kleinkrieg begibt und sogar seinen bewährten Mitarbeitern in der öffentlichen Meinung ihren Mund verbieten will, das ist eine andere. Was für ein Licht wirft das nur auf den DGB und auf die Zustände bei seinem Bildungswerk? Die Arbeitgeber reiben sich dabei sicher genussvoll die Hände.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 24. November 2010 um 12:56 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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