Wissen Sie, was ein Whistleblower ist? Übersetzt man den Begriff korrekt aus dem Englischen, dann handelt es sich wohl um einen Pfeifenbläser. Richtig bekannt wurde der Ausdruck jedoch für Personen, die als zumeist anonyme Hinweisgeber die Öffentlichkeit über Missstände oder allgemeine Gefahren zum Beispiel am Arbeitsplatz informieren. Der Ärger ist dann meist recht groß. Für den Arbeitgeber natürlich, weil er die Presse, etliche Behörden und schlimmstenfalls die Staatsanwaltschaft an der Backe hat. Für den Arbeitnehmer aber auch, sofern der Chef erfährt, dass der Hinweis von ihm stammt. Man geht ein hohes Risiko ein: Denn letztlich kann die eigene Existenz auf dem Spiel stehen. Viele werden deswegen zweimal darüber nachdenken, ob sich diese Art des Handels für sie am Ende rentiert. Hinzu kommt auch noch die rechtliche Situation: Ein Beschäftigter, der vermeintliche Straftaten oder auch Ordnungswidrigkeiten seines Arbeitgebers bekannt macht, begibt sich in ein manchmal unklares und deshalb schnell ungemütlich werdendes Spannungsfeld, das ganz direkt mit seiner Treuepflicht als Arbeitnehmer zu tun hat: Mobbing, arbeitsrechtliche Sanktionen bis hin zur Kündigung und Schadensersatzforderungen schweben schnell wie ein Damoklesschwert über einem.

Damit soll nun Schluss sein! In Zukunft soll man den Chef mit dem Staat im Rücken an den Pranger stellen können. Dafür verantwortlich ist eine Vorgabe der politischen G20-Gruppe. Auf deren Gipfeltreffen im November 2010 hat man beschlossen, dass ihre Mitglieder, darunter auch Deutschland,  bis Ende 2012 ein Gesetz einführen müssen, welches Whistleblowern einen bestmöglichen Schutz zukommen lässt. Dieser soll so stark sein, dass Informanten sich in Zukunft trauen, ihren Hinweis im Normalfall ganz offen zu geben. Zwei Gesetzentwürfe liegen dazu nun vor. Der eine kommt von der SPD, der andere vom Whistleblower-Netzwerk, einem Kölner Verein, der sich für solche Hinweisgeber einsetzt und diese berät. In Zukunft sollen Arbeitnehmer Missstände nicht zuerst beim Vorgesetzen melden müssen, sondern sich gleich direkt an eine neutrale dritte Stelle wenden dürfen. Weiterhin soll es Arbeitgebern verboten werden, Informanten mit Sanktionen zu bestrafen. Auch eine Beweislastumkehr im Falle der Kündigung ist im Gespräch: Nicht der Whistleblower soll in einem denkbaren Kündigungsschutzprozess beweisen müssen, dass er wegen seiner Informationen gekündigt wurde, sondern der Arbeitgeber, dass genau das nicht der Grund gewesen sei. Und: Sogar ein Entschädigungsanspruch gegen den Staat wird diskutiert, so dass ein Informant, der durch seine Aktion materiellen Schaden erleidet, für diesen Rückgriff nehmen kann.

Ein heißes Thema. Was man sich bei der Diskussion vor Augen halten muss: Es geht nicht um Menschen, die anderen eins reinwürgen wollen, also um Denunzianten. Es geht um selbstloses Handeln: Gefahren und Missstände werden aufgedeckt, damit Dritte wie etwa Kollegen aber auch die Allgemeinheit geschützt werden.

Ob in Zukunft eine gesetzliche Absicherung das Whistleblowing aus der immer noch vermeintlich ziemlich sicheren Anonymität herausholen wird, halten wir für ungewiss. Dabei möge sich jeder einfach mal selbst prüfen. Ab wann würde man überhaupt handeln? Und ab wann wäre für einen persönlich die Situation derart unerträglich, dass man sogar bereit wäre, auf den Schutz der Anonymität zu verzichten und sich zu outen. Das sind sehr bedeutsame Fragen, die jeder nur für sich beantworten kann.

Peter

 

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 20. April 2011 um 12:03 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Arbeitsvertrag abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Das ist ja alles schön und gut,
    aber dann muss man auch den Arbeitgeber vor unrechtmäßige Anschuldigungen schützen.
    Und warum sollte man Missstände gleich anprangern können, ohne dem Arbeitgeber darüber informieren zu müssen ? Der Arbeitgeber muss doch von Missständen Kenntniss erlangen, sonst kann er gar nicht für Abhilfe sorgen.

    Das scheint ziemlich einseitig gegen die Arbeitgeber gerichtet zu sein.

    Kommentar von: Tourix – am 20. April 2011 um 18:51

  2. das ist ein schwieriges thema… keiner will jemanden wirklich verraten oder anschwärzen. vor allem nicht, wenn man an dem ast sägt, auf dem man sitzt! allerdings wenn man sich nicht mehr im spiegel anschauen kann sind solche schritte mehr als verständlich!

    Kommentar von: kalender2012 – am 27. April 2011 um 11:37

  3. Hallo liebe Leser,

    ich denke auch das es nicht zu einseitig werden sollte. Meine Idee dazu wäre zum Beispiel in solch einer Situation den Betriebsrat stärker einzubinden und wenn nötig hier die eine oder andere rechtlich Möglichkeit zu schaffen um solch eine „Anzeige“ auf der Ebene zuwischen BR und der den Vertretrern des AG aufzuzeigen. So haben zumindest beide Seite
    die Möglichkeit Stellung zu nehmen. Natürlich muss auch hier der Schutz des MA im Vordergrund stehen.

    Kommentar von: Ulli – am 03. Mai 2011 um 07:02

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