Die EU-Kommission hat kürzlich ihre offiziellen Zahlen zur Kinderarmut vorgelegt. In Deutschland liegt diese Quote bei rund 12 Prozent, somit ein wenig unter dem europaweiten Durchschnitt von 19 Prozent. Es dürfte etwa 2,5 Millionen Kinder hierzulande geben, die mit dem Sozialhilfeniveau von 207 Euro pro Monat oder noch weniger auskommen müssen. EU-Kommissar Vladimir Spidla: „Kinderarmut ist eine große gesellschaftliche Herausforderung. Sie schmälert die Chancen für eine gute Zukunft, denn arme Kinder seien schlechter in der Schule und anfälliger für kriminelle Taten.“

Die Wirtschaftskrise könnte nun diese bedauernswerte Situation noch deutlich verschärfen. Darauf weist Heinz Hilgers, der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes gegenüber der Süddeutschen Zeitung hin: „Viele der Eltern, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren, werden in einem Jahr von Hartz IV leben“. Immer mehr Kinder würden deswegen in sozial schwächeren Familien aufwachsen. Die ganzen Konjunkturprogramme gingen in eine falsche Richtung: Die Regierung investiere nur in Steine statt in junge Menschen. So werde eine neue Generation von Leistungsempfängern herangezüchtet.
Hilgers fordert eine Kindergrundsicherung in Höhe von 330 Euro pro Monat. Dabei müssten aber zugleich alle Bildungsinstutionen von der Kindertagesstätte bis hin zur Universität kostenlos sein.

Bei diesen Forderungen geht es um viel Geld, das müsste alles erst mal finanziert werden. Die Frage ist, wie so oft: woher soll das ganze Geld kommen? Die Antwort: es wird keines da sein. Das kann sich ja jeder denken, der eins und eins zusammenzählt: Sicher wird irgendwann das Kindergeld mal wieder um ein paar Euro erhöht und vielleicht gibt es auch eine Sonderzahlung wie dieses Jahr die Schulbeihilfe von 100 Euro. So paradox es auch klingen mag: Kinderarmut bzw. das was man darunter versteht, wird sich mit dem Einsatz von Geld auf breiter Front nie so richtig bekämpfen lassen. Angesetzt werden sollte dagegen, wie bei so vielen anderen Dingen auch, unbedingt direkt im Bewußtsein der Gesellschaft: erst wenn uns unsere Kinder nicht mehr nerven, weil sie laut sind, Dreck machen und man sie lieber nicht neben sich wohnen haben will, erst wenn sich hier etwas in der Einstellung ändert, dann wird sich auch insgesamt eine Verbesserung einstellen. Dann steht zwar immer noch nicht mehr Geld zur Verfügung, aber die „gefühlte“ Kinderarmut wird sinken. Und das wäre schon ein toller Erfolg. Ganz bestimmt!

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 30. März 2009 um 16:55 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Hartz IV, Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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