Beim iPhone-Hersteller Foxconn in China sollen sich seit Beginn des Jahres 13 Arbeiter das Leben genommen haben. Unter anderem stürzten sie sich von einem der Fabrikgebäude in Shenzhen in den Tod. Der Grund: unerträgliche Arbeitsbedingungen, niedrige Löhne, militanter Führungsstil, soziale Isolation der Mitarbeiter. „Wir werden nicht wie Menschen sondern wie Maschinen behandelt“, erzählt ein ehemaliger Foxconn-Mitarbeiter dem Fernsehsender RTL. „Während der Arbeit dürfen wir nicht mit Kollegen sprechen und abends fällt man nur noch todmüde ins Bett. Das ist doch nicht lebenswert.“

Harte Vorwürfe für den Konzern. Das Management wies die Verantwortung für die Selbstmorde und insbesondere die Kritik an den Arbeitsbedingungen zurück – reagierte aber trotzdem und hob die Gehälter teilweise um bis zu 60% an. Außerdem, so RTL, wurden Auffangnetze um die Fabrikgebäude errichtet, um weitere Todessprünge zu vermeiden. Soviel zum Thema vorbeugende Maßnahmen im Arbeits- und Gesundheitsschutz!!!

Schlechte Arbeitsbedingungen und miese Bezahlung – klassische Charaktereigenschaften eines Billiglohnlandes wie China und für Viele, insbesondere für die Wanderarbeiter, seit Jahrzehnten der normale Arbeitsalltag. Aber nicht nur bei Foxconn, auch in anderen Unternehmen Chinas scheint es inzwischen eine junge Arbeitergeneration zu geben, die nicht mehr bereit ist, sich ausbeuten zu lassen. Resultate sind Selbstmorde, Streiks und Tumulte. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Regierung zu erregen, damit diese die soziale Stabilität gefährdet sieht und sich für sie einsetzt. Anders als bei uns haben die Arbeitnehmer in China keine anderen Alternativen, ihrem Ärger Ausdruck zu verleihen. Die Regierung verbietet unabhängige Gewerkschaften und die bestehenden Gewerkschaften verstehen sich als dem Staat gegenüber verpflichtete Einrichtungen. Da kommen die Rechte der Arbeiter viel zu kurz.

China hat Japan inzwischen als zweitgrößte Wirtschaftsmacht hinter den USA abgelöst. Aber auf wessen Kosten? Zwar hat die Regierung, um den Ansprüchen der neuen Arbeitergeneration gerecht zu werden,  landesweit die Mindestlöhne um rund 20 % angehoben – was immer das auch genau heißen mag. Auf der anderen Seite leiden nun viele Unternehmen unter diesen Mehrkosten und stellen von Mitarbeitern auf produktivere Maschinen um. Ein Teufelskreis im Reich der Mitte.´

Ines



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 18. August 2010 um 13:00 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Arbeitsmarkt, Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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