Nicht erst seit gestern überwachen Firmen ihre Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Die bekannt gewordenen Beispiele Lidl, Telekom und Deutsche Bahn sind nur die prominentesten Fälle. Ob das unterm Strich recht schlau ist, wird teilweise bezweifelt. Das evangelische Magazin chrismon sprach unlängst mit dem Wirtschaftspsycholgen Peter Groß aus Köln. Sein Tenor: Wer seinen Mitarbeitern vertraut, hat es besser – und kann Kosten sparen.

Im Interview erklärt der Experte, dass Betriebe im allgemeinen nur zwei Möglichkeiten haben: Entweder sie kontrollieren alles oder sie vertrauen ihren Mitarbeitern, dass sie sich richtig verhalten werden. Eine Entscheidung für letzteres würde sich in Geld und Zufriedenheit auszahlen. Zwar könne Vertrauen mißbraucht werden, aber langfristig erzeuge Vertrauen neues Vertrauen. Der Arbeitgeber brauche am Anfang sicher Geduld. Und: Vertrauen dürfe auch nicht mit blindem Vertrauen verwechselt werden. Dazu Psychologe Groß: „Blindes Vertrauen heißt: Ich will gar nicht wissen, was passiert. Richtig ist es, den Leuten zu signalisieren: Ich lasse sie ­machen, aber ich gebe ihnen das Gefühl, dass sie nicht allein sind. Sie dürfen zu mir kommen, wenn sie Fehler machen. Fehler gehören dazu, daraus lernt man.“

Vertrauen zahle sich letztlich auch in Geld aus: So mussten Mitarbeiter bei der Lufthansa, bei der Groß früher einmal beschäftigt war, alle Büromaterialien beim Chef beantragen und in einer Warenausgabe abholen. Grund: Der Arbeitgeber hatte Angst, dass geklaut wird. Schließlich gab die Fluggesellschaft die Artikel frei, was zu einem geringeren Verbrauch, aber auch weniger Verwaltungskosten und einem verbesserten Arbeitsklima geführt habe. „Kleine Veränderungen können viel bringen„, so Groß.

Den absolut diebstahlsfreien Betrieb wird man damit sicher nicht schaffen können. Aber das Beispiel Lufthansa zeigt, dass Unternehmen mit einer entsprechenden Vertrauenskultur, unterm Strich viel Positives bewirken können, und zwar nicht zuletzt für sich selbst und für die Stärkung des eigenen Images. Die im ersten Absatz genannten Firmen haben sicher noch länger damit zu kämpfen, dass man ihren Namen in der Öffentlichkeit vor allem mit Mitarbeiterbespitzelung assoziiert.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 13. Januar 2010 um 14:42 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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