von Peter am 20.12.2010, 15:07 Uhr , Kategorie: Allgemein

Im Juli 2009 berichtete der Betriebsrat Blog über schwere Vorwürfe, die von der Gewerkschaft ver.di gegenüber dem vor allem in Süddeutschland aktiven Möbelhändler XXXLutz erhoben wurden: Von zahlreichen zum Teil massiven Arbeitszeitverletzungen war da die Rede und von einem ziemlich rüden Umgang mit den eigenen Mitarbeitern. Nun gerät das Unternehmen kurz vor Weihnachten erneut in heftige Kritik. Nach einem Bericht von Spiegel Online werfen Betriebsräte und ver.di dem Konzern sog. „Scheckbuch-Mitbestimmung“ vor. Besonders kritische Arbeitnehmervertreter sollen mit Geld mundtot gemacht worden sein.

Geschildert wird dies am Beispiel von Michael Voss, einem Betriebsrat in der Passauer Niederlassung von XXXLutz. Der Kollege habe sich während einer Betriebsversammlung im Oktober 2008 mit dem damaligen Geschäftsführer der Filiale angelegt. Der Grund: Verwendung falscher Zahlen. Als Mitglied des Wirtschauftsausschusses habe er die richtigen Zahlen gekannt und die Aussage des Geschäftsführers „vor laufender Kamera“ korrigiert. Daraufhin soll es zu einem Eklat gekommen sein. Der Geschäftsführer sei kurz nach der Versammlung zu Voss gekommen und habe ihm 60.000 Euro angeboten. Bedingung: Er müsse das Unternehmen sofort verlassen.

ver.di-Sekretär Dirk Nagel kennt noch andere Geschichten. Spiegel Online gegenüber berichtete er, dass es zahlreiche Fälle gegeben haben soll, bei denen XXXLutz bestimmte Betriebsräte mit Abfindungen „herauskaufen“ wollte. In Passau und in Regenburg seien da sechsstellige Summen im Spiel gewesen, einer Teilzeitbeschäftigten sollen einmal 85.000 Euro Abfindung angeboten worden sein.

Die Geschäftsleitung von XXXLutz nennt die Vorwürfe der Gewerkschaft „haltlos“, äußert sich aber nicht weiter. Wir fragen uns: Warum werden gerade bei diesem Unternehmen immer wieder solch belastende Vorwürfe erhoben? In der Imagebroschüre (Download pdf-Datei, ca. 3 MB) von XXXLutz heisst es auf Seite 16 vielversprechend: „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein.“ Und weiter: Die menschliche Komponente sei die Basis des Erfolgs. Die Firma habe es sich zur Aufgabe gemacht, allen Mitarbeitern ein verantwortungsvoller Partner zu sein.“

Dagegen steht jedoch: Die eingangs erwähnten Arbeitszeitverletzungen konnten vom Konzern nicht widerlegt werden. Ein vom Gewerbeaufsichtsamt verhängtes Bußgeld soll mittlerweile bezahlt worden sein. Die nun neu erhobenen Vorwürfe sind in ihrer Wucht nicht minder schwer, ja eigentlich sind sie noch heftiger! XXXLutz sollte alles daran setzen, diese zu entkräften. 17.700 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern bereits. Das ist eine gewaltige Menge Verantwortung für jemanden, der sich als Partner der Mitarbeiter sieht.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 20. Dezember 2010 um 15:07 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Das wundert mich nicht,

    ist es doch u.a. auch Gang und Gäbe Auszubildende oder Praktikanten auszunützen und Ihnen dann keine Stelle bzw. keinen Ausbildungsplatz zu geben, obwohl man es Ihnen versprochen hat.

    Wer als Arbeitgeber an der „Geld-Macht“ ist, hat das Sagen, alle anderen müssen kuschen.

    Das man dabei die Betriebsräte auf seine Seite ziehen möchte, oder im Notfall einiges zu vertuschen versucht – was solls.

    Aber ich frage mich, warum man sich gerade in bei Arbeitzeitverstößen nicht an das Gewerbeaufsichtsamt wendet – das geht auch annonym – bei Verwendung der vollen Arbeitgeber-Anschrift!

    Kommentar von: Karl – am 04. Januar 2011 um 12:16

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