Tabletten, PillenMehrarbeit, Überstunden und eine Produktion, die auf vollen Touren lief. Dennoch: Nichts scheint bei Salutas Pharma in Stuttgart-Gerlingen mehr zu helfen. Eigentlich sollte im Herbst das 40jährige Standortjubiläum gefeiert werden. Doch vor einer Woche dann die Nachricht von oben, die die Beschäftigten wie ein Blitz traf: Der Betrieb wird geschlossen, er wird ins Ausland verlagert. Der Grund dafür: Mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Knapp 300 Mitarbeiter verpacken für das Tochterunternehmen des Pharma-Giganten Sandoz/Hexal „feste Darreichungsformen“ von Arzneimitteln, also Pillen, Kapseln und Tabletten. Man labelt und etikettiert. Das ist in der Branche eine ziemlich wichtige Arbeit. Für jedes Land, in das exportiert wird, gelten andere Vorschriften. Da muss genauestens aufgepasst werden, um Verstöße gegen nationales und anderes Recht zu vermeiden. In Gerlingen wird mit Generika gearbeitet, also mit Nachahmerprodukten regulärer Arzneimittel. Weil die Kostenvorgaben im Gesundheitswesen in Deutschland und in anderen europäischen Ländern unter massivem Preisdruck sind, scheint die Rentabilität des Werkes dramatisch gesunken zu sein.

Und das, obwohl die Mitarbeiter nach Angaben der Betriebsratsvorsitzenden Gabriele Eisinger alles getan haben, um eine Schließung zu vermeiden. Um bis zu 50 Prozent sei die Produktion zuletzt gesteigert worden. Nach Angaben des Fachmagazins apotheke adhoc habe es im März sogar noch eine Bonuszahlung gegeben.

Der Betriebsrat versucht, die drohende Schließung des Standortes in Gerlingen bei Stuttgart abzuwenden und sucht nun selbst nach einem Investor für das Generika-Werk.

Warum dann Standortschließung? Die Verpackung soll nach Polen und Slowenien verlagert werden. Dort könne man billiger arbeiten. Betriebsrätin Eisinger ist enttäuscht: Massive Überstunden wurden geleistet, die Mitarbeiter hätten regelrecht Feuerwehr gespielt, da ein Großauftrag angekündigt wurde. Man sei zu Einbußen hinsichtlich Lohn und Arbeitszeit bereit gewesen. Die wollten hier mit voller Kraft ihr Unternehmen und ihre Arbeitsplätze retten und hätten wahrscheinlich fast alles dafür getan. Umsonst. Besonders verärgert ist Eisinger, dass von Seiten der Geschäftsführung nichts getan wurde, um einen möglichen Käufer für den Standort zu finden. Vor drei Jahren habe man das schon mal erfolglos versucht, nun aber offenbar gleich ganz darauf verzichtet.

Der Betriebsrat gibt nicht auf und kämpft um den Betrieb. Deshalb sucht er selbst nach einen Investor. Er übernimmt den Job der Geschäftsleitung. Dennoch: Obwohl man gute Kontakte zu Wirtschaft und Politik habe, wird die Hoffnung nicht zu hoch aufgehängt. Deshalb wird parallel auch schon der Sozialplan vorbereitet.

In Krisensituationen ist konsequentes Handeln angesagt. Wer weiß schon, ob man sich auf die Geschäftsleitung verlassen kann? Betriebsräte können das Heft in die Hand nehmen. Das nötige Know-how dazu gibt es – auch kurzfristig und immer sehr individuell – auf Seminaren, die speziell auf Betriebsräte in schwierigen Situationen abgestimmt sind. Mehr Infos dazu hier.

Quelle: apotheke adhoc / Stuttgarter Nachrichten / focus.de – Bildquelle: © lohner63 – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 27. Mai 2015 um 16:50 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Hallo zusammen,
    gut zusammengefasst – danke für die Berichtserstattung über uns.
    Drückt uns die Daumen
    Herzliche Grüße
    Gaby / BR-Vors.

    Kommentar von: Gaby Eisinger – am 05. Juni 2015 um 09:16

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