von Peter am 20.02.2014, 17:15 Uhr , Kategorie: Allgemein

Kennen Sie Stromberg? Na klar, fast jeder hat ihn schon mal in der gleichnamigen Fernsehserie gesehen. Dann wissen Sie vielleicht auch, wie sich Stromberg selbst findet. Ziemlich super, so mein Eindruck. Man kann es kaum fassen, wenn man ihm zuschaut, wie er in der Serie mit seinen Mitarbeitern umgeht (hier eine Kostprobe im Video). Nur: Das ist Fiktion. Wir lachen darüber. Denn Bernd Stromberg erscheint wie ein Ventil für unsere eigenen Sorgen. Weil es in der Realität anders aussieht. Oder was denken Sie, wie sich Ihr Chef ganz persönlich einschätzt? Ob er sich für eine gute Führungskraft hält? Wahrscheinlich schon, oder?

Nun, da ist er keine Ausnahme. Denn satte 95 Prozent der Führungskräfte in diesem Land finden sich selbst ziemlich cool. Oder anders ausgedrückt: In einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa für das „Handelsblatt“ gaben nahezu alle Befragten an, dass sie sich für eine gute und bei den Mitarbeitern akzeptierte Führungskraft hielten. Wie passt das zusammen mit dem Eindruck, dass viele persönlich oft niemanden zu kennen glauben, der von sich behauptet, einen tollen Chef zu haben. Warum weichen die Wahrnehmungen so krass voneinander ab?

Auch das Folgende kommt aus einer Umfrage: 85 Prozent der Arbeitnehmer sind in ihrem Job unzufrieden, so das Meinungsforschungsinstitut Gallup. Jeder vierte Mitarbeiter habe „innerlich gekündigt“. Dienst werde nur noch nach Vorschrift gemacht. Die daraus resultierende Unproduktivität ist in Zahlen fast gar nicht mehr  zu erfassen: 138 Milliarden Euro pro Jahr, so Gallup. Nach was bemisst sich so ein Wert? Wer errechnet ihn?

Und noch was: Die Ruhr-Uni Bochum hat vor ein paar Jahren Arbeitnehmer befragt, die von sich aus gekündigt haben. Was denn deren Prio 1-Kündigungsgrund gewesen sei? Die häufigste Antwort? Sie ahnen es: Der Chef.

Was passt da nicht? Schließen sich Chefsein und beliebt oder akzeptiert sein gegenseitig aus? Ist es am Ende so ein Kulturding nach dem Motto „Chef gut finden“ geht gar nicht. Oder ist alles nur medial aufgebläht? Stellen Sie sich vor, man würde Arbeitnehmer befragen, wie sich selbst einschätzen: Ich bin mir sicher, das Ergebnis wäre wenig überraschend. Es dürfte ebenfalls in die Richtung einer allumfassenden Zustimmung gehen. Ganz ehrlich: Ich wäre bei denen dabei. Und umgekehrt: Glauben Sie, dass Chefs ihre Untergebenen alle für supertoll halten? Sicher nicht, oder? Aber moment …. in besagter Forsa-Umfrage hat eine Mehrheit der Vorgesetzten auch angegeben, dass sie ihre Mitarbeiter für fleißig und pflichtbewusst  halten würden. Also wirklich, es ist schon ein Kreuz mit diesen vielen Umfragen.

Die Stimmung in der Arbeitswelt ist angespannt. Da gibt es regelmäßig Meldungen über die deutsche Wirtschaft, wie sie Rekorde um Rekorde bricht. Und dann auch immer wieder Kündigungen und Massenentlassungen. Ein ständig proklamierter Fachkräftemangel einerseits, immer schlechter bezahlte Jobs andererseits.

Und es gibt Manager, die über ihre Mitarbeiter gerne als „Humankapital“ schwafeln. Manchmal kommt es mir vor, dass auf dieser Metabene hoch über uns die menschliche Wertschätzung ein Stück weit verloren gegangen ist. Vielleicht nur eine falsche Wahrnehmung, angesagter Kulturpessimismus. Dennoch: Was auf keinen Fall schaden würde wäre mehr Realismus, viel mehr Kommunikation und Toleranz wo es geht. All das auf beiden Seiten. So ließe sich manches stimmungsmäßig wieder etwas aufdimmen.

Wie schaut es bei Ihnen aus? Haben Sie als Betriebsrat mit schwierigen Chefs und einer schlechten Führungskultur zu kämpfen? Wertvolle und sehr gut umsetzbare Tipps, was Sie aktiv für eine Verbesserung der Zusammenarbeit in Ihrem Betrieb tun können, erhalten Sie auf diesem Seminar.

[NACHTRAG 21.2.: „Auch leere Dosen machen Lärm“ – Stromberg und seine Einstellung zum Betriebsrat (Video)]

Bildquelle: © Steve Debenport – iStockphoto



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 20. Februar 2014 um 17:15 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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