von Thomas am 26.02.2009, 08:45 Uhr , Kategorie: Allgemein

In Deutschland haben ca. 50% der Arbeitnehmer einen Betriebsrat. Die andere Hälfte der Arbeitnehmer hat keine gewählte Interessenvertretung.
Soziologen der TU München haben in einer von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Studie untersucht, warum es so viele Unternehmen ohne betriebliche Mitbestimmung gibt und wie in diesen Unternehmen Management und Beschäftigte miteinander umgehen.

Auffällig ist, dass es vier verschiedene Arten von Betrieben ohne Betriebsrat gibt:

1. Die prekäre Dienstleistung
Ausgerechnet in dem Bereich (Discounter, Wachdienste, Gebäudereinigung und Gastgewerbe), in dem eine effektive Interessenvertretung besonders nötig wäre, existieren nur in Ausnahmefällen Betriebsräte. Das ist meist von den Arbeitgebern so gewünscht. Bereits die Organisation des Unternehmens soll eine gemeinsame Interessenartikulation der Belegschaft behindern, so die Forscher. Selbst bei Großkonzernen, existiert in den Filialen eine kleinbetriebliche Sozialstruktur, in der jeder jeden kennt und Konflikte schnell zu persönlichen Auseinandersetzungen führen. Um die Arbeitszeit mit Familienzeiten in Einklang zu bringen, brauchen gerade Teilzeitkräfte und Minijobber ein gutes Verhältnis zum Chef. Bei solchen Abhängigkeiten lassen es die Beschäftigten oft lieber nicht auf einen Streit über Arbeitnehmerrechte ankommen.

2. Das patriarchalische Familienunternehmen:
Hier ist die Gunst des Chefs oft wichtiger ist als eine objektive Leistungsbewertung. Die Beschäftigten der untersuchten Unternehmen akzeptierten die Strukturen, solange sie glauben, davon zu profitieren. Den Tabubruch, einen Betriebsrat zu gründen, begeht man in solchen Unternehmen nur, wenn viel zu gewinnen oder zu verlieren ist.

3. Die EDV-Branche:
In diesen Betrieben lehnt das Management oft einen Betriebsrat ab. Auch auf Tarifverträge wird seltenst Bezug genommen. Zudem ist die Bereitschaft zu Gremienarbeit laut Forschern bei Arbeitnehmern dieser Branche gering. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Beschäftigten sind zum einen stark auf die eigene Arbeit fixiert und zum anderen verändert sich in der IT-Branche das spezifische Wissen stetig. Eine Auszeit für Gremienarbeit würden daher viele als Karriererisiko wahrnehmen.

4. Die hochspezialisierte Industrie:
Diese Betriebe sind häufig in ländlichen Gebieten angesiedelt und haben oft kaum mehr als 100 Beschäftigte. Diese sind überwiegend gut qualifizierte männliche Facharbeiter. Das Geschäftsmodell besteht darin, hohe Qualität zu entsprechenden Preisen zu liefern, und das möglichst flexibel. Laut den Soziologen der TU München wird hier Anerkennung gegen Flexibilität getauscht und Vertrauen gegen Loyalität. Die Arbeitgeberseite versucht hier nicht einen Betriebsrat mit allen (auch unerlaubten) Mitteln zu verhindern, sondern bietet den Beschäftigten stattdessen andere, informellere Formen der Interessenvertretung an.

Thomas



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