Letzte Woche war im Betriebsrats Blog ein TV-Tipp zu lesen: Die KiK-Story. Eine hochinteressante Reportage, die sich mit der Ausbeutung von KiK-Arbeitnehmern in Deutschland und vor allem mit den skandalösen Bedingungen in den Produktionsstätten in Bangladesh beschäftigte.

Heute morgen stand in der Tageszeitung  Die Welt eine interessante Pro-Contra-Debatte genau zu diesem Thema: „Soll man Billig-Kleidung“ boykottieren?“

Für einen Boykott spricht ganz klar unsere Ethik und Moral: Es ist nur schwer mit dem eigenen Gewissen zu vereinbaren, dass man (billige) Kleidung trägt, die unter menschenverachtenden Bedingungen geschaffen wurde. Als Ausweg schlägt die Autorin vor, dass ähnlich wie in der Kaffeeindustrie ein faires Handelssystem geschaffen werden sollte. Die Kleidung wird dann zwar teurer, aber dafür kann der Kunde sie auch ruhigen Gewissens kaufen, ohne Menschenausbeutung indirekt unterstützt zu haben.

Der Contra-Autor nennt die skandalösen Arbeitsbedingungen ebenso beim Namen. Er macht aber auch deutlich, dass ein faires Handelssystem keinen Ausweg bietet. Er verweist vielmehr auf einen Blick in die Wirtschaftsgeschichte: Auch Japan, Südkorea und Singapur waren einmal absolute Billiglohnländer. Erst durch diesen Prozess hindurch sind sie zu Wirtschaftsmächten geworden. Und selbst in Deutschland wurden vor Generationen Kleidungsstücke unter ausbeuterischen Bedingungen produziert. Das Stichwort heißt „Industrialisierung“. Und weiter: „Niemand kann von einer Agrargesellschaft in eine Wissensgesellschaft springen ohne diesen schwierigen Zwischenschritt getan zu haben“. Das Problem werde sich also im Laufe der Zeit von selbst lösen.

Auch diese These mag nicht unbedingt befriedigen.



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 12. August 2010 um 08:33 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein, Arbeitsmarkt, Lohn und Gehalt, Mindestlohn abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Es wäre einmal an der Zeit, wissenschaftlich zu untersuchen, dass Fair Trade zu Stagnation führt. Es gibt erheblichen Anlass, daran zu zweifeln.

    Zitat1: „Das klingt gut, hat aber den Nachteil, dass die Informationen, die der Markt gibt, abgeschaltet werden.“ Der Markt gibt nicht durchweg korrekte Informationen, er gibt sie auch nicht gleichzeitig an alle gleichermaßen, und die Akteure hören auch nicht zwangsläufig auf diese Informationen, wie man am massenhaften Kauf toxischer Wertpapiere sehen konnte.
    Letztlich beruht die Argumentation des Autors auf einer Marktgläubigkeit, die schon immer falsch war und mit der derzeitigen Krise von Ökonomie und Ökologie auch dem letzten Verfechter des Liberalismus abhanden gekommen sein sollte.

    Zitat2:“Wer einen guten Fair-Trade-Vertrag in der Tasche hat, muss nicht mehr drauf achten, was die Kunden wünschen. Wie einst die Fabriken in der DDR, die auch alles loswurden, was sie herstellten – so lange, bis die Menschen die Wahl hatten.“
    Der erste Teil des Satzes stimmt insofern nicht, als das sich Wettbewerb und fairer Handel keineswegs gegenseitig ausschließen. FairTrade-Firmen konkurrieren eben auch untereinander. Dass die Springer-Presse auch hier gleich wieder die Sozialismus-Keule herausholt, überrascht dann auch nicht mehr.

    Kommentar von: schroeder – am 12. August 2010 um 10:21

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