von Peter am 19.03.2010, 13:38 Uhr , Kategorie: Allgemein

Unter Organizing versteht man eine relativ neue Form von beteiligungsorientierter Gewerkschaftsarbeit, die durch ein kampagnenartiges Vorgehen geprägt ist und das Ziel anstrebt, neue Mitglieder zu werben, Mitarbeitervertretungen in bisher betriebsratsfreien Unternehmen zu installieren sowie neue Tarifverträge abzuschließen. Organizing stammt aus den USA und aus Großbritannien. Dort gelang es den Gewerkschaften, vor allem im Dienstleistungssektor, unter schwierigen Bedingungen erfolgreich neue Mitglieder anzuwerben. In Deutschland haben die Gewerkschaften seit 2005 erste Organizing-Kampagnen unternommen. Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di konnte dabei zum Beispiel in Hamburg hunderte neuer Mitglieder im Sicherheitsgewerbe gewinnen. 2007 startete eine erfolgreiche Kampagne in zwei Lagern eines großen Versandhändlers, bei der es gelang, einerseits einen Arbeitskampf zu führen und andererseits den Organisationsgrad der dort beschäftigten rund 4.000 Mitarbeiter um 50 Prozent zu steigern. Zuletzt standen Organizing-Kampagnen bei Lidl und Schlecker im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Den Ablauf einer solchen Organizing-Kampagne beschreibt Agnes Schreieder, Gewerkschaftssekretärin bei ver.di in ihrer Broschüre „Organizing – Gewerkschaft als soziale Bewegung“ am Beispiel ihrer Erfahrungen in den USA: Ausgangspunkt seien immer inakzeptable und ungerechte Verhältnisse am Arbeitsplatz. Die Kampagne startet mit der Auswahl eines Unternehmens, über das eine genaue Recherche durchgeführt wird. Es erfolgt eine Stichprobe bei den Beschäftigten vor Ort: Wollen diese sich überhaupt gewerkschaftlich organisieren? Und: Welche Themen betrachten die Mitarbeiter für sich als besonders wichtig? Nachdem die Gewerkschaft die Ressourcen für die Kampagne ermittelt und bereitgestellt hat, werden die Kontakte zu den Beschäftigten vor Ort aufgebaut. Im sog. „Blitz-Step“ wird die Kampagne dann medienwirksam öffentlich gemacht. Anschließend bildet sich in der Belegschaft das zentrale „Organizing-Komitee“. Dieses mobilisiert den Rest der Beschäftigten und startet den eigentlichen Konflikt mit dem Arbeitgeber. Der durch die Kampagne entstandene Druck soll den Arbeitgeber dazu bringen, die federführende Gewerkschaft anzuerkennen, was wiederum Voraussetzung für die Aufnahme von Tarifverhandlungen darstellt. Ein Tarifabschluss beendet im günstigsten Fall die Kampagne.

Weitere Infos zum Thema Organizing:

Themen-Webseite von ver.di

Agnes Schreieder: „Organizing – Gewerkschaft als soziale Bewegung“ (pdf-Datei)

Juri Hälker: „Mitgliederwerbung und Aktivierung“ (pdf-Datei)

Franz Kersjes: „Organizing: Ein Zukunftsmodell“ (pdf-Datei)

Peter



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