PartyBeim Restaurant „Papa Joes“ in Basel handelt es sich um eines dieser Etablissements, wo sich meist jüngeres Volk gerne zum Junggesellinenabschied oder zum Polterabend trifft. Es gibt dort Burger und viele Cocktails und entsprechend lustig und laut geht es zu. Eine dieser Partylocations, die es in jeder größeren Stadt gibt.

Die Stimmung kocht hier regelmäßig über, wenn sich die weiblichen Gäste ein delikates Dessert der ganz besonderen Art bestellen: Eine aufrecht auf dem Teller stehende Banane. Garniert man diese mit zwei Eiskugeln am Schaft und etwas Sahne an der Spitze, dann erinnert das Ganze frappierend an …. na an was wohl? Da könnte man dann langsam und genußvoll reinbeißen oder einfach nur dran lutschen, der Phantasie sind nur wenig Grenzen gesetzt. Wer’s mag.

Eine verhaltensbedingte Kündigung wegen außerdienstlichem Verhalten ist grundsätzlich nicht möglich und kommt nur bei schweren Fällen in Betracht.

Die Stationsleiterin eines Basler Altenpflegeheims wählte genau jenes „Papa Joes“ für den Betriebsausflug aus. Wie die Basler Zeitung berichtet, hatten alle ziemlich viel Spaß. Wahrscheinlich gab es auch zu trinken. Irgendwann kam besagte Phallus-Banane ins Spiel. Die Chefin biss hinein, es wurde gelacht, rumfotografiert, alles war lustig, harmlos.

Bis zum nächsten Tag. Das Unheil zog im Morgengrauen auf. Bereits um vier Uhr früh verlangte die Leiterin der Station per SMS die Löschung aller gemachten Fotos. Und wieder zurück auf der Station schoß sie dann richtig scharf: Fristlose Kündigung gegen die vier am Vorabend anwesenden Pflegerinnen. Begründung: Sie fühle sich durch die Geschichte mit der Banane von ihren Mitarbeiterinnen vorgeführt und sei sexuell belästigt!

Wie krass ist das denn? Erst selber die Partylocation auswählen, dann bei den Späßen volles Rohr mit dabei, bei ziemlich harmlosen Späßen wohlgemerkt, bei Späßen, denen man sich gerade als Chefin noch leicht entziehen könnte, und danach die volle Arbeitgeberbreitseite mit fristlosen Kündigungen. Dennoch kam es zu keinen juristischen Verfahren. Das Pflegeheim einigte sich mit allen Betroffenen außergerichtlich. Keine der beim Partyspass anwesenden Pflegerinnen arbeitet heute noch dort.

Ja ja, die Schweizer! Wie würde so eine Sache eigentlich in Deutschland ausgehen? Zuerst müsste man schauen, ob der offizielle Teil des Betriebsausflugs schon beendet war, denn grundsätzlich gilt, dass außerdienstliches Verhalten erst mal keine Kündigung rechtfertigen kann. Es gibt Ausnahmen, das Begehen gewisser Straftaten zum Beispiel. Ansonsten käme nur eine verhaltensbedingte Kündigung in Betracht. Dafür müsste eine Pflichtverletzung vorliegen. Zu denken wäre an eine Störung im Vertrauensbereich oder an die Verletzung einer arbeitsvertraglichen Nebenpflicht. Läge hier tatsächlich eine sexuelle Belästigung vor, was aufgrund der Geschehnisse (Chefin – vier weibliche Mitarbeiter!) ziemlich abwegig erscheint, könnte man das erwägen. Und ob das Vertrauensverhältnis zwischen Chefin und Pflegerinnen dadurch unwiderruflich zerstört wurde, lässt sich von hier nicht beurteilen, ist aber ebenfalls kaum vorstellbar. Eine Interessenabwägung müsste ebenfalls statt finden. Und dann wäre da immer noch Raum für eine Abmahnung. Wenn überhaupt…

Was für eine beknackte Geschichte. Wieder mal propagieren wir die Einführung eines Vorgesetzten-Führerscheins in „sozialer Kompetenz“. Wie viel Unheil würde der Arbeitswelt dadurch wohl erspart bleiben.

Quelle: Basler Zeitung  – Bildquelle: © Kzenon – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 23. Juni 2015 um 18:28 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Der Justillon (http://justillon.de/2015/06/sexuelle-belaestigung-mit-bananensplit-fuehrt-zur-kuendigung/) ist da etwas detaillierter: nicht sie kündigte, sondern der Chef; die Stationsleiterin ist hin- und hergerissen; es wurde eine ordentliche Kündigung mit Entschädigung.

    Immer noch komisch, aber etwas verständlicher.

    Kommentar von: etg – am 24. Juni 2015 um 11:24

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