Werkverträge können eine feine Sache sein! Will ich, dass jemand was für mich tut, brauch ich ihn schließlich nicht gleich als Arbeitnehmer einstellen. Den Schreiner beauftrage ich, mir einen schönen Tisch zu machen. Der Gärtner pflanzt mir eine neue Hecke in den Garten. Wir vereinbaren dann für ein solches „Werk“, wie es juristisch heißt, einen Preis und wer dann letztlich wieviel pro Stunde verdient oder wie lange es insgesamt dauert, betrifft mich nicht mehr. Der Auftragnehmer kann am besten kalkulieren und ein entsprechendes Angebot machen. Ist mir das nicht attraktiv genug, verhandle ich nach oder wende mich an jemand anders. So funktionieren Werkverträge.

So weit so gut. Kritisch wird es aber, wenn Betriebe Werkverträge gezielt dazu einsetzen, um Lohnkosten zu drücken. Wie sieht sowas aus? Dazu ein kurzes Beispiel: Auf einem Schlachthof müssen täglich Rinder zerlegt werden. Anstatt nun Arbeitnehmer wie üblich mit einem ganz normalen Arbeitsvertrag einzustellen („40 Stunden die Woche, 2.000 Euro brutto im Monat“), werden diese nur auf Werkvertragsbasis tätig („5 Euro pro zerlegtes Rind“). Die Vorteile für den Arbeitgeber liegen auf der Hand: niedrigste Lohnkosten, keine Sozialabgaben, geringste rechtliche Bindung an die Beschäftigten. Die Nachteile für die Arbeiter sind enorm: Miserable Entlohnung und null sozialer Schutz. Ausführlichst wird das „System Werkvertrag“ in diesem Artikel der DGB-Gegenblende beschrieben bzw. auf diesem Seminar für Betriebsräte erklärt.

Nun soll sich hier per Gesetz endlich was ändern. Wie immer am Drücker: Andrea Nahles, die umtriebige Arbeits- und Sozialministerin. Noch nicht mal ein Jahr im Amt, bastelt sie nach ihren  erfolgreich umgesetzten Projekten Rentenpaket und Mindestlohn bereits am nächsten großen Ding: Der Einschränkung mißbräuchlicher Werkverträge im Arbeitsrecht. Basis ist der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD aus dem Jahr 2013. Dort heißt es: „Rechtswidrige Vertragskonstruktionen bei Werkverträgen zulasten von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern müssen verhindert werden.“ Andrea Nahles will dieses Vorhaben nun angehen und bis 2015 zum Abschluss bringen, so ein Sprecher des Ministeriums.

Das ist dringend nötig. Der missbräuchliche Einsatz von Werkverträgen ist für die unmittelbar Beteiligten pure Ausbeutung. Was manche übersehen: Zu Lasten der Stammbelegschaft geht das auch noch. Ihr Umfang verringert sich, der Druck auf die Arbeitsbedingungen nimmt unweigerlich zu. Und was zu allem Übel noch dazu kommt: Der Betriebsrat ist mitbestimmungslos. Mit Frau Nahles sollte sich das nun ändern.

Bildquelle: © Brasil2 – iStockphoto

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 23. Juli 2014 um 15:17 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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