von Peter am 29.11.2010, 16:08 Uhr , Kategorie: Allgemein

Und schon rollt der nächste Quatsch auf uns zu: „Zwangsfun“ im Büro! Bislang konnte man sich immer noch aussuchen, ob und wann man lustig sein will. Damit ist bald Schluss. Denn dann kommt der Kicher-Guru am Arbeitsplatz vorbei, ein Inder, der von Firmen für sog. Lachyoga-Einheiten gebucht werden kann. Möglicherweise steht auch auf einmal der neue „Chief Fun Officer“ in der Tür und nötigt Sie zum Schafe scheren! Wie bitte, Sie verstehen nur Bahnhof? Das macht nichts, denn darauf kommt es bei diesem neuen Höhepunkt der internationalen Arbeitsplatzbespaßung nicht an. Gleich vorweg: Sich gegen den neuesten Trend des „Bürozeitgeistes“ zu stellen, hat vermutlich nur wenig Chancen. Also fügen Sie sich besser in Ihr Schicksal! Dennoch: Was der ORF da anläßlich einer Reportage der britischen Wochenzeitschrift „Economist“ berichtet, das hat schon eine ziemlich bedenkliche Schräglage.

Los ging es wie immer in den USA. Dort sollen bestimmte Firmen ganz besonders um das Wohlergehen ihrer Mitarbeiter bedacht sein. Da wird dann schon mal für die besonders Aktiven eine Kletterwand im Foyer angeboten. Firmen wie Google und Twitter machen das seit einiger Zeit vor. Der Hintergrund: Die Gunst der Mitarbeiter soll gewonnen werden. Ein positives Image in der Belegschaft stärkt die Leistungsbereitschaft der Beschäftigten und steigert letztlich den Gewinn. Der kleine Mitarbeiter freut sich und will gar nicht mehr nach Hause, weil es in der Arbeit gar so schön und auch so wahnsinnig lustig ist. Eine kanadische Bank soll, ganz ernsthaft, bereits eine ganze Abteilung eingerichtet haben, die nur dazu da ist, sich zu kostümieren und die Mitarbeiter am Arbeitsplatz „zu überraschen und zu erfreuen“. Wahnsinn, oder?

Der Spaßkult verbreite sich „wie eine ekelhafte hämorrhagische Krankheit„, schreibt der „Economist“. Wir meinen: Solcher „Fun At Work“ ist Zwangsbespaßung der dämlichsten Sorte. Wir mögen Kolleginnen und Kollegen, mit denen wir herzlich lachen können. Und wir schätzen freundliche Vorgesetzte, denen wir vertrauen können und die es ehrlich mit uns meinen. Dann brauchen wir auch keine Anleitung zum Lustigsein. Denn: Stimmt die Stimmung, stimmt auch die Motivation! Meistens ist das so.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Montag, 29. November 2010 um 16:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Allgemein abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Hallo, es darf jetzt gelacht werden am Arbeitsplatz. Das ist ein Fortschritt. Bei uns wittert der Chef noch Drückebergerei, wenn jemand fröhlich und gut gelaunt ist.

    Kommentar von: Frank – am 06. Dezember 2010 um 16:39

  2. Das ist mal wieder typisch – wenn dem Management nichts mehr einfaellt wie es die Stimmung (== Leistung) im Betrieb verbessern kann, erfolgt anstelle des notwendigen, selbstkritischen Blicks in den Spiegel, der Anruf bei einem externen Berater. Und den Berater der das dem Management der „kanadischen Bank“ verkauft hat, den moechte ich mal kennenlernen.

    Kommentar von: Thomas – am 09. Dezember 2010 um 08:46

  3. schade, dass der bericht doch eher unreflektiert wiedergegeben wurde. sicher gibt es in usa/kanada/… diesbezüglich schwarze schafe. es ist halt nicht fair, wenn dann alles über einen kamm geschoren wird.
    ich nehme ausdrücklich das lachyoga aus der zwangsbespassung aus. beim lachyoga geht es vorrangig um gesundheitliche aspekte – nicht um den konsum von spaß, wie die anderen genannten beispiele zeigen.
    nicht umsonst bieten mittlerweile viele krankenhäuser, schulen, die deutsche krebshilfe, … regelmässige stunden für lachyoga an, der spass kommt dabei von alleine.
    vielleicht erstmal ausprobieren und die heilsame wirkung bei sich selbst spüren – dann nochmal einen kommentar abgeben.
    im internet finden sich viele professionelle seiten zum schmökern dazu.
    schöne weihnachten und einen guten rutsch.

    Kommentar von: anne – am 15. Dezember 2010 um 14:02

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