von Ines am 27.07.2015, 16:37 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

blaue Männchen stehen um einen Uhr herumErst kürzlich hat das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass das Betreuungsgeld unwirksam ist, da es in seiner bisherigen Form gegen das Grundgesetz verstößt. Die entsprechende Vorschrift wurde für nichtig erklärt. Neuanträge werden künftig nicht mehr berücksichtigt. Bestehende Bescheide sollen aber nicht geändert werden.

Damit könnte die Sache ja nun erledigt sein. Doch nein – jetzt beginnt der Streit ums Geld! Denn immerhin waren für das „Projekt Betreuungsgeld“ 2015 im Bundeshaushalt 900 Millionen Euro eingeplant. Was geschieht jetzt damit? Ein polarisierender Plan kommt von Familienministerin Manuela Schwesig: Sie will Kinderbetreuung rund um die Uhr und setzt sich für 24-Stunden-Kitas ein. Doch der Vorschlag ist umstritten. Kritiker befürchten, dass durch dieses Modell das Familienleben der Arbeit untergeordnet wird und die Kinder am Ende die Verlierer sind. Arbeitgeber-Präsident Dulger dagegen bestätigt laut FAZ  Schwesig in ihrem Ansatz. Er ist der Meinung, es sei „in Ordnung, wenn Du Dein Kind mal für 24 Stunden in einer Kita abgibst.“ Dulger beklagt ein „verkrampftes Familienbild“ und ist der Meinung, „wir müssen uns von erlernten Weltbildern verabschieden“.

Das Familienministerium plant, jetzt nicht nur dafür sorgen, dass es neue 24-Stunden-Kitas gibt, sie will auch die erheblich fördern, die Rund-um-die-Uhr-Betreuung bereits anbieten. Denn das Modell gibt es tatsächlich schon länger. Die erste Einrichtung öffnete vor sechs Jahren in Schwerin, berichtet unter anderen der Spiegel. Der Bedarf war so groß, dass 2014 die zweite folgte. Ein drittes Angebot für Schichtarbeiterfamilien ist geplant. Weniger erfolgreich war das Projekt an anderen Standorten: Wegen zu hoher Personalkosten und Mieten mussten einige wegen finanzieller Engpässe ihre Öffnungszeiten wieder reduzieren. Woanders wurde das Angebot von Familien gar nicht angenommen.

Für Arbeitnehmer in Deutschland, die ihr Geld am Wochenende, abends, in der Nacht oder im Schichtbetrieb verdienen, lohnt es sich, über eine Lösung wie diese nachzudenken. Immerhin ist das inzwischen jeder Vierte. Und: Das besondere Kita-Angebot ist nicht dafür da, dass Mama und Papa ihre Kinder abgeben, um ihr eigenes Freizeitprogramm ausschweifender gestalten zu können. In den meisten Einrichtungen müssen die Eltern jeden Monat einen Arbeitszeitnachweis vorlegen, damit kein Missbrauch möglich ist. Anderswo gibt es sogar „Stechuhren“ für die Junioren: Jedes Kind darf hier pro Werktag nur zehn Stunden eine Kita besuchen.

Bildquelle: © alexsl-istockphoto.de



Dieser Beitrag wurde am Montag, 27. Juli 2015 um 16:37 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Ich finde die Idee, bzw. die vorhandenen 24 Stunden-Betreuungen, im Grundgedanken eine toll. Aber seien wir mal ehrlich, liegt das Problem nicht ganz wo anders?

    Liegt es nicht eher daran, dass zu 85% beide Elternteile arbeiten gehen müssen, um sich ein Kind leisten zu können?

    Traurig aber wahr. Ich als Vater eines zweijährigen Kinds habe in den letzten Jahren erlebt welchen Gegenwind man erfährt, wenn man mal zu Hause bleiben muss, dass das Kindergeld lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein ist und meine Frau Probleme bei der Wiedereingliederung im Betrieb hat. Vom Krippen- bzw. Kindergartenplatz suchen mal abgesehen.

    Wir haben wenigstens den Vorteil, dass das Einkommen zum Leben ausreicht und wir dem Kind vieles bieten können. Wie das die unterbezahlten Zeitarbeitnehmer/innen und am Mindestlohn arbeitenden Menschen zahlen sollen – keine Ahnung.

    Kommentar von: ESPUNKTERPUNKT – am 28. Juli 2015 um 06:25

  2. Zitat:“… das beide Elternteile arbeite gehen MÜSSEN … „dass wir dem Kind etwas bieten können … “ Hm… Was nutzt es, wenn das Kind zu einer dritten Person mehr Vertrauen hat, als zu den eigenen Elten, die es kaum kennt ????? Mal abgesehen davon, sollte der übrig gebliebene Geldsegen den Kitas zu Gute kommen, denn da herrscht Mangel, oder warum die Streiks der letzten Wochen ?? Wie immer wird eine einfache Lösung nicht akzeptiert, alles aufgebauscht, unterm Teppich gekehrt, kaputt geredet und in 2 Jahren ist das Geld plötzlich futsch….Dann hat es sich von allein geregelt…

    Kommentar von: Novak – am 30. Juli 2015 um 15:30

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