von Thomas am 13.04.2010, 11:45 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Gleichberechtigung

Die Deutsche Einheit ist nun schon seit über 20 Jahren vollendet und trotzdem muss sich ein Arbeitsgericht mit Spätfolgen beschäftigen! Anscheinend sind wir Deutschen immer noch nicht so recht zusammengewachsen: Ansonsten würde es nicht zu solchen arbeitsrechtlichen Prozessen kommen:

Wie die Süddeutsche Zeitung letzten Freitag berichtete, hatte sich eine 49jährige Berlinerin in einem westdeutschen Unternehmen als Buchhalterin beworben. Allerdings nicht erfolgreich, denn sie erhielt die Bewerbungsunterlagen zurück. So weit nicht ungewöhnlich. Was den Fall aber interessant macht war der Umstand, dass der Arbeitgeber Kommentierungen auf den Bewerbungsunterlagen vorgenommen hatte. So standen handschriftliche Vermerke wie „Ossi“ und „DDR auf dem Lebenslauf. Das fand die Bewerberin natürlich nicht besonders witzig. Sie verklagte den Arbeitgeber auf Schadensersatz in Höhe von drei Monatsgehältern von je 1600,- € (§ 15 AGG). Die Ablehnung verbunden mit solchen Kommentaren stellt nach ihrer Meinung eine Diskriminierung auf Grund ihrer „ethnischen Herkunft dar. Der Gütetermin scheiterte.

Nun ist es am Arbeitsgericht zu prüfen, ob Ost- und Westdeutsche verschiedene Ethnien sind… Ich bin gespannt.

Thomas



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 13. April 2010 um 11:45 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Gleichberechtigung abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Die Stuttgarter Arbeitsrichter sind wahrlich nicht zu beneiden. Einerlei wie ihr Votum ausfällt, sie werden von der Journaille zerfleischt werden und die Konsumenten werden beifällig nicken.

    Entweder sie entscheiden dass „Ossie“ eine eigene Ethnie sind und es wird ein Aufschrei durch das Land gehen „Seht an! Sie ist also noch da die Mauer in den Köpfen die einen Keil zwischen Ost und West treibt, die verhindert dass zusammenwächst was zusammen gehört!“.

    Oder sie entscheiden dass Ossies keine eigene Ethnie sind (die sicherlich sachgerechtere Entscheidung) und es wird ein Aufschrei durch das Land gehen „Arbeitsgericht im Westen erlaubt die Herabwürdigung und Diskriminierung ostdeutscher Arbeitnehmer!“

    Wie wäre es doch schön gewesen wenn ein Mecklenburg-Vorpommernder Arbeitgeber eine Bewerbung mit dem Vermerk „- Wessie“ zurück geschickt hätte! Die Arbeitsrichter hätten nur richtig entscheiden können.

    Entweder hätten sie die (völlig unsinnige) Entscheidung getroffen, Wessies seien eine eigene Ethnie, das beifällige Murmeln „Wußten wir doch dass die Besserwessies uns immer noch nicht akzeptieren.“ wäre ihnen gewiss gewesen.

    Oder sie hätten die (sachgerechte) Entscheidung getroffen, dass Wessies keine eigene Ethnie sind und das Volk hätte beifällig gemurmelt „Wäre ja auch noch schöner wenn die Wessies auch noch dafür belohnt würden dass sie uns die Arbeitsplätze (nicht) wegnehmen!“

    Unter dem Strich: Ein höchst politischer Prozess dessen Wahrnehmeung gerade von dem viel beschworenen Ost/West Unterschied abhängt welchen es doch (denn darum geht es hier) gar nicht geben darf.

    Ich freue mich schon auf den Tag an dem eine abgelehnte Bewerberin ihre Unterlagen mit dem Vermerk „- Blondine“ zurück bekommt.

    Kommentar von: Timo Beil – am 13. April 2010 um 23:01

  2. Das Gericht könnte ja salomonisch entscheiden, dass eine Benachteiligung im Sinne des § 1 AGG vorliegt und zwar aus einem Grund, der nicht ausdrücklich genannt wird. Das Gericht könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass der § 1 keine abschließende, sondern eine beispielhafte Aufzählung ist. Und es eben auch eine Benachteiligung sein kann, wenn man abgelehnt wird, wenn man aus einer bestimmten Region des Landes kommt.

    Kommentar von: R. Tape – am 14. April 2010 um 07:26

  3. […] aktuellem Anlass: Eine Person wurde nicht eingestellt, weil diese „Ossi“ (handschriftlicher Vermerk des […]

    Pingback: Plagaismus, Teil I « Die kulturelle Praxis – am 29. Mai 2010 um 08:56

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