Bahnbrechende Erkenntnisse liefert dieser Tage das IZA Institut zur Zukunft der Arbeit, ein privates Wirtschaftsforschungsinstitut, das von der Deutschen Post AG finanziert wird. Forscher untersuchten, ob der Freundeskreises eines Arbeitslosen Einfluss auf den Erfolg bei seiner Jobsuche hat. Grundlage waren Daten einer Haushaltsbefragung in Großbritannien, bei der 3.000 Erwerbslose interviewt wurden. Das Ergebnis: Grundsätzlich habe jeder Fünfte, also 20%, innerhalb eines Jahres wieder einen neuen Job gefunden. Wenn jedoch die drei besten Freunde eines Arbeitslosen ebenfalls arbeitslos waren, lag die Erfolgsquote nur noch bei 10%. Und jetzt kommt’s: Verfügten die drei besten Freunde über einen Job, stieg die persönliche Erfolgsquote auf fast 30%!

Das Institut berechnet, dass sich die „Jobfindungsrate“ eines Arbeitslosen mit jedem zusätzlichen erwerbstätigen Freund um 3,7 Prozent verbessern würde! Wie aber kann man so etwas Haarsträubendes begründen? Ganz einfach, etwa so: Arbeitslose, deren beste Kumpel einen Job haben, würden sich wegen des sozialen Drucks automatisch intensiver um eine neue Arbeit bemühen. Auch scheint ihnen ihr eigenes Leben recht fad zu sein, so die Studie, weil sie immer alleine rumhängen müssen, während sich die anderen fröhlich auf der Maloche tummeln.

So einfach ist das! Es m üssen lediglich die richtigen Freunde ausgewählt werden und schon läuft’s wieder auf dem Arbeitsmarkt. Dumm nur, dass mit fortschreitender Arbeitslosigkeit auch die soziale Isolierung einsetzt. Diese führt dazu, dass der Freundeskreis automatisch immer kleiner wird. Freunde mit Job? Darüber können viele Arbeitslose und Hartz IV-Empfänger nur lachen. Freunde danach auswählen, ob sie einen Job haben oder nicht? Wem bitte fällt so ein Unsinn ein?

Pressemitteilung des IZA (pdf-Datei, 48 kb)

Peter



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 21. Oktober 2010 um 11:57 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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3 Comments »

  1. Mir ist zu dieser Pressemitteilung nur eingefallen, dass das Ergebnis vermutlich richtig ist, aber die Begründung falsch. Mir ist jedenfalls bekannt, dass Arbeitslose, die Freunde in Lohn und Brot haben, leichter an Jobs kommen. Einfach, weil diese Freunde über Bedarf in ihrer Firma Bescheid wissen und Jobs auf der persönlichen Ebene vermitteln können.

    Dabei darf man nicht vergessen, dass es in Großbrittanien bei vielen Jobs weniger auf die formale Ausbildung ankommt als auf die Bereitschaft, seine Arbeit zu erledigen und sich das nötige Rüstzeug während der Arbeit ( oder begleitend daheim) anzueignen. Davon gehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen aus. Freilich gilt das auch nur für Arbeitsplätze mit allgemeinerem, nicht hochspezialisiertem Profil.

    Hier ist das anders: Arbeitgeber und Arbeitnehmer gehen eher davon aus, dass für eine bestimmte Stelle eine bestimmte Ausbildung erforderlich wäre – was das Angebot, die Arbeitsvermittlung oder die Bereitschaft, sich auf eine nur annähernd verwandte Position zu bewerben, deutlich einschränkt.

    Kurz: Die Ergebnisse der Studie (nicht deren fragwürdige Begründung) sind auf deutsche Verhältnisse nur bedingt übertragbar, weil hier die Flexibilität, eine Stelle mit einer nicht exakt fachkundigen Person zu besetzen oder – auf Seiten des Arbeitnehmers – sich auf eine solche Stelle zu bewerben, nicht so groß ist.

    Kommentar von: Andreas – am 21. Oktober 2010 um 22:23

  2. Es verhält sich entsprechend der sozialen Ordnung naturgegeben nicht anders als im Unternehmensklima.

    Fast alle Unternehmen in Deutschland sind Familienunternehmen, die ausschließlich Mitglieder Ihrer Familie einstellen. Sogar öffentlich Bedienstete, geben Ihren Job an die Kinder weiter. Und damit ist die Integration von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt schon mehr als ausgelastet. Von sozialer Isolierung Betroffene, die auch meist keine Eltern oder Verwandte haben, sind nahezu verurteilt, den “Stillstand“ ihres Lebens in Isolierung zu erdulden. Ist die Wahl des Freundeskreises gar über die größe der Familie zu definieren?

    Wer schätzungsweise zwanzig Jahre am gleichen Ort wohnt, kann einen Freundeskreis aufbauen, das aber von der persönlichen Interessenlage abhängt. Jemand der kein Fußball mag, wird keine Freunde am Stadion finden, selbst wenn er gezwungen ist, aus finanziellen Gründen dort zu wohnen. Ausländer, die ihre eignen Familienunternehmen gründen, werden einfach in Statistiken mitgerechnet.

    Wer nicht zur Familie gehört, bleibt draußen…

    Aus diesem Grunde ist übrigens die Mafia in Sizilien entstanden. Aber das ist eine andere Geschichte.

    Kommentar von: avene – am 22. Oktober 2010 um 12:40

  3. Diese Untersuchung offenbart doch nichts Neues. Der Mensch wird durch sein Umfeld beeinflusst. Im Guten wie im Schlechten. Niemand bezweifelt doch ernsthaft, dass „schlechter Umgang“ zu „schlechtem Verhalten“ führt. Die als Gegenargument angeführte „soziale Isolation“ ist auch Teil dieses Zusammenhangs. (Sozialer) Druck führt immer zu Stress, dem man entweder mit Kampf (Intensivierung der Arbeitssuche, Bekämpfung einer Drogensucht, Gewichtsreduktion) oder Flucht begegnet. Es ist zwar nicht „einfach“ aber die Wahl der Freunde hilft tatsächlich bei der Erreichung von Lebenszielen. (Welcher Junkie pflegt denn nach der Entziehung noch Kontakt zu seinem Dealer?)

    Kommentar von: Docbike – am 22. Oktober 2010 um 13:13

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