befristeter ArbeitsvertragDie Süddeutsche Zeitung hat es heute ganz oben auf dem Titel: „Immer weniger Jobs werden befristet“. Zuerst Erstaunen, dann aber eine Nachfrage: Ist das tatsächlich eine bedeutungsvolle, weil an sich gute Nachricht? Oder will man ihr durch die Platzierung in der ersten Reihe eine solche Bedeutung erst verleihen? Was steckt dahinter?

Hintergrund sind neue Zahlen des Statistischen Bundesamtes, die zumindest wir online nicht entdeckt haben (für den Link wären wir dankbar). Über diese Zahlen wird heute ausführlich berichtet. Danach sei der Anteil der befristet Beschäftigten von 8,9 Prozent (2011) auf 8,1 Prozent (2014) zurückgegangen. Dies gelte für Arbeitnehmer ab 25 Jahren. Das ist ja ordentlich!

Arbeitsmarktexperten wie Karl Brenke vom DIW-Institut interpretieren dies mit dem Beschäftigungsboom auf dem deutschen Arbeitsmarkt. So viele Menschen wie nie zuvor seien in Lohn und Brot. 42,6 Millionen derzeit, die zumindst nach seiner Argumentation allein durch ihre schiere Masse automatisch eine verbesserte Verhandlungsposition im Job hätten. So könne man heute als Arbeitnehmer viel leichter als früher auf einen unbefristeten Vertrag pochen. Da sind wir beim Lesen das erste Mal unruhig geworden!

Die Süddeutsche Zeitung ist witzig: Einen Satz nach dem Zitat von Herrn Brenke weist sie darauf hin, viele Arbeitgeber würden befristete Verträge dennoch gerne nutzen, um „flexibel agieren“ zu können. Bei den Arbeitnehmern sei das jedoch „unbeliebt“. Ja was denn nun?

Hier möchten wir nun gerne eine etwas andere Interpretation der Zahlen ins Spiel bringen. Denn was wir auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes tatsächlich in Erfahrung bringen konnten, sind diese, etwas älteren Zahlen: Danach gab es 2013 im Bereich der abhängig Beschäftigten 24,063 Millionen sog. „Normal-Arbeitnehmer“. Von denen waren 2,524 Millionen befristet eingestellt. Hier sind jetzt auch die Unter-25-Jährigen miterfasst.

Das ist eine Quote von 10,5 Prozent, also schon etwas mehr als die heute veröffentlichte Zahl. Man kann sie nicht direkt miteinander vergleichen, da die Zahlen unterschiedliche Altersgruppen erfassen. Dennoch beschleicht einen irgendwie das Gefühl, dass hier im Bereich des Arbeitsmarktes – wieder mal – etwas geschönt werden soll. Bei den Arbeitslosenzahlen wird das schon seit vielen Jahren so gemacht, darüber haben wir schon vor längerem geschrieben. Das ist ein untragbarer Zustand, gegen den nichts unternommen wird.

Aber sinkt die Quote nun tatsächlich, werden es mittelfristig wirklich weniger Befristungen?

Ja, wenn man auf die heutigen Zahlen schaut. Nein, wenn man anderen Studien vertraut, etwa der zwar nicht mehr tagesaktuellen aber hochinteressanten Untersuchung der IG Metall (sog. „Jugendstudie“) von vor drei Jahren: Nach dieser arbeiteten satte 32 Prozent der „Unter 35-Jährigen“ befristet, auf Leiharbeitbasis oder in ABM-Maßnahmen. 32 Prozent ist jeder Dritte! Und dieser Wert war am Steigen, nicht am Sinken.

Wie gesagt: ein direkter Vergleich geht nicht. Aber es bildet sich ein anderer Eindruck. Und ein Verdacht. Denn was sollen die heutigen Meldungen eigentlich? Wir vermuten: Den Arbeitsmarkt schön reden, die reinen nackten Beschäftigungszahlen euphorisieren, also Quantität, nicht Qualität. Und natürlich potentielle Kritik am Arbeitsmarkt weiträumig fern halten. Damit alles super bleibt, zumindest nach außen.

Prekäre Beschäftigung und dazu zählt Befristung nun mal, ist bei den Jüngeren bis 35 Jahre gang und gäbe. Die finden das absolut nicht super und fühlen sich bei solchen Meldungen vermutlich ziemlich verladen.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Bildquelle: © seen – fotolia.de



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 06. August 2015 um 13:45 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Arbeitsvertrag abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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