von Peter am 27.03.2008, 16:54 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosenzahlen sinken und sinken immer mehr. Bestimmt wegen dem Wirtschaftsaufschwung? Na klar! Aber auch die Statistiker haben dazu das ihrige beigetragen. Denn wie diese Zahlen zum Teil zustande kommen, wurde hier ja bereits einmal erläutert. Das trübt den Eindruck natürlich ein wenig. Nun kommt eine weitere Komponente dazu, die ein interessantes, eher etwas düstereres Licht auf den Arbeitsmarkt wirft:

Industrie und Wirtschaft schreien aktuell mal wieder ganz laut, dass ihnen ganz viele Fachkräfte fehlen und auf dem Arbeitsmarkt gäbe es keine mehr. Deshalb mussten im Januar 2008 nach offiziellen Angaben auch 528.000 Stellen wieder unbesetzt bleiben. Vor allem nach Ingenieuren würde man händeringend suchen. Irgendwie ist das Thema aber nicht neu, oder?

Wie kommt es eigentlich, dass tatsächlich 30.000 Ingenieure arbeitslos gemeldet sind? Diese Zahl wirft Franziska Schreyer vom Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in die Diskussion.

Etliche Stellen würden sich durchaus besetzen lassen, wenn viele Betriebe nicht immer nur das Stellenprofil „jung, dynamisch, erfolgreich, männlich, 25 Jahre alt, aber mindestens 30 Jahre Berufserfahrung“ anlegen, sondern auch vermehrt wieder auf ältere, erfahrene und auch weibliche (!) Bewerber ihr Augenmerk richten würden. Von diesen gibt es nämlich reichlich. Da kann man schon ins Grübeln kommen. Wollen die das vielleicht gar nicht?

Und auch die Sache mit der Bezahlung ist scheinbar bei manchen Unternehmen immer noch nicht so richtig angekommen: Wer guten Nachwuchs im Betrieb haben möchte, der muss ihn auch angemessen bezahlen. Gute Arbeit, gutes Geld, ist doch ganz einfach. Oder versteh ich da schon wieder was falsch?

Kurios an der Sache: Viele junge gut Ausgebildete verlassen Jahr für Jahr unser Land, weil die Arbeitsbedingungen ihnen anderswo mehr zusagen. Und Deutschland sucht im Gegenzug ganz offiziell zum Beispiel über das Zuwanderungsgesetz oder die frühere „Green Card“ ausländische Spezialisten, die bei uns einen hochqualifizierten Job annehmen sollen. Letztes Jahr haben sich ganze 466 Personen aus dem Nicht-EU-Ausland für eine solche Arbeitserlaubnis beworben. Was genau passt hier nicht?

Fachkräfte also tatsächlich verzweifelt gesucht? Es kommt mir von Zeit zu Zeit so vor, wie wenn das einzige, was hierzulande wirklich verzweifelt gesucht wird, noch billigere Arbeitskräfte sind!

Peter



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