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Durststrecke in der deutschen Industrie: Der Anteil der Kurzarbeit ist deutlich gestiegen. Auf Betriebsräte kommen turbulente Zeiten zu.

Der Anteil der Kurzarbeit ist so hoch wie zuletzt auf dem Höhepunkt der Rezession 2012/13, berichtete gestern das ifo Institut. Das Arbeitsministerium plant mit einem neuen Gesetz, den Einsatz von Kurzarbeitergeld zu erleichtern.

Wie viele Unternehmen fahren derzeit Kurzarbeit?

Nach aktuellen Zahlen aus dem ifo Institut fuhren 5,5 % der Unternehmen im verarbeitenden Gewerbe im September Kurzarbeit. Mehr als 12 % der Firmen rechnen damit, dass sie in den nächsten Monaten Kurzarbeit anordnen werden.

Sieben Branchen besonders betroffen

Am stärksten betroffen von der Wirtschaftskrise ist derzeit die Textilindustrie; es folgen Unternehmen, die elektrische Ausrüstungen herstellen, Firmen in der Metallerzeugung und -bearbeitung sowie Herstellung von Metallerzeugnissen. Außerdem der Maschinenbau, die Branchen von Autos und Autoteilen sowie der Herstellung von Papier und Pappe.

Sorge vor einer Rezession

Aus Wirtschaftskreisen werden die Sorgen größer, dass wir in eine Rezession abgleiten. Es sind auch globale Probleme, die unserer Industrie derzeit das Leben schwer machen, zum Beispiel die Unsicherheiten um den Brexit, Handelskonflikte sowie eine abgekühlte Weltkonjunktur. All das schadet dem für die deutsche Industrie so wichtigen Auslandsgeschäft.

„Arbeit-von-morgen-Gesetz“

Für Ende Oktober hat Bundesarbeitsminister Hubertus Heil einen Gesetzentwurf angekündigt, um Arbeitnehmern in Krisenzeiten zu helfen. Das „Arbeit-von-morgen-Gesetz“ will den Zugang zu Kurzarbeitergeld erleichtern; außerdem solle Kurzarbeit möglichst mit Weiterbildung verbunden werden. Wie genau das Gesetz aussehen wird und ob Hubertus Heil es schafft, diese Pläne durchzuwinken, ist allerdings noch offen.

Betriebsräte, Zeit zum Handeln!

Darauf warten können Betriebsräte sowieso nicht. Sie müssen sofort auf die vielen Anzeichen der wirtschaftlichen Turbulenzen reagieren. Wenn es um das Thema Kurzarbeit geht, steht dem Betriebsrat ein umfassendes Mitbestimmungsrecht zur Seite, vgl. § 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG.

Aber das ist nicht alles. Wirtschaftskompetenz lautet das Zauberwort. Um mit dem Arbeitgeber diskutieren zu können, müssen Betriebsräte wirtschaftliche Zusammenhänge verstehen und die passenden Fachbegriffe beherrschen. Abwarten und Tee trinken geht nicht mehr!

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Unser neustes Seminar „Abschwung, Wirtschaftskrise, Rezession?“ beschäftigt sich damit, wie speziell der Wirtschaftsausschuss Warnzeichen im Betrieb frühzeitig erkennen kann und vorausschauend reagiert.



Dieser Beitrag wurde am Freitag, 27. September 2019 um 10:51 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Betriebsrat, Kurzarbeit, Wirtschaftskrise abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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