von Ines am 13.04.2017, 16:01 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Chef schreit per Megaphon kleinen Mitarbeiter an In Zeiten guter Wirtschaftslage und mangelnder Fachkräfte wird das Thema Mitarbeiterbindung bei vielen Arbeitgebern schon seit einiger Zeit groß geschrieben. Umso erstaunlicher, was das Beratungsunternehmen Gallup herausgefunden und im „Engagement Index 2016“ veröffentlicht hat. Nach der Untersuchung liegt trotz der Bemühungen der Unternehmen der Anteil der Mitarbeiter, die eine hohe emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber haben und infolgedessen mit „Hand, Herz und Verstand“ bei der Arbeit sind, lediglich bei 15 %. Ebenso viele Arbeitnehmer sollen innerlich bereits gekündigt haben. 70 % der Beschäftigten sind gefühlsmäßig nur gering gebunden und machen gerade einmal Dienst nach Vorschrift, so die Pressemitteilung des Unternehmens. Schuld daran soll in erster Linie das Führungsverhalten des direkten Vorgesetzten sein.

Eine große Herausforderung für die Unternehmen. Denn: In Sachen Führungsqualität liegen die Wünsche der Mitarbeiter und die Wirklichkeit in den Unternehmen weit auseinander. Insgesamt ist gerade einmal jeder fünfte Arbeitnehmer (21 %) durch seine Führungskraft, motiviert, hervorragende Arbeit zu leisten. Fast jeder fünfte Mitarbeiter (18 %) hat in den vergangenen zwölf Monaten wegen seines direkten Vorgesetzten daran gedacht zu kündigen – in der Gruppe derer, die bereits innerlich gekündigt haben, sogar fast jeder Zweite (45 %). Zwei von drei Arbeitnehmern (69 %) hatten laut eigener Aussage im Lauf ihres Arbeitslebens mindestens einmal einen schlechten Chef. Nach Gallup-Berechnungen kostet die innere Kündigung aufgrund schlechter Führung die deutsche Volkswirtschaft insgesamt bis zu 105 Milliarden Euro jährlich (Fehltage, mangelnde Produktivität, Fluktuation etc.).

Die Vorgesetzten selbst sind sich laut der Pressemitteilung ihrer Defizite nicht bewusst. 97 % halten sich selbst für einen guten Chef. 2016 haben lediglich 40 % der Führungskräfte eine Weiterbildung besucht haben, um den Umgang mit ihren Mitarbeitern zu verbessern.

Bildquelle: © ArtFamily, Adobe Stock



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 13. April 2017 um 16:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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5 Comments »

  1. … anscheinend sind ja alle befragten Fachleute gut. In der Realität ist es so, dass es einige starke Mitarbeiter gibt und viele schwache. Soll ich bei den Schwachen Intelligenz bestellen?

    Kommentar von: Klaus – am 13. April 2017 um 21:05

  2. Wurde die Umfrage auch bei Mitarbeitern von Dienstleistern gemacht? Insbesondere Callcenter Firmen und/oder deren Subunternehmern? Wäre interessant zu wissen, ob sich die Ergebnisse ändern…

    Kommentar von: Dirk – am 14. April 2017 um 15:29

  3. @ Klaus

    vielleicht fehlt bei den angesprochenen „Schwachen“ Mitarbeitern die Motivation des Vorgesetzten zur persönlichen Weiterentwicklung…

    Ich würde das nicht an der Intelligenz der Mitarbeiter festmachen.

    Kommentar von: Marita – am 18. April 2017 um 12:03

  4. @Klaus

    Sorry, wenn ich nur „schwache“ Mitarbeiter in meiner Abteilung habe, sollte ich mich als Chef fragen, ob ich vielleicht bei der Einstellung neuer Mitarbeiter auf die falschen Kriterien Wert lege! Wenn ein Mensch den für die Stelle geforderten Schul- oder Studienabschluss vorweisen kann, kann es doch an der Intelligenz schon mal nicht liegen.
    Oder ich muss überlegen, wie ich die Stärken jedes Mitarbeiters richtig nutze und fördere (kein Mensch hat nur Schwächen).
    Genau DAS ist ja die Aussage des Artikels, die Chefs müssen sich mehr mit ihren Mitarbeitern beschäftigen, sie fördern und nicht einfach jedem seinen Stempel aufdrücken und halt dann irgendwie damit leben, dass einer „schlechte“ Leistung bringt. Die Zeiten von „Friss oder Stirb“ sind lange vorbei, das haben halt einige noch nicht mitbekommen… wenn ich gute Mitarbeiter haben möchte, muss ich als Arbeitgeber auch meinen Beitrag dazu leisten. Dazu gehören ein attraktives Arbeitsumfeld genauso wie ein Gespür dafür, welcher Mitarbeiter für welche Aufgaben und welches Team am besten geeignet ist.

    Kommentar von: A.R. – am 25. April 2017 um 10:14

  5. Wer mit Erdnüssen lockt bekommt eben nur Affen.
    Fachkräfte sollten für ihre Leistung dementsprechend honoriert werden.

    Kommentar von: JULAM – am 09. Mai 2017 um 13:29

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