von Peter am 19.04.2011, 11:08 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt, Hartz IV

Nennen wir sie doch mal bei ihrem unbekannteren Namen: „Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung“. So lautet die korrekte Bezeichnung für das, was die Mehrheit als „Ein-Euro-Jobs“ kennt. Es sind Tätigkeiten, die in Gesetzgebersprech Arbeitslose wieder an das Arbeitsleben heranführen, quasi eine Art Türöffnerfunktion in den regulären Arbeitsmarkt haben sollen. Reden wir nicht lang herum: Diese Tätigkeiten werden von jeher stark kritisiert, es haftet ihnen ein geradezu schauerliches öffentliches Image an. Hauptaussage: Ein-Euro-Jobs verdrängen reguläre Arbeitsverhältnisse und bleiben für die Betroffenen nahezu wirkungslos.

Ursula von der Leyen, zur Zeit Bundesarbeitsministerin, will nun die Regeln verschärfen. In der Praxis wird dies dazu führen, dass Ein-Euro-Jobs verschwinden: Wer bislang etwa als Kommune Ein-Euro-Jobber beschäftigte, erhielt für deren Betreuung eine Pauschale in Höhe von 500 Euro pro Monat und Arbeitslosen. Per Gesetz soll dieser Betrag nun künftig auf 150 Euro gekürzt werden. Die Folge: Der Einsatz  und die Beschäftigung von Ein-Euro-Jobbern wird sich für die meisten nicht mehr lohnen.

Die Financial Times Deutschland zitiert Markus Keller, Experte für Ein-Euro-Jobs im Deutschen Landkreistag:  „Wenn das Gesetz so kommt, lassen sich die Arbeitsgelegenheiten kaum noch sinnvoll fortsetzen. Die bislang gezahlte hohe Pauschale sei berechtigt, da schwierige Personengruppen beschäftigt würden. Mit den vorgesehenen Beschränkungen ist das nicht mehr leistbar.

Stellt sich die Frage nach dem Warum!  Hat die Koalition etwa die Sinnlosigkeit dieses Arbeitsmarktinstruments eingesehen? Schön wär’s! Die Wahrheit ist: Hier geht es nur um’s Sparen. Und da ist wie so oft im Bereich der Langzeitarbeitslosen und Hartz IV-Empfänger im Normalfall mit dem wenigsten Widerstand zu rechnen. Wie man den betroffenen Personen jedoch anderweitig und wirkungsvoller helfen kann, um aus ihrer persönlichen Notlage herauszukommen, darüber spricht niemand.

Peter



Dieser Beitrag wurde am Dienstag, 19. April 2011 um 11:08 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Hartz IV abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Bin als Projektleiterin und Fachanleiterin für diesen Personenkreis seit vielen Jahren beschäftigt.
    Bei meinem Projekt reinigen langzeitarbeitslose Menschen bei alten und behinderten Personen die Privatwohnung nach Hausfrauenart.
    Vorteile: – Vielen alten und/oder behinderten Menschen bleibt ein Pflegeheim voerst erspart (was auch die öffentl.Kassen schont, weit mehr als die Ausgaben für den 1-Euro-Jobber)
    – Die Arbeitslosen verdienen sich etwas dazu, haben das Gefühl für ihr Geld etwas geleistet zu haben.
    – Hartz IV Empfänger werden individuell gefördert, auch mit Schulungen (Alphabetisierung, Deutschkurse für Migranten uvm)
    Nachteile: – Staatskassen werden höher belastet
    – viele Hartz IV Empfänger haben aufgrund ihrer Vermittlungshemmnisse gar keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, werden somit zum nutzlosen Transfer-Empfänger degradiert.
    Meine Firma wird aufgrund dieses neuen Gesetzes zum 31.12.2011 die Tore schließen. Wenn ich nicht noch einen Job finde, bin auch ich und viele Andere dann arbeitslos. Anstatt mich an der Solidargemeinschaft zahlend zu beteiligen werde ich dann auch zum Transferempfänger. Mit meinen 54 Jahren habe ich ja auch ein „Vermittlungshemmnis“
    Ob sich Frau von der Leyen mal an der Basis schlau gemacht hat? Ich habe da so meine Zweifel

    Kommentar von: Martina Huth – am 30. August 2011 um 00:18

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