Darin sind sie sich ja fast alle einig, die hiesigen Arbeitgeber: Sobald die Sprache auf das Thema Fachkräftemangel kommt, setzt unverzüglich großes gemeinsames Wehklagen ein, wie dramatisch die Situation in der Realität schon sei. Jedoch: Dass es um das Thema nicht so arg bestellt sein kann, lassen die Ergebnisse zweier Studien vermuten, die sich mit den Aussichten der sog. Generation 50plus auf dem Arbeitsmarkt befasst haben. Siehe da: Je älter jemand ist, desto geringer sind seine Chancen auf eine neue Beschäftigung. Na, das hätte man zumindest zu Zeiten nachvollziehen können, als noch sehr viele junge Menschen auf den Arbeitsmarkt drängten. Aber heute? Müsste man da als Arbeitgeber nicht ganz massiv auch ältere Arbeitnehmer weiter qualifizieren und versuchen, den angeblichen Bedarf erstmal mit deren Hilfe zu decken?

Der Altersübergangsreport des IAQ-Instituts der Universität Duisburg-Essen kommt zu dem Ergebnis: Immer mehr Ältere sind erwerbslos, die Chancen der Generation 50plus auf eine Neueinstellung sind nicht gestiegen. IAQ-Forscher Martin Brussig stellt fest, dass die meisten Betriebe die Alterung ihrer Belegschaft scheinbar passiv hinnehmen, anstatt sich durch entsprechende Arbeitsplatzgestaltung und Weiterbilung aktiv auf sie einzustellen. Denn: Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit liege der Anteil der neu eingestellten älteren Mitarbeitern im Vergleich zu allen neu eingestellten Mitarbeitern bei 13 Prozent. Deren Anteil an der Beschäftigung insgesamt ist jedoch mit 26 Prozent doppelt so hoch.

Dem entspricht auch eine andere Studie, die vom IAB-Institut durchgeführt wurde: Danach erweisen sich die Chancen auf eine neue Beschäftigung von Arbeitnehmern als umso geringer, je älter man ist. Die persönliche Qualifikation spielt hier eine wichtige Rolle: Je schlechter die Ausbildung, desto mehr Schwierigkeiten bei der Jobsuche. Sicher nicht überraschend, nur: Die Zeiten haben sich doch geändert. Anstatt also zu lamentieren und anzukündigen, Arbeitnehmer zukünftig auch im Ausland suchen zu wollen, in Portugal und Griechenland etwa, sollten Arbeitgeber lieber auf bessere und verstärkte Qualifizierungsmaßnahmen setzen! Davon würden alle profitieren. Fragt sich nur, warum das so ist. Wie wäre es damit? Mit dem Szenario eines Gewehr bei Fuß stehenden qualifizierten aber billigeren Arbeitnehmers aus dem Ausland läßt sich vorzüglich das hiesige eh schon niedrige Lohnniveau auch weiterhin nach unten drücken!

Peter

 

Bildquelle: © Gina Sanders - Fotolia.com


Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 13. Oktober 2011 um 15:27 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Demografie abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. … und dann gibt der „gemeine“ Staat auch noch Zuschüsse für die Einstellung älterer Arbeitnehmer. Bei schwerbehinderten Menschen bis 70% des Gehalts.

    Kommentar von: Rainer Göhle – am 16. Oktober 2011 um 09:50

  2. Leider bin ich fast täglich mit hoch qualifizierten Arbeitnehmern (50+, mittleres/höheres Management oder Fachspezialisten ohne Anstellung) im Gespräch, denen es nie an Vorstellungsgesprächen und interessanten Positionen fehlt. Nur eingestellt werden dann doch eher Absolventen (wenn überhaupt verfügbar) oder Fachkräfte auf Gehaltsniveau eines Absolventen.

    Meiner Meinung nach stellt sich da die Frage, ob sich die Wirtschaft auf lange Frist nicht selber mehr damit schadet.

    Kommentar von: Carsten Peter – am 01. November 2011 um 01:06

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