von Peter am 05.03.2008, 11:00 Uhr , Kategorie: Arbeitsmarkt

Der alte Spruch „Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!“ zieht hier nicht: Denn von Fälschung kann man bei den monatlich von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichen Arbeitslosenzahlen natürlich nicht sprechen. Die Abwandlung des Satzes in „Trau‘ keiner Statistik, die Du nicht selbst bearbeitet und dabei schön gerechnet hast“ wäre schon etwas naheliegender.

3.617.000 Menschen waren im Februar 2008 offiziell arbeitslos, die Quote liegt somit aktuell bei 8,6 Prozent. Sogar ein Rückgang war in diesem Monat zu vermelden, und das mitten im (milden) Winter.

Die Realität wird von diesen Zahlen leider nicht vollständig abgebildet. Denn schon seit längerem fallen immer mehr Menschen, die tatsächlich arbeitslos sind aus ganz bestimmten Gründen schnell und einfach aus der Statistik raus. Hier einige Beispiele, wer so alles nicht erfasst wird:

  • Arbeitslose, die eine Beschäftigung suchen, die weniger als 15 Stunden pro Woche umfasst;
  • Kranke (die stehen dem Arbeitsmarkt nämlich nicht zur Verfügung, da sie nicht „jederzeit ein Jobangebot annehmen können“)
  • Alleinerziehende Mütter und Väter (mit der selben Begründung wie eben…)
  • Menschen in sog. arbeitspolitischen Maÿnahmen nach § 16 Abs. 2 Sozialgesetzbuch SGB III, wie etwa:
  • Ein-Euro-Jobber,
  • Arbeitslose in beruflichen Weiterbildungsmaÿnahmen bzw. staatlichen Trainingsmaÿnahmen,
  • Arbeitslose, die einen Gründungszuschuss für die Selbstständigkeit erhalten haben,
  • Leiharbeiter bei Personal-Service-Agenturen (PSA’s),
  • Altersteilzeit’ler und Arbeitslose im Vorruhestand (nach § 428 Sozialgesetzbuch SGB III).

Man schätzt ausserdem, dass es eine sog. „stille Reserve“ von etwa 600.000 Menschen gibt, die zwar keine Arbeit haben, aber auch nicht arbeitslos gemeldet sind, weil sie ganz einfach nicht zur Arbeitsagentur gehen wollen bzw. längst resigniert haben.

Alles zusammengerechnet kommt die Süddeutsche Zeitung auf eine tatsächliche Arbeitslosenzahl von etwa 5,51 Millionen, was einer Quote von über 13% entspricht.

Die neuesten Pläne: Wie hier schon berichtet, sollen Langzeitarbeitslose über 58 Jahre nun ebenfalls aus der offiziellen Statistik rausfallen, wenn ihnen nicht innerhalb eines Jahres eine konkrete neue Arbeitsstelle angeboten werden konnte.

Irgendwann herrscht laut Statistik Vollbeschäftigung, die ÿmter jedoch werden immer noch voller Arbeitssuchender sein.

Peter



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