Sie ist möglicherweise einer der besten Indikatoren, wie es der Wirtschaft gerade geht: Die Zeitarbeit. Leiharbeitnehmer sind normalerweise die ersten im Betrieb, die ihn verlassen müssen, sobald sich der muffige Geruch von Wirtschaftskrise auszubreiten beginnt. Andererseits ist ihr wucherartig verstärktes Auftreten ein eindeutiger Hinweis auf allgemeine Besserung der Lage. Derzeit scheint es wieder so weit zu sein: Auf eine Anfrage der Partei Die Linken gab die Bundesregierung bekannt, dass nach Daten der Bundesagentur für Arbeit im Juni 2010 für mehr als jede dritte neue Stelle von den Betrieben ausdrücklich Leiharbeiter gesucht würden, die Stellenangebote hätten sich hier seit Jahresbeginn insgesamt  mehr als verdoppelt.

Da werden so manche Augen strahlen, denn Unternehmer lieben Zeitarbeiter sehr, geben sie ihnen doch die Möglichkeit, flexibles und viel günstigeres „Humankapital“ einzusetzen. Hire and Fire – eine Vorstellung, die nach wie vor viele Anhänger hat.

Gedacht war das mit der Zeitarbeit aber mal ganz anders: Eingeführt wurde sie vor allem mit dem Hintergedanken, Betrieben die Möglichkeit zu geben, ihre Produktionsspitzen schnell und ohne großen bürokratischen Aufwand auszugleichen. In der Praxis kann davon seit langem keine Rede mehr sein. Sehr viele vertreten die Meinung, dass das Instrument Zeitarbeit gezielt mißbraucht wird, um dauerhaft günstigere Beschäftige im Betrieb vorzuhalten. Folge: Die angestammten Belegschaften werden dadurch immer mehr verdrängt. Diese unsoziale Entwicklung gehört endlich gestoppt!

Peter

Nachtrag 04.08.2010: Was für eine Überraschung!! Die große Süddeutsche Zeitung zitiert unseren kleinen Blog  –> Hier lesen…



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 29. Juli 2010 um 11:01 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsmarkt, Leiharbeit abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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2 Comments »

  1. Die Notwendigkeit der Flexibilität in der Wirtschaft, ist von allen Seiten anerkannt. Darüber wird man sich kaum streiten. Bei der Frage der möglichen Übernahme fangen die Diskussionen an. Nimmt man die IAB- Zahlen, dann sind das 7% im Durchschnitt. Nach einer Krise ist die Frage einer Steigerung dieser Quote nicht kurzfristig zu erwarten.

    Die Kritk geht in Sachen Bezahlung weiter. Dort stehen Fakten im Raum, niedrige Eingruppierung, Lohndumping und Nichtzahlung von Mindestlöhnen. Man kann das ausblenden, jedoch wird die Branche immer wieder davon eingeholt.

    Die „Ängste“ der IG-Metall beziehen sich auf Drehtüreffekte a la Schlecker. Um es deutlicher zu Machen: Innerhalb von Konzernen oder mit Hilfe von externen Partnern. Die konzerninterne Drehtüre ist teilweise in den Tarifverträgen der Zeitarbeit geschlossen, die mit externen Partnern nicht. Hier werden negative Beispiel auch die Branche immer wieder „heimsuchen“.

    Günstige Preisangebote der Personaldienstleister und/oder Kostensenkungsstrategien der Entleihbetriebe könnten „Stammbeschäftigte“ in den Betrieben ausdünnen.

    Norbert Fuhrmann

    Kommentar von: Norbert Fuhrmann – am 29. Juli 2010 um 12:48

  2. Wenn ich mir ein Auto miete, so ist dies kurzfristig günstiger, als wenn ich mir ein Auto kaufe. Brauche ich das Auto aber regelmäßig oder für längere Zeit, ist der Kauf günstiger.
    So sollte es bei der „Miete“ von Arbeitnehmern auch sein. Der Arbeitgeber zahlt das normale betriebliche Entgelt an den Arbeitnehmer, plus eine Provision an die Verleihfirma.
    So bleiben die Betriebe flexibel und ein Missbrauch ist ausgeschlossen.

    Kommentar von: Peter Knoop – am 04. August 2010 um 15:34

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