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Seit heute früh fegt Sturmtief „Sabine“ über Deutschland. Der Deutsche Wetterdienst kündigt Böen bis Orkanstärke an, die Bahn warnt vor Zugausfällen und Verspätungen. Betriebsräte und Arbeitnehmer sind besorgt, denn der Arbeitsweg könnte gefährlich werden. Was tun? Ist es arbeitsrechtlich erlaubt, bei einem Unwetter zuhause zu bleiben?

„Sturmfrei“ klingt gut, ist aber für Arbeitnehmer leider nicht vorgesehen. Sie müssen pünktlich am Arbeitsplatz sein, so lautet die Regel. Dies gilt erstmal auch bei stürmischem Wetter, denn das Wegerisiko liegt beim Arbeitnehmer. Was bedeutet das? Arbeitnehmer müssen bei extremem Wetter wie Glatteis, Schnee oder Gewitter mehr Zeit für den Arbeitsweg einplanen – also früh genug aus dem Haus gehen, um pünktlich in der Firma zu sein!

Ausnahme: Extremwetter

Es gibt allerdings Ausnahmen. Natürlich muss sich niemand in Gefahr begeben, um den Arbeitsplatz (pünktlich) zu erreichen.

Gibt es ein offizielles Unwetter der Stufe Rot; oder warnen die Experten davor, das Haus zu verlassen, dann muss der Arbeitsweg in der Regel nicht angetreten werden. Ist es gefährlich, sich draußen aufzuhalten, kann niemand mehr verlangen, dass man sich auf den Weg zur Arbeit macht. Sei es wegen umgestürzter Bäume, umherfliegender Gegenstände oder Orkanböen: Juristen nennen dies eine „begründete Arbeitsverhinderung“.

Rechtzeitig den Arbeitgeber informieren!

Das Fernbleiben von der Arbeit wegen Extremwetter wird eine seltene Ausnahme sein. Es gilt in diesem Fall, sich gründlich wegen der möglichen Gefahren zu informieren. Außerdem dem Arbeitgeber frühzeitig Bescheid sagen, dass man nicht kommen kann!

Achtung: Auch wenn das Fernbleiben ausnahmsweise ok ist, so muss der Arbeitgeber für diesen Tag aber auch keinen Lohn zahlen. Anders ausgedrückt: Die ausgefallene Arbeitszeit ist nicht zu vergüten. Etwas anderes kann in Tarifverträgen oder eine Betriebsvereinbarung geregelt sein. Unter Umständen wird der Arbeitgeber verlangen, die ausgefallene Arbeitszeit nachzuholen.

Tipp: Der Betriebsrat sollte diesen Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Betriebsratssitzung setzen und eine entsprechende Regelung im Unternehmen anstoßen. Gut ist für solche Fälle beispielsweise, eine Regelung zum Thema Home-Office zu treffen.

Und wenn der Sturm das Unternehmen lahmlegt?

Etwas anderes gilt, wenn der Arbeitgeber seine Arbeitnehmer aus betrieblichen Gründen nicht beschäftigen kann – etwa, weil der Sturm den Strom lahmgelegt hat. In diesem Fall hat der Arbeitnehmer trotzdem einen Anspruch auf Entgelt.

Achtung, Abmahnung!

Sturmwarnungen und Unwetter können also ein berechtigter Grund sein, zuhause zu bleiben. Eine Abmahnung darf dem Arbeitnehmer in diesem Fall nicht ausgesprochen werden, sofern er den Arbeitgeber rechtzeitig informiert hat.

Anders kann das z.B. aussehen, wenn es bereits seit Tagen schneit und der Arbeitnehmer wiederholt zu spät kommt. Eine Abmahnung könnte gerechtfertigt sein, denn Arbeitnehmer haben die Pflicht, sich frühzeitig auf den Weg zur Arbeit zu machen und müssen wetterbedingte Verzögerungen einplanen.

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Abmahnung – und nun? Arbeitnehmer: Nehmt eine Abmahnung nicht auf die leichte Schulter!



Dieser Beitrag wurde am Sonntag, 09. Februar 2020 um 17:41 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitsschutz abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Was wird unter Alarmstufe Rot gemeint? Der DWD gibt Stufe Rot und Dunkelrot heraus:

    Stufe 3: Amtliche Unwetterwarnung (Rot)
    Die erwartete Wetterentwicklung ist sehr gefährlich. Es können verbreitet Schäden durch das Wetter auftreten. Informieren Sie sich regelmäßig über die Wetterentwicklung. Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien. Wenn Sie sich dem Wetter aussetzen müssen, seien Sie sehr vorsichtig.

    Stufe 4: Amtliche Warnung vor extremem Unwetter (Dunkelrot)
    Die erwartete Wetterentwicklung ist extrem gefährlich. Es können lebensbedrohliche Situationen entstehen und große Schäden und Zerstörungen auftreten. Häufig sind dabei größere Gebiete betroffen. Vermeiden Sie Aufenthalte im Freien. Verhalten Sie sich sehr vorsichtig und informieren Sie sich regelmäßig über die Entwicklung der gefährlichen Wettersituation. Folgen Sie auf jeden Fall den u.U. ausgegebenen Anweisungen der Behörden, Ordnungs- und Hilfskräfte. Bereiten Sie sich auf außergewöhnliche Maßnahmen vor.

    Die Stufe 4 (Dunkelrot) wäre für mich eindeutig.

    Kommentar von: Wulf S. – am 19. Februar 2020 um 08:48

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