von Peter am 05.08.2015, 15:33 Uhr , Kategorie: Arbeitszeit

Mindestlohn, Zollkontrolle, Finanzkontrolle Schwarzarbeit„Grundsätzlich ist es so, dass…“ – kennen Sie das? Spricht jemand so von Grundsätzen, sollte man auf der Hut sein. Denn im Klartext heißt das nichts anderes, als dass es Ausnahmen zum Gesagten gibt. Bei Gesetzestexten ist das so oder zumindest ganz ähnlich. Da erklärt ein Paragraf  unmißverständlich, wie irgendwas ganz allgemein ist. Und dann befinden sich in den folgenden Absätzen haufenweise Ausnahmen dazu. Meist offen formuliert, häufig aber auch gut getarnt. Deshalb empfehlen wir übrigens auf Seminaren, aber auch in unserer Gesetzessammlung, einen Paragrafen besser immer bis ganz zum Ende zu lesen, selbst wenn man im ersten Satz schon eine glasklare Aussage gefunden hat. Am besten den Folgeparagrafen auch noch lesen, in dem verbergen sich ebenfalls häufig fiese kleine oder etwas größere Überraschungen. Das aber nur am Rande.

Es geht um die Sonntagsarbeit. Bei der ist das mit den Grundsätzen so ein Fall. Liest man den § 9 Absatz 1 Arbeitszeitgesetz, ist die Sache gebongt: „Arbeitnehmer dürfen an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen von 0 bis 24 Uhr nicht beschäftigt werden.“ Basta!

Wie kann es dann sein, dass das Statistische Bundesamt soeben meldet, der Anteil der Erwerbstätigen, die am Sonntag arbeiten, sei von 10 auf 14% gestiegen?

Speziell in Call-Centern könnte bald Schluss mit der Sonntags- und Feiertagsarbeit sein.

Zur Erinnerung: Es gibt aktuell 42,8 Millionen Erwerbstätige in Deutschland. 14 Prozent davon sind immerhin ziemlich genau sechs Millionen! Ganz schön viele für eine so glas klare Regelung.

Der Grund liegt erwartungsgemäß in den schier unendlichen Ausnahmebestimmungen, die dem Gesetzgeber zum Verbot der Sonntagsarbeit eingefallen sind. Mehr dazu lese man ganz allgemein hier oder man schmökert lieber gleich im beeindruckenden Katalog des § 10 Abs. 1 ArbZG, um sich der Dimension dieses Ausnahmen-Desasters klar zu werden.

Auch in Call-Centern wird oft an Sonntagen und Feiertagen gearbeitet. Speziell hier scheint sich nun aber etwas zu tun. Ende 2014 entschied das Bundesverwaltungsgericht zur Hessischen Bedarfsgewerbeverordnung (und nur zu dieser!), dass Sonntagsarbeit in hessischen Call-Centern nicht zulässig ist. Eine Entscheidung mit möglicherweise weitreichenden Folgen. Wie das Handelsjournal berichtet, prüft nun eine gemeinsame Projektgruppe von Bund und Ländern, welche Konsequenzen dieses Urteil bundesweit haben könnte. Möglicherweise ist in Call-Centern dann generell bald Schluss mit der Sonn- und Feiertagsarbeit.

Schon regt sich Protest: Arbeitgeber drohen unverhohlen mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland. War zu erwarten. Gewerkschaften sehen das gelassen, verweisen lieber auf die Sprachbarrieren und Qualitätsprobleme bei ausländischen Telefonkollegen. Das habe in der Vergangenheit schon so manches outgesourcte Call-Center wieder zurück nach Deutschland geholt.

Wir meinen und werden nicht müde zu fordern: Lasst den Sonntag in Ruhe! Dämmt ein und weitet nicht noch mehr aus! Eine regelmäßige Sonntagskultur zu leben, ist sehr wichtig für Familien, die Lebensqualität und natürlich die eigene Gesundheit. Das bringt uns langfristig weiter, nicht die 24/7-Globalisierungsmentalität. Profitorientiert ist das natürlich nicht. Warum auch? Dafür ist es ganzheitlich gedacht, was letztlich den einen positiven Unterschied ausmacht. Das ist es, was uns abhebt.

Übrigens: Arbeitszeit ist auch für Betriebsräte nach wie vor ein absolutes Topthema. Mehr dazu hier.

Quelle: Bayerischer Rundfunk, Handelsjournal – Bildquelle: © CC BY-ND 2.0, via flickr/benkraanarchitecten

 

 



Dieser Beitrag wurde am Mittwoch, 05. August 2015 um 15:33 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeit abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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