Fotolia 24475792 XS Verschlüsselte Kritik hat im Arbeitszeugnis nichts zu suchenBei Beendigung des Arbeitsverhältnisses hat jeder Arbeitnehmer Anspruch auf ein ordnungsgemäßes Arbeitszeugnis (§ 109 Abs. 1 Satz 1 GewO). Neben Angaben über die Art und Dauer der Beschäftigung, muss dieses auf Wunsch des Arbeitnehmers auch Angaben über seine Leistung und sein Verhalten im Arbeitsverhältnis enthalten (qualifiziertes Zeugnis). Diese dürfen allerdings nicht zweideutig sein (§ 109 Abs. 2 GewO).

Aus diesem Grund hatte ein Arbeitnehmer geklagt, der ein Zeugnis mit der Formulierung: “wir haben Herrn … als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennengelernt“, erhalten hat. Der Arbeitnehmer störte sich an dem Wort “kennengelernt“. Denn dieses wird seiner Meinung nach in der Berufswelt überwiegend negativ verstanden und bringt verschlüsselt zum Ausdruck, dass gerade das Gegenteil der jeweiligen Aussage zutrifft.

Die Richter am Bundesarbeitsgericht sahen das jedoch anders (BAG 15.11.2011 – 9 AZR 386/10). Die Formulierung “als sehr interessierten und hochmotivierten Mitarbeiter kennengelernt“, erweckt aus objektiver Sicht nicht den Eindruck von Desinteresse und fehlender Motivation. Die Richter wiesen deshalb die Klage ab.

Thomas

 

Bildrechte: © klickerminth – Fotolia.com

 



Dieser Beitrag wurde am Donnerstag, 24. November 2011 um 09:59 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeugnis abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

«  –  »

1 Kommentar »

  1. Ich habe den Hinweis auf die neue Entscheidung des Bundesarbeitsgerichts mit Interesse gelesen. Es ist im Einzelfall sehr schwierig, “geheime Botschaften”der Zeugnissprache des Arbeitgebers zu erkennen. Eine verallgemeinerungsfähige “Geheimsprache” existiert nicht. Jedoch haben sich im Einzelnen nicht hinnehmbare Formulierungen herauskristalisiert. Bekannt sein dürfte die Zeugnisformulierung
    “Engagement für die Interessen der Arbeitnehmer” als Hinweis auf ein Betriebsratsmitglied; mit dem ergänzenden Verweis auch auf das “Engagement für die Interessen der Arbeitnehmer auch außerhalb des Unternehmens” soll ein Gewerkschaftsmitglied offengelegt werden. Als Kontrollgedanke für jede wertende Formulierung in einem Zeugnis sollte stets der Umkehrschluß herangezogen werden. Was erklärt die wertende Aussage gerade nicht und wird damit bewusst weggelassen? Das im Umkehrschluß nicht Offenbarte verbirgt die negative Leistungsbeschreibung, die der / die Personalfachmann / -frau dem künftigen Arbeitgeber mitteilen möchte. Insoweit scheint das Bundesarbeitsgericht im besprochenen Fall aus dem Hinweis des “Kennenlernens” keinen negativen Umkehrschluß ziehen zu wollen. Dies erscheint mir persönlich jedoch in der Tat diskussionswürdig, insbesondere angesichts der Tatsache, dass ein Arbeitsverhältnis i. d. R. wohl über ein “Kennenlernen” hinausgeht?

    Kommentar von: Dr. Lothar Classen – am 25. November 2011 um 15:15

Hinterlasse einen Kommentar