von Thomas am 21.09.2009, 13:19 Uhr , Kategorie: Arbeitszeugnis

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber nach § 109 Abs. 1 Satz 1 GewO dem ausscheidenden Arbeitnehmer auf Verlangen ein Arbeitszeugnis ausstellen. War der Arbeitgeber mit den Leistungen des Arbeitnehmers nicht zufrieden, möchte er dies natürlich auch in dem Zeugnis dokumentieren. Allerdings hat das Bundesarbeitsgericht klargestellt, dass der Arbeitgeber verpflichtet ist ein wahrheitsgemäßes (BAG vom 23.06.1960, 5 AZR 560/58) sowie wohlwollendes (BAG vom 21.6.2005, 9 AZR 352/04) Arbeitszeugnis auszustellen.

Um dennoch ihre wirkliche Meinung kundzutun, haben die Arbeitgeber einen Zeugnis-Code entwickelt: Was auf den ersten Blick für den Laien gut klingt, stellt sich in der Praxis als herbe Kritik dar. Deshalb ist ein sehr aufmerksames Lesen des Arbeitszeugnisses gefragt.

Hier einige gängige Formulierungen und was sich dahinter versteckt:

„… hat stets zur Verbesserung des Betriebsklimas beigetragen…“. Damit will der Arbeitgeber andeuten, dass der Mitarbeiter dem Alkohol mehr als zuträglich zuspricht und/oder Klatsch und Tratsch weiter erzählt.

„…bewies viel Einfühlungsvermögen in die Probleme anderer Mitarbeiter“ bedeutet im Klartext, dass der ausscheidende Kollege auf Sexualkontakte im Betrieb aus war oder solche gar gehabt hat.

„…war wegen seiner Geselligkeit bei der Belegschaft beliebt“. Damit wird eine sogenannte „Betriebsnudel“ beschrieben, die vielleicht auch noch dem Alkohol sehr verbunden war.

„…war stets pünktlich“. Eine solche Bemerkung bedeutet, dass dem Arbeitgeber nichts Positives über den Mitarbeiter eingefallen ist. Pünktlichkeit ist selbstverständlich! Wird sie trotzdem ausdrücklich erwähnt, bedeutet das nur: Der Mitarbeiter taugt nichts, aber wenigstens war er immer pünktlich.

Steht im Zeugnis „…war immer für einen Verbesserungsvorschlag gut“, ist das eine sehr zweischneidige Bemerkung! Ist dies nicht mit Zusätzen garniert, die klarstellen, dass die Verbesserungsvorschläge auch umgesetzt wurden, wird der Arbeitnehmer durch diese Beurteilung als Querulant und Besserwisser entlarvt.

Auch was am Schluss des Zeugnisses steht ist sehr wichtig. Denn: Nur beim Ausscheiden eines wirklich guten, allseits erfolgreichen Mitarbeiters wird der typische Dreiklang Bedauern, Dank und Zukunftswünsche in gebührender Weise in den Schlusssatz aufgenommen:

„Wir bedauern sehr, dass Frau/Herr … unser Unternehmen verlässt und danken ihr/ihm für die geleistete, erfolgreiche Arbeit und jederzeit gute Zusammenarbeit. Für die weitere Zukunft wünschen wir Frau/Herrn … beruflich und persönlich alles Gute.“

Über das Fortlassen einzelner Teile oder bestimmter Attribute (z. B. „erfolgreiche“ Arbeit, „gute“ Zusammenarbeit) sind Abstufungen in der Wertschätzung leicht möglich. Fehlen allerdings die Zukunftswünsche, deutet dies auf eine besonders negative Bewertung hin. Aber selbst in den Zukunftswünschen könnte noch eine negative Botschaft versteckt sein, z.B. in folgendem Fall:

„…wünschen wir Frau/Herrn alles Gute, vor allem Gesundheit.“ Hier handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Mitarbeiter, der besonders durch häufiges „Krankfeiern“ aufgefallen ist.

Thomas



Dieser Beitrag wurde am Montag, 21. September 2009 um 13:19 Uhr veröffentlicht und wurde unter der Kategorie Arbeitszeugnis abgelegt. Du kannst die Kommentare zu diesen Eintrag durch den RSS-Feed verfolgen. Du hast die Möglichkeit einen Kommentar zu hinterlassen, oder einen Trackback von deinem Weblog zu senden.

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1 Kommentar »

  1. Der Zeugniscode hat sich aus der Pflicht des Arbeitgebers, die Leistungen des Arbeitnehmers wahrheitsgemäß und mit verständigem Wohlwollen zu bewerten, ohne diesen in seinem weiteren beruflichen Fortkommen unnötig zu behindern, entwickelt. Darauf beziehen sich auch die jährlich über 30 000 gerichtlichen Streitigkeiten zum Thema Arbeitszeugis, die letztendlich stilprägend für die Zeugnissprache waren und sind. Die positiv lobendende Zuegnissprache, der sog. Zeugniscode, ist dabei nicht mit dem Geheimcode zu verwechseln, dessen Anwendung in Zeugnissen nicht erlaubt ist.

    Kommentar von: Th. Redekop – am 08. Februar 2017 um 22:27

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